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Attentat auf „Charlie Hebdo“ : Das Licht erlischt nicht

Am einstigen Redaktionssitz von „Charlie Hebdo“ in der Rue Nicolas Appert in Paris hat der Straßenmaler Christian Guemy die Opfer verewigt. Bild: AFP

Zum vierten Jahrestag des Attentats erinnert die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ an die Opfer, die bei dem Anschlag starben. Chefredakteur Riss meint, der „islamistische Totalitarismus“ erstarke weiter.

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          Wo ist „Charlie“ geblieben? Die Stimme der radikalen Satire in Frankreich? Vier Jahre nach dem Attentat hat die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ am Wochenende ein Sonderheft veröffentlicht. In diesem zieht die Redaktion eine traurige Bilanz. Auf dem Cover löschen ein Imam und ein Erzbischof eine Kerze aus, in deren schwachem Licht das Titelblatt der Ausgabe mit Michel Houellebecq zu sehen ist, die vor vier Jahren am Tag des Blutbads in den Verkauf gelangte.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es war der 7. Januar 2015, an dem die Brüder Said und Cherif Kouachi in die Redaktion eindrangen und elf Menschen töteten, auf ihrer Flucht erschossen sie einen zwölften, zwei Tage später starben sie bei einem Schusswechsel mit der Polizei. Zu den Opfern der islamistischen Attentäter, die sich Als Anhänger von Al Qaida zu erkennen gaben, zählten Stéphane Charbonnier (Charb), der Herausgeber von „Charlie Hebdo“, die Kolumnistin Elsa Cayat, die Zeichner Jean Cabut, Bernard Verlhac, Philippe Honoré und Georges Wolinski, die Journalisten Bernard Maris und Michel Renaud, der Lektor Mustapha Ourrad, der zu Charbs Personenschutz abgestellte Polizeibeamte Franck Brinsolaro und der Techniker Frédéric Boisseau. Auf ihrer Flucht erschossen die Attentäter den Polizisten Ahmed Merabet.

          Unter ständiger Bedrohung

          Ein dritter Angreifer, Amedy Coulibaly, der sich zur Terrorgruppe „Islamischer Staat“ bekannte, tötete am 8. Januar die Polizistin Clarissa Jean-Philippe. Am Tag darauf nahm er Geiseln und tötete vier Menschen (Philippe Braham, Yohan Cohen, Yoav Hattab und François-Michel Saada) in einem jüdischen Supermarkt. Coulibaly kam ums Leben, als die Polizei das Geschäft stürmte.

          Das Titelblatt der Sonderedition von „Charlie Hebdo“.

          Die Untersuchungen der Polizei zu den Attentaten sind mittlerweile abgeschlossen. Erleichtert hat sich die Redaktion über die Verhaftung von Peter Cherif geäußert, der Mitte Dezember in Djibouti gefasst wurde. Die Kouachis waren enge Vertraute des Dschihadisten, der möglicherweise bei der Vorbereitung des Attentats mitwirkte. Er soll bei einem Prozess, der 2020 stattfinden wird, aussagen.

          An diesem 7. Januar wurde nun vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude von „Charlie Hebdo“ in der Rue Nicolas Appert und an der Stelle, an welcher der Polizist Merabet erschossen wurde, der Opfer des islamistischen Angriffs gedacht. An der Zeremonie nahmen unter anderen der französische Innenminister Christophe Castaner, Justizministerin Nicole Belloubet, Kulturminister Franck Riester und die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, teil.

          Chefredakteur Laurent Sourisseau (Riss), der das Titelblatt der Sonderausgabe von „Charlie Hebdo“ gezeichnet hat, beklagt im Leitartikel die Feindseligkeit nicht nur der Extremisten, sondern auch der Intellektuellen. In den vergangenen vier Jahren habe der Einfluss des „islamistischen Totalitarismus“ ständig zugenommen, jegliche Kritik an ihm werde als „Blasphemie“ ausgelegt, schreibt Riss. Frankreichs Gesellschaft huldige einer „Gegen-Aufklärung“. Zu den Figuren, die diese verkörpern, zählt die Zeitschrift nicht nur Donald Trump, den Papst und die Familie Le Pen, sondern auch den Schriftsteller Michel Houellebecq.

          Vor Jahresfrist hatte sich die Redaktion, die unter ständiger Bedrohung arbeitet, über die hohen Sicherheitskosten beklagt. Sie führen dazu, dass das Blatt mit Verlust arbeitet. Es verfügt allerdings über hohe finanzielle Reserven. Die Auflage von „Charlie Hebdo“ geht zurück, aber noch immer werden 30000 Abonnements und etwa ebenso viele Kioskverkäufe ausgewiesen.

          Chefredakteur Riss will den Kampf weiterführen und die drohende „Depression“ überwinden. Auch der bei dem Attentat vor vier Jahren schwer verletzte Philippe Lançon, der im vergangenen Herbst für sein großartiges Buch „Le Lambeau“ über die Zeit seither zwei Literaturpreise bekam, meldet sich in diesem Sonderheft zu Wort. „Dass der letzte, der geht, das Licht ausmache, auch wenn er nichts mehr sieht?“, schreibt Lançon: „In unserem bescheidenen Haus haben die beiden Brüder K. versucht, die Lichter der Aufklärung auszulöschen. Aber sie haben ein paar Lampen vergessen.“

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