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Assange und Snowden : Fluchthelfer

Verkünder der Wahrheit: Julian Assange in seiner provisorischen Heimat, der ecuadorianischen Botschaft Bild: dpa

In Zeiten, in denen es um die Enthüllungsplattform Wikileaks ruhig geworden ist, freut sich Julian Assange, Edward Snowden medienwirksam zu den seinen zu zählen. Auch wenn dieser für seine Enthüllungen andere Medien vorzog.

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          Diese PR hat Julian Assange dringend gebraucht. Und er hat sie gesucht: Edward Snowden, der Mann, der die Welt über die amerikanischen und britischen Datenspionageprojekte „Prism“ und „Tempora“ in Kenntnis gesetzt hat, habe Hongkong verlassen und sei auf „einem sicheren Weg“ Richtung Ecuador unterwegs, um dort politisches Asyl zu beantragen, teilte Assanges Wikileaks-Truppe am Sonntag mit. Snowden habe Wikileaks gebeten, für Rechtsbeistand und für seine Sicherheit zu sorgen. Er werde begleitet von Diplomaten und Rechtsvertretern von Wikileaks.

          Sollte er sich auf diese Unterstützung tatsächlich verlassen, muss Edward Snowden ziemlich verzweifelt sein. Denn auf Wikileaks zu vertrauen heißt, ein unkalkulierbares Risiko einzugehen. Wie fragwürdig und fragil diese Hilfstruppe ist, kann man allein schon an dem Umstand erkennen, dass der frühere spanische Richter Baltasar Garzón, der Julian Assange vertritt und von Wikileaks sogleich als potentieller Rechtsbeistand von Edward Snowden zitiert wurde, am Montag auf der Wikileaks-Plattform verbreiten ließ, das müsse er sich erst noch einmal überlegen. Im Augenblick vertrete er Snowden jedenfalls nicht. Eine abgestimmte Aktion sieht anders aus.

          Ein Freund der Pressefreiheit?

          Wikileaks, das ist heute Julian Assange plus ein paar wenige Mitstreiter, über die er seine in der ganzen Welt verstreuten Unterstützer bei der Stange zu halten sucht. Seit mehr als einem Jahr hockt Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London. Von dort aus bettelt er um Spenden. Es ist einsam um ihn geworden, die Eskorte, die Edward Snowden von Hongkong aus zunächst nach Moskau begleitet hat, besteht vor allem in Assanges enger Vertrauter, der Journalistin Sarah Harrison.

          Und dass er überhaupt als Fluchthelfer auftreten kann, hat Julian Assange seinen zweifelhaften Gönnern zu verdanken - dem ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa und - wie es aussieht - dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der eine wie der andere hat mit Pressefreiheit nichts, aber auch gar nichts im Sinn. Auch nicht mit Datenschutz oder freier Informationsgebung im Internet. Hier geht es um Machtpolitik, um ein Auftrumpfen gegenüber den Vereinigten Staaten. Und da mischt Julian Assange gern mit, auch er ist nicht wirklich ein Freund der Pressefreiheit.

          Er hat die Medien benutzt, als er sie brauchte, um die von dem amerikanischen Soldaten Bradley Manning beschafften Daten unter die Leute zu bringen. Doch hat er sich mit seinen ehemaligen Verbündeten inzwischen entzweit. Dafür machte er zuletzt für den russischen Sender „Russia Today“ eine eigene Sendung, deren erster Gast der Hizbullah-Chef Hassan Nasrallah war. An „Leaks“ hat Wikileaks seit langem nichts mehr zu bieten, die sogenannten „Syria Files“, die Wikileaks vor einem Jahr online stellte, waren ein großer, ungeordneter Haufen Schrott, gedacht, aber nicht dazu angetan, das Assad-Regime in Syrien zu erschüttern.

          Insofern schien es nur konsequent, dass sich Edward Snowden nicht Wikileaks und Assange, sondern dem „Guardian“ und der „Washington Post“ anvertraute. Wenn man sieht, wie es dem Whistleblower Bradley Manning ergeht, kann man das gut verstehen. Nur für die Fluchtmöglichkeiten sind die Zeitungen wohl nicht zuständig. In diese Lücke stößt nun sogleich Julian Assange und sagt: „Edward Snowden ist einer von uns. Bradley Manning ist einer von uns.“ Für diese Vereinnahmung dürfte sich Edward Snowden noch bedanken.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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