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Kommentar : Arte und WDR gehen in Deckung

Ein Rabbiner steht zum Auftakt des Lichterfestes im Dezember 2016 auf dem Opernplatz in Frankfurt am Main vor einem Chanukkah-Leuchter. Bild: dpa

Eine Dokumentation über Antisemitismus in Europa wird vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Auftrag gegeben, aber nicht gezeigt. Die Sender lehnen sie mit formalen Argumenten ab. Könnte es sein, dass sie kneifen?

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          Was Arte und der Westdeutsche Rundfunk senden und was sie nicht senden, ist schon interessant. Im März lief beim WDR über den niederländischen Politiker Geert Wilders ein Film, dessen antisemitischer Unterton einem nicht entgehen konnte. Die Bildgebung, die Gesprächspartner, die Mosaiksteine, die der Autor Joost van der Valk für sein Porträt des Vorsitzenden der Partij voor de Vrijheid aneinanderfügte, ließen diesen – zwischen den Zeilen – als Kopf einer jüdischen Weltverschwörung erscheinen. Das ging so weit, dass ein Islamist zu Wort kam, der Wilders’ ablehnende Haltung zum Islam mit dem Weltbild der Zionisten gleichsetzte.

          Obwohl der WDR den Film nach öffentlicher Kritik nachbearbeitete, blieb der Eindruck erhalten, dass mit Wilders’ Verbindungen zum Judentum etwas nicht koscher sei. Dieses Porträt also sendete der WDR. Den Film „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“, mit dem die Autoren Joachim Schröder und Sophie Hafner von Arte und dem WDR als Kooperationspartner beauftragt worden waren, bekommen wir derweil weder beim deutsch-französischen Sender noch beim Westdeutschen Rundfunk zu sehen.

          Die Begründung dafür klingt fadenscheinig: Der Programmdirektor von Arte, Alain Le Diberder, verweist auf den fehlenden „Proporz“ der Drehorte und darauf, dass der dritte vorgesehene Autor des Films – der deutsch-palästinensische Publizist und Psychologe Ahmad Mansour – nurmehr als Berater fungiere. Auf diese Mitwirkungsart hatte sich Mansour aus familiären Gründen zurückgezogen. Ohne ihn als Autor aber erschien Arte und dem WDR, der sich mit formalen Argumenten aus der Sache herausredete, das Ganze nicht mehr „ausgewogen“.

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          Diese „Ausgewogenheit“ erscheint uns ausgesprochen verlogen. Wir wollen sie anders nennen: Feigheit. Es ist die Feigheit davor, sich mit dem wachsenden Antisemitismus auseinanderzusetzen, der die Wurzeln der deutschen wie der französischen Gesellschaft berührt. Dieser Antisemitismus kommt nicht nur von rechts, er kommt auch von der politischen Linken, und er ist ein Kennzeichen des radikalen Islams. Er wird gerade zum „normalen“ Alltagsphänomen. Wer sich damit befasst, kann es sich nicht bequem machen und Neonazi-Aufmärsche abfilmen, sondern muss unangenehme Fragen stellen, so wie die Autoren Joachim Schröder und Sophie Hafner es vorhatten und, wie namhafte Experten bezeugen, es auch geleistet haben.

          Wir, die Zuschauer, können uns davon nur leider nicht überzeugen, weil der Film nicht gesendet wird. In einer Zeit, in der zwei „Tagesspiegel“-Reporter den Versuch unternehmen, mit Israel-Fahne zum Fußball-Public-Viewing am Brandenburger Tor zu gehen, zuhauf angefeindet werden und schließlich vor einer Gruppe arabischstämmiger Männer flüchten müssen; in einer Zeit, in welcher der einzige jüdische Schüler eine Schule in Berlin verlässt, weil er täglich drangsaliert wurde; in einer Zeit, in der ein Brandanschlag auf eine Synagoge in Wuppertal, verübt von drei Palästinensern, vor Gericht als „nicht antisemitisch motiviert“ qualifiziert wird, wäre es die zwingende Aufgabe des von uns allen finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der sich so gern als Demokratiegarant geriert (vor allem wenn es ums Geld geht), an dieser Stelle nicht zu kneifen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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