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Arte über Russlands Propaganda : Die Zeiten ändern sich

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Andrej Soschnikow ist Journalist für BBC Moskau und erklärt in der Arte-Doku die Wirkungsweise russischer Trollfabriken. Bild: © Czech Television

Manipulation im Gewand der Aufklärung, Verunsicherung, Desinformation: In der Dokumentation „Putins Propagandakrieg in Prag“ analysiert Arte, wie Russland auf die öffentliche Meinung in Tschechien einwirkt.

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          Im August 1968 rollen Panzer durch die Prager Innenstadt. Truppen der verbündeten Sowjetstaaten besetzen die Tschechoslowakei, die Aufbruchstimmung des „Prager Frühlings“ findet ein jähes Ende. Für den Kreml ist die Militäraktion ein Erfolg. Die ČSSR ist von nun an zwanzig Jahre lang, bis zum Fall des Eisernen Vorhangs und zum Ende der Sowjetherrschaft, der „treueste Vasall“ Moskaus. Die „Samtene Revolution“ schließlich bringt einen Dichter und verfolgten Regimekritiker ins höchste Staatsamt. Václav Havel, Mitinitiator der „Charta 77“, wird letzter Staatspräsident der Tschechoslowakei und erstes Staatsoberhaupt der unabhängigen demokratischen Republik Tschechien. Russland verliert an Einfluss. Tschechien wird Nato- und EU-Mitglied.

          Glaubt man politischen Sendungen im russischen Fernsehen, ist das ein Akt der Aggression des Westens. In einer Sendung mit Studiopublikum, aus der die Dokumentation „Putins Propagandakrieg in Prag“ Ausschnitte zeigt, erscheinen hinter dem Moderator zwei europäische Landkarten. Eine vom 22. Juni 1941, die andere aktuell. Auf der linken Karte ist das Hakenkreuz, auf der rechten das Symbol der Nato abgebildet. „Natürlich wissen wir, dass wir diesen Vergleich nicht ziehen dürfen“, so der Moderator, natürlich sei es nicht dasselbe, „aber die Bedrohung existiert.“ Er lässt sich diese Ansicht von einem „Experten“ bestätigen, der vor dem bevorstehenden Einmarsch des Westens warnt.

          Manipulation im Gewand der Aufklärung, das Ziel ist Verunsicherung: Die Dokumentation lässt zahlreiche Experten von Thinktanks zur strategischen Einflussforschung und Historiker, Politologen von NGOs und Journalisten zu Wort kommen, die die destabilisierende Gefährlichkeit der solcherart erzeugten Propaganda in Tschechien vielfach belegen. Dabei geht der Blick im Land ohnehin wieder verstärkt Richtung Russland. Der Film zeigt Ausschnitte einer Pressekonferenz nach einem Treffen des tschechischen Staatspräsidenten Zeman mit Putin. Die Begegnung zweier sich leutselig gebender Politiker fand gegen den ausdrücklichen Willen der tschechischen Regierung statt. Selbst die Reise, scherzt Zeman, habe er aus eigener Tasche finanzieren müssen. Aber die Zeiten würden sich ändern, schon bald.

          Desinformationskampagnen heute: effizient und effektiv

          Die Zeiten haben sich schon geändert, seit der russischen Annexion in der Ukraine. Der Krieg um geopolitischen Einfluss und Vorherrschaft, so die These der französisch-tschechischen Koproduktion von Tomas Kudrna, wird in Demokratien wie Tschechien auf dem Gebiet der Meinungsbildung ausgetragen. Entsprechende Nachrichten-Websites gehören oft Kaufleuten mit privatwirtschaftlichen Interessen, die Spur in den Kreml lässt sich kaum zurückverfolgen. Krawallige Artikelüberschriften verkaufen sich am besten. Das ist keine neue Einsicht, wird aber mit einer Fülle von Details aufgearbeitet. Kudrna hält sich zurück mit der Bewertung des Gefundenen, seien es hetzerische Websites, die Russlands Rolle in Syrien als vermeintlicher Samariter beleuchten oder von Übungen der Bundeswehr in Mähren fabulieren oder sei es die Schilderung einer Bloggerin, die sich in einer „Trollfabrik“ zum Schein als Verfasserin prorussischer Kommentare verdingte und ein umfassendes Dokument mit Arbeitsanweisungen zum Vorgehen auf Facebook und Twitter vorlegt.

          Desinformationskampagnen, schon immer Teil der Militärstrategie, sind effizient und effektiv wie nie zuvor. Soziale Medien und das Internet bieten die Plattformen. „Alternative Medien“ werden ausgespielt gegen „Mainstreammedien“. In einer Doktrin des russischen Verteidigungsministeriums zur Propagandakriegsführung steht das strategische Vorgehen genau beschrieben. Wie erfolgreich es ist, hängt von jedem einzelnen Nutzer ab. „Putins Propagandakrieg in Prag“ lässt einen nicht allzu optimistisch zurück.

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