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Film über Angststörung : Sex, Panikattacke, Schreitherapie

  • -Aktualisiert am

Hedi (Laura Tonke) sucht die Nähe zu ihrem Mann (Hans Löw). Bild: © ZDF/Nikolai von Graevenitz

Da ist kein Psychogramm zu viel: Der Film „Hedi Schneider steckt fest“ widmet sich einer jungen Mutter mit Angststörung und zeigt eine Frohnatur im freien Fall. Wer kann sie retten?

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          Was Hedi Schneider (Laura Tonke), Mitte dreißig, mit Ehemann und Kind, alles nicht ist: frustriert, melancholisch, düster, in sich gekehrt, emotional bedürftig. Eine angenehme Person, ungewöhnlich verspielt, offen bis zur Kindlichkeit. Selbst dem miesepetrigen Kollegen Schild (Matthias Bundschuh) in der Reiseagentur gegenüber verhält sie sich gleichbleibend freundlich. Dass der Chef (Simon Schwarz) sie ständig herabsetzt, bemerkt sie nicht. Sie ist ein sonniges Gemüt in roten Strumpfhosen. Andere fahren weg, sie mag wilde Muster auf Röcken und Tapeten, nebst rosafarbenem Pullover mit roten Kirschen. Steckt der Aufzug fest, unterhält sie sich mit dem Notdienstmann über Gott und die Welt. Tippt Hedi Schneider Aufträge in den Computer, murmelt sie den Text leise vor sich hin, aber das machen viele so. Als sie die Wohnung ihrer verstorbenen Tante ausräumt, kriegt sie sich kaum ein wegen einer uralten Wollmütze, die dem Sohn Finn (Leander Nitsche) längst nicht mehr passt. Aber so sind Mütter nun mal, oder ist das schon hysterisch?

          Wie aus dem Nichts kommt daher die Panikattacke mitten im Akt mit Mann Uli (Hans Löw) auf dem Küchenboden. Überzeugt, sterben zu müssen, lässt sich Hedi mühsam davon überzeugen, unter einer Angststörung zu leiden. Das muss weg, und zwar schnell. Zwei Monate noch, dann will Uli mit der Familie für eine NGO nach Gambia gehen. Bis dahin hält er die Stellung in der Arbeitsagentur als Jobvermittler für Gehörlose. Hedi Schneider fleht die Ärztin um Pillen an, Nebenwirkungen sind ihr egal. Viel hilft vielleicht viel, führt aber nur dazu, dass Hedi im Nachthemd auf die Straße geht und eine Party sprengt. Ausschlafen hilft nicht, Essen geht nicht, auch wenn Mutter Gisela (Margarita Broich) enttäuscht „mir zuliebe“ fleht.

          Der tiefe, tiefe Fall

          Konfrontationstherapie, Schreitherapie, Achtsamkeitsübungen, Muskelentspannung: Hedi Schneider kriegt die Angst vor der Angst nicht in den Griff. „Es tut mir so leid, dass ich das habe“, sagt sie. Hedi steckt fest, ihr Mann Uli kann nicht weg. Tschüss, Gambia. Finn versteht nur noch Bahnhof. Dann nimmt auch die Liebe Schaden. Mit Viviane (Melanie Straub) erlebt Uli endlich wieder Ruhe. Kein Wunder, die gehörlose Frau spricht nur Gebärdensprache. Hedi dagegen hockt vor Fensterscheiben, hinter Glastüren, steht neben sich, die durchsichtige Wand im Großraumbüro trennt sie von allen anderen (Kamera Nikolai von Graevenitz).

          „Hedi Schneider steckt fest“ lässt seine Heldin tief und tiefer fallen und unternimmt so unablässig wie nutzlos Versuche, ihr mit Humor wieder aufzuhelfen. Nur anfangs lustig, wird das Komische, wie beim traurigen Clown, zum Teil einer Überlebensstrategie. Manchem mag das als Problembeschreibung für eine psychische Erkrankung nicht ernsthaft genug sein, tragisch ist es allemal. Die Regisseurin und Autorin Sonja Heiss verarbeitet in ihrem Film Autobiographisches, liefert aber kein Erklärstück. Auf fast zärtliche Weise den Verlauf der Krankheit dokumentierend, solidarisiert sie sich mit ihrer Hauptfigur.

          Laura Tonke, für ihre Darstellung mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, gibt Hedi Schneider facettenreich zahlreiche Versuche, Normalisierungsmanöver zu entwickeln. Kleine Brötchen zu backen ist eines davon. Wenn das Lebensglück perdu scheint, tut es vielleicht ein einzelner glücklicher Tag. Uli leuchtet das ein. „Hedi Schneider“ zeigt auch, wie eine persönliche Krise die Familie betrifft. Ein Film, der nichts besser weiß, sondern das Problem genau skizziert und einer Prämisse vertraut: Wer keine Gewissheit mehr sieht, aber noch Witze versteht, hat schon viel.

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