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„Ziemlich beste Gegner“ : Der gallische Hahn darf nicht ins Stadion

In die Zange genommen: Gegen Schweinsteiger und Boateng kann Frankreichs Blaise Matuidi wenig ausrichten. Bild: AFP

Sind Deutsche und Franzosen beim Fußball „Ziemlich beste Gegner“? Arte beleuchtet die sportlichen und politischen Perspektiven der Nachbarn und erinnert auch an die dramatische Begegnung in Sevilla.

          Das Spiel von Sevilla führte zu einer Staatsaffäre. Die Kriegsgeschichte wurde hochgekocht, die Medien und der französische Volksmund mobilisierten deutschfeindliche Klischees. Bundeskanzler Helmut Schmidt schickte ein Telegramm in den Elysee-Palast, entschuldigte sich beim Genossen François Mitterrand, der sich mit seinem Nachfolger sehr viel besser verstehen wird, und den Franzosen, die den Sieg verdient gehabt hätten. Zwei Jahre später schritten Mitterrand und Helmut Kohl Hand in Hand über die Felder von Verdun.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Auch diese Szene hat Einzug gehalten in Albert Knechtels Dokumentation über den „Fußball in Deutschland und Frankreich“, die er nach einem auch in Deutschland sprichwörtlich und erfolgreich gewordenen französischen Film benannt hat: „Ziemlich beste Gegner“. Die Geschichte ihrer Beziehungen im Fußball umfasst zwei Weltkriege, erstaunlich wenige Begegnungen zwischen Klubmannschaften wie Bayern München und St. Etienne, und vor allem 85 Länderspiele – das bisher letzte war Ziel der Anschläge in Paris.

          Und sie beginnt 1982 in Sevilla. „Da war alles drin, was Fußball bieten kann“, schwärmt Daniel Cohn-Bendit. Drei zu eins führten die Franzosen in der Verlängerung. Doch für das Endspiel qualifizierte sich Deutschland. Die Dramatik und das aggressive Foul von Torhüter Schumacher am französischen Stürmer Battiston erregten die Gemüter wie kaum je ein Fußballspiel in Europa. Nach den heutigen Regeln würde es Elfmeter und eine Rote Karte geben, sagt einer im Film. Abgeklärt und versöhnlich äußert sich Patrick Battiston.

          Mit gallischem Hahn zum Länderspiel

          Schumacher kommt mehrfach ins Bild. Sichtlich in Verlegenheit brachte ihn ein Interview, in dem er auf sein damaliges Angebot, er würde dem Stürmer die Goldkronen für die ausgeschlagenen Zähne schon bezahlen, angesprochen wurde. Auch auf die Entschuldigung, die er über den Pressesprecher habe ausrichten lassen. Nationalspieler Alain Giresse schaltet, wenn er sich die Wiederholung ansieht, nach dem 3:1 ab – der Rest ist ihm noch immer unzumutbar. Cohn-Bendit konstatiert eine „sportliche Aggression, die geschichtlich überhöht wurde“, und verleiht ihr erst recht eine irrationale Dimension: „Sevilla ist mit seiner Ungerechtigkeit der Beweis, dass es Gott nicht gibt.“

          So lange wie ein Fußballspiel dauert die Dokumentation, die überaus vielfältig ist. Stellenweise erweist sie sich als ziemlich privates Porträt von Gernot Rohr, der als Spieler von Bayern zu Bordeaux wechselte und in Frankreich eine große Trainerkarriere machte. Man sieht ihn im Oldtimer und beim Essen mit seiner Familie. Erinnert wird an seinen Großonkel Ossy Rohr, der als erster deutscher Profi nach Frankreich zog. Es gibt Berichte über die Fan-Kultur. Bei Borussia Dortmund werden die Kutten mit Bier und Bratwurst geweiht. Clément aus Antibes kommt seit 1982 mit seinem gallischen Hahn zu jedem Länderspiel. Dass deutsche Hooligans 1998 einen französischen Polizisten fast zu Tode trampelten und zum Invaliden machten, wird nicht verschwiegen. Der Germanist Albrecht Schöne umreißt in wenigen Worten den unterschiedlichen Status der Nationalmannschaft im jeweiligen Land.

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