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Doku zu Konversionstherapien : Liebe dich selbst, hasse deine Sexualität

Gezeichnete Exorzismus-Szene aus dem Film „Wie krank ist Homo-Heilung?“. Bild: © Ego Productions

Mitten in der Debatte um ein Verbot von Konversionstherapien in Deutschland zeigt die Dokumentation „Wie krank ist Homo-Heilung?“ das ausgeklügelte System dieser Behandlungen – und ihre massiven Folgen.

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          Deb weiß gleich, dass etwas nicht stimmt, als sie von der Schule nach Hause kommt. Ihre Eltern sitzen im Wohnzimmer, im Dunkeln. Sie erwarten ihre Tochter. „Deb, bist du lesbisch?“ In dem Moment hat sie das Gefühl, dass sie es sowieso schon wissen. Also antwortet sie ehrlich: „Ja.“ Die leise Wut ihrer Eltern, eines evangelikalen Paars aus Arkansas, macht ihr Angst.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Später muss Deb sich einem Exorzismus unterziehen, sie wird ans Bett gefesselt, angeschrien. Der Dämon, der ihre Homosexualität verursacht, soll ihren Körper verlassen. Der einzige Grund, warum sie sich nach den Torturen der Exorzismen nicht umbrachte, war exzessives Trinken, erzählt Deb heute. Jean-Michel aus Frankreich hat insgesamt acht Exorzismen durchlebt, die teilweise gewaltsam ausgeführt wurden. Benôit wurde seit seinem fünfzehnten Lebensjahr in den Sommerferien in ein spezielles Lager geschickt, in dem er täglich dafür beten musste, nicht mehr schwul zu sein. Und die junge Polin Ewa musste neben Heilmessen und Umpollagern auch Elektroschocks ertragen.

          All diese Menschen kommen in der Dokumentation „Wie krank ist Homo-Heilung?“ von Bernard Nicolas zu Wort. Mitten in der Debatte um ein Verbot von Konversionstherapien in Deutschland zeigt der Film Betroffene, aus Deutschland, Frankreich, Polen, der Schweiz und den Vereinigten Staaten – alles Länder, die im internationalen Vergleich als fortschrittlich im Umgang mit Homosexualität gelten. Gesetze, die Konversionstherapien verbieten oder einschränken, gibt es bisher nirgendwo. Dabei durchleben die Opfer von Umpolversuchen oft jahrelange Leiden, die sie eindrücklich schildern: Der Hass gegen die eigene Sexualität. Die Zweifel. Die Depressionen. Der Wunsch zu sterben. „Ich hatte das Gefühl, in mir schlummert ein wildes Tier“, so beschreibt ein Betroffener seine Homosexualität.

          Wer ist verantwortlich für das Leid?

          Wer hat Schuld daran, dass Heranwachsenden im christlichen Umfeld jahrzehntelang so zugesetzt wurde? Dass noch heute Konversionstherapien angeboten werden? Nicht allein die selbsternannten Homo-Heiler sind verantwortlich. Der Film verweist auf ein kompliziertes Geflecht: Es besteht aus religiös-konservativen Eltern, aus intoleranten Gemeinden und Priestern, aus unglücklichen Jugendlichen – und aus global agierenden Organisationen, die ein internationales Netzwerk aufgebaut haben, um Homosexualität systematisch zu bekämpfen. Vor allem Letzteren stellte sich lange niemand in den Weg.

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