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Arianna Huffington zum Sechzigsten : Wie man das Netz aufmischt

  • -Aktualisiert am

Energisch und glanzvoll in vielen Rollen: Arianna Huffington Bild: REUTERS

Mal republikanisch, mal linksliberal, aber immer glanzvoll: Die Publizisten Arianna Huffington, Gründerin des bekannten Onlinezeitung „Huffington Post“, belebt die Debattenlandschaft mit einer Mischung aus Temperament, Exotismus und Schlagfertigkeit. Heute wird sie sechzig.

          Es ist nicht nur ihr exotischer, sorgfältig konservierter Akzent, der Amerika aufhorchen lässt. Arianna Huffington, geborene Stassinopoulos, die Frau aus Griechenland, vor der kein amerikanischer Fernsehkanal sicher ist, legt seit Jahrzehnten Auftritte hin, die nicht zu Unrecht mit Naturereignissen verglichen werden. Ihr Elan, ihr Temperament, ihr argumentativer Schwung sind wie geschaffen für die Kamera, die gern auch ihre blendende Erscheinung zwischen Diva und Revoluzzerin wahrnimmt.

          Ihren jüngsten und größten Triumph aber feiert sie dort, wo es weniger auf Persönlichkeit als auf Ideen ankommt und sie vor allem hinter den Kulissen ihren Einfluss geltend machen muss, nämlich im Internet. Mit der „Huffington Post“, der nach ihr benannten Informationsquelle, aus der seit fünf Jahren Blogs, Nachrichten und Kommentare sprudeln, ist es ihr gelungen, im chaotischen Wirbel des Medienmarkts eine neue Institution zu schaffen.

          Mächtige Männer begleiteten ihr Leben

          Die „Huffington Post“ gehört heute weltweit zu den führenden Nachrichtenportalen. Diplomatisch, wie sie bisweilen auch sein kann, betont Arianna Huffington zwar, sie wolle mit den traditionellen Medien nicht in Konkurrenz treten, sondern sie eher ergänzen. Vielleicht meint sie das wirklich, ganz sicher aber geht ihr Engagement auf die Einsicht zurück, eine Zeitenwende zu erleben. Und statt darüber in Furcht und Schrecken zu verfallen, erkannte und ergriff sie früher als andere die Chancen, die sich da bieten. Fachfrau fürs Internet war sie zwar nicht, dafür aber Expertin für Umschwünge. Ihr ganzes Leben setzt sich aus Neuanfängen und Richtungswechseln zusammen. Das begann schon damit, dass sie, die Tochter eines Zeitungsmannes, mit sechzehn Griechenland verließ und schnell in Cambridge Furore machte. Als erste Ausländerin durfte sie die Cambridge Union Society leiten, den legendären Debattierclub, in dem sie ihre Schlagfertigkeit entwickelte, ohne ihren charakteristischen Akzent aufzugeben.

          Die angehende Wirtschaftswissenschaftlerin ließ sich von keinen Fachgrenzen einengen. In „Die weibliche Frau“, ihrem ersten Bestseller, schrieb sie gegen den Feminismus an, wie ihn Germaine Greer in „Der weibliche Eunuch“ umrissen hatte. Sie war also keine Unbekannte mehr, als sie nach New York übersiedelte, gleich auf den richtigen Partys auftauchte und mit den richtigen Leuten Verbindung aufnahm, um auf den Titelseiten der richtigen Magazine zu landen. Reiche, mächtige Männer ließ sie durch ihr Leben streifen, gelegentlich begleitet von spirituellen Experimenten. Mit einem Buch über die Götter Griechenlands und einer flott dahingeworfenen Biographie von Maria Callas verweigerte sich die glanzvolle Geistesarbeiterin abermals allen Einordnungen. Später kam Pablo Picasso ziemlich popbiographisch an die Reihe, und auch damit handelte sie sich viel Kritik ein, was weder den Verkaufserfolg des in sechzehn Sprachen übersetzten Buchs schmälerte noch seiner Verfilmung mit Anthony Hopkins im Wege stand.

          Vom Konservativismus zum Linksliberalismus

          Die Wende zur Politik entsprang einer anderen Wende in ihrem Privatleben, der Heirat mit dem Ölmilliardär und Politiker Michael Huffington. Als Abgeordneter spielte Huffington zwar keine tragende Rolle in Washington, aber das Ehepaar Huffington scheute keine Anstrengung, seinen Salon mit den Stars der Hauptstadt zu füllen. Arianna Huffington, die fortan auf ihren Mädchennamen verzichtete, profilierte sich im republikanischen Fahrwasser ihres Gatten als konservative Propagandistin. Bis wieder ein Rollenwechsel unvermeidlich wurde. Mr. Huffington gab viel Geld aus, ohne in den Senat gewählt zu werden, die Ehe ging in die Brüche, und Mrs. Huffington hatte wenig Glück, anstelle von Arnold Schwarzenegger den Gouverneursposten von Kalifornien zu übernehmen.

          Verfocht sie bislang in politischen Talkshows und Unterhaltungssendungen die republikanische Sache, wechselte sie nun allmählich über ins linksliberale Lager. Nur in ihrer deftigen Argumentation blieb sie sich treu. Mit der „Huffington Post“ verfolgt sie denn auch eine von Grund auf progressive Linie, ist aber gewitzt genug, ihre Überzeugungen zur Diskussion zu stellen und überhaupt der Langeweile gleichgeschalteter Meinungen entgegenzuwirken. Als erfolgreiche Internetunternehmerin ist sie fürs Fernsehen erst recht unwiderstehlich geworden, und so war es auch nur eine kleine Übertreibung, dass das Nachrichtenmagazin „Time“ sie 2006 unter den hundert einflussreichsten Personen der Welt aufzuspüren meinte.

          Gerade weil es ihr keine Mühe bereitet, sich immer wieder neu zu erfinden, hat sie aber nie die Frage beantwortet, wer sie eigentlich ist. „Ich enthalte Vielheiten“, heißt es bei Walt Whitman. Die Vielheiten der Arianna Stassinopoulos Huffington dürften auch nach ihrem sechzigsten Geburtstag, den sie am Donnerstag feiert, noch nicht ausgeschöpft sein.

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