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ARD-Film über Aenne Burda : Eine Frau macht ihren Schnitt

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Edith Schmidt (Luise Wolfram, links) und Lise Schneegass (Annika Olbrich, rechts) staunen über Aenne (Katharina Wackernagel). Die hat beim Besucht der Modewoche beschlossen, zu zeigen, dass sie ernst genommen werden muss. Bild: SWR

Der Porträt-Zweiteiler „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“ mit Katharina Wackernagel feiert den Aufstieg der emanzipierten Verlegerin. Leider bleibt es ein Film von der Stange.

          Welch ein Stoff! Es verwundert, dass das Leben der Burdas, Franz und Anne (genannt Aenne), nicht längst verfilmt worden ist, schließlich hat wenig die alte Bundesrepublik so sehr geprägt wie ihre Medien. Die Burdas waren Newcomer, und sie bahnten sich ihren Weg in die Beletage der Publizistik mit Zielstrebigkeit und Innovationsgespür. Aenne Burda hat zu Beginn der fünfziger Jahre mit ihrer Schnittmuster-idee quasi die Modezeitschrift neu erfunden, während Franz, der 1929 die Druckerei seines Vaters übernommen hatte, nach dem Krieg (und dem Abgelten von Arisierungsvorteilen) den Illustriertenmarkt aufrollte. Bereits 1945 brachte er die Zeitschrift „Das Ufer“ heraus, von 1948 an dann das Verlagsflaggschiff „Bunte“. Immer weitere Zeitschriften kamen hinzu. Dass die Burdas, die ihre Unternehmen jeweils eigenständig führten, überdies eine offene, aber dauerhafte Ehe führten – für die damalige Zeit höchst ungewöhnlich –, macht diesen Stoff noch unwiderstehlicher. Spätestens mit Hubert Burda darf von einer Dynastie gesprochen werden. Hier schlummern ganze Serien.

          Der ARD-Zweiteiler konzentriert sich auf Aenne Burda und die Erfolgsgeschichte ihres Magazins „Burda Moden“. Das ist legitim. Und doch wirkt es so, als habe man die eigenwillige Verlegerin an einer gestrichelten Linie entlang aus einem lebendigeren Gesamtpanorama herausgeschnitten, was auch damit zu tun hat, dass sich das Porträt von Regine Bielefeldt (Buch) und Francis Meletzky (Regie) auf wenige gefällige Grundmotive beschränkt. Es gibt sich selbst als Eloge auf eine starke „Wirtschaftswunderfrau“ zu erkennen. Erst enttäuscht, dann unabhängig geworden, begegnet diese ihrem Mann bald als ebenbürtige, ja überlegene Geschäftspartnerin. Bei einer so kraftvollen und versierten Darstellerin wie Katharina Wackernagel, die trotz der ansehnlichen Leistung von Fritz Karl als Filou und Ehemann Franz (dem er, bis auf die Maskenbildnernarbe, so gar nicht ähnelt) in allen Momenten den Film dominiert, sieht man einer solchen Mythisierung freilich selbst dann gern zu, wenn sich die Emanzipationsszenen zum zehnten Mal zu wiederholen scheinen.

          Der verbürgte Hintergrund der Verlagsgründung ist tatsächlich pikant. Aenne erfährt 1949 nicht nur von einer Zweitfrau ihres Mannes – die beiden haben seit Jahren ein Kind zusammen –, sondern muss auch noch entdecken, dass die Nebenbuhlerin (Cornelia Gröschel) ebenjenes von ihr entworfene Magazin mit Schnittmustern herausgibt, dessen Publikation Franz der eigenen Ehefrau untersagt hatte. Die Filmemacher erhöhen auch hier den Kontrast. So ahnt Aenne im Film nichts von dem kaum verborgenen Geheimnis, während ganz Offenburg seit Jahren darüber tuschelt. Schauspielerisch sind die Läster-szenen ein wahrer Eklat. Statt die Scheidung einzureichen, drängt die Protagonistin ihren Mann dazu, den – wie sie im Film nicht weiß: defizitären – Verlag seiner Mätresse an sie zu überschreiben. Gemeinsam mit einigen wackeren Mitarbeitern (Luise Wolfram, Annika Olbrich, Christoph Glaubacker) führt Aenne diesen in kurzer Zeit zum Welterfolg.

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