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„Der Primus“ im Ersten : Wer war eigentlich dieser Franz Josef Strauß?

Am Apparat: Bernhard Ulrich tritt in den Spielszenen von „Der Primus“ als Franz Josef Strauß auf. Bild: BR

Franz Josef Strauß stellte sich im Juli 1979 die Frage: „Soll ich oder soll ich nicht?“ Der bayerische Ministerpräsident sollte und wollte: als Kanzler kandidieren. Das Erste zeigt die Dokumentation „Der Primus“.

          2 Min.

          Unvermittelter kann ein Film nicht beginnen. 23. Juli 1979. Ein Anruf. „Soll ich’s machen? Sag schon!“ – „Du hast dich doch längst entschieden.“ – „Trotzdem.“ Wer spricht da? Es ist Franz Josef Strauß, der bayerische Ministerpräsident, der von seiner Frau Marianne wissen will, ob er Kanzlerkandidat der Union werden soll. Selbstverständlich will er und soll versuchen, zum Bundeskanzler gewählt zu werden. Er wollte schon immer der „Primus“ sein.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das war er in der Schule, mit dem besten Abitur seines Jahrgangs, das war er als junger Atom- und dann Verteidigungsminister in der Regierung Adenauer, und als „Der Primus“ erschien er auch dem „Spiegel“, dessen Gründer Rudolf Augstein seine Redaktion darauf einschwor, in Strauß die erste und größte Bedrohung des Staates zu sehen. So passt der Titel des Films von Werner Biermann in jeder Hinsicht: „Der Primus – Franz Josef Strauß.“

          Was, der Sohn soll aufs Gymnasium?

          2006 hat Biermann eine Biographie zu Strauß herausgebracht, der bescheinigt wurde, sie sei in manchen Bewertungen angreifbar, aber packend geschrieben, dicht erzählt. Person, Familie, Herkunft, politische Karriere – alles sei drin. Aus diesem Fundus schöpft auch der Dokumentarfilm, dem aber leider der angemessene Schnitt fehlt. Da wird so abrupt hin und her geschaltet, dass nur echte Strauß-Kenner die Orientierung behalten.

          Eben noch sind wir im Wahlkampf des Jahres 1980 und sehen den in Spielszenen von Bernhard Ulrich dargestellten Strauß, wie er sich gegen wütende Demonstranten wehrt. Flugs finden wir uns in den zwanziger Jahren wieder, in der Münchner Metzgerei von Strauß senior, der sich schwerlich mit dem Rat des Pfarrers anfreundet, sein Sohn müsse unbedingt aufs Gymnasium. Dann wiederum landen wir im April 1945 und sehen, wie der Oberleutnant Strauß in seinem Heimatort Schongau durch eine Schwejkiade verhindert, dass einige tausend Wehrmachtssoldaten in den letzten, sinnlosen Kampf gegen die Amerikaner geschickt werden.

          Weder ein geglückter Anfang, noch ein richtiges Ende

          Sprung in die Fünfziger zu dem Atom- und dann Verteidigungsminister Strauß, bis in die Sechziger zur Starfighter- und „Spiegel“-Affäre, dann wieder Bundestagswahlkampf und zurück. Das Ganze wird erzählt mit reichlich Archivmaterial, ergänzt um Gespräche mit der Tochter Monika Hohlmeier, dem Sohn Franz Georg Strauß, mit Edmund Stoiber und den Journalisten Wolfram Bickerich und Peter Merseburger und um – Spielszenen. Die sind leider allesamt missraten.

          Die Schauspieler können einem beim Aufsagen ihrer zusammengestoppelten Texte nur leidtun. Und man muss es bedauerlich finden, dass das Potential, über das Werner Biermann sicherlich verfügt, nicht ausgespielt wird. Je öfter er Strauß darstellen lässt, desto kleiner erscheint diese Figur; sobald sie Kontur gewinnt – und darum muss es schließlich gehen, nicht um ein bebildertes Kaleidoskop –, ist sie schon wieder weg. Der Film (Regie: Erica von Moeller) hätte einen weiteren Redaktionsdurchgang gebraucht. Es dürfte seinen Grund haben, dass er in der Sommerferienzeit versendet wird.

          Marianne Strauß (Edith Konrath) spricht Franz Josef Strauß nach einer Wahlkampfveranstaltung Mut zu. Bilderstrecke

          Und so wie er keinen geglückten Anfang hat, findet er zu keinem richtigen Ende. Lange und zu Recht geht es um die „Spiegel“-Affäre und den Kampf zwischen Strauß und Augstein, dann ist Bundestagswahl, dann kommt Marianne Strauß bei einem Verkehrsunfall ums Leben, dann, am 3. Oktober 1988, stirbt Strauß. Wie ein König sei der Verstorbene verabschiedet worden. „Einen wie ihn wird es nie mehr geben“, hätten die Zeitungen geschrieben. Warum, das erklärt uns der Film nicht wirklich. Der Schauspieler Francis Fulton-Smith leistete da im vergangenen Jahr in dem Film „Die Spiegel-Affäre“ als Franz Josef Strauß noch ganz anderes. In einem Spielfilm wohlgemerkt.

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