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Honorare bei der ARD : Was die Sportkommentatoren verdienen

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Mehmet Scholl habe als freier Mitarbeiter der ARD ein Recht darauf, dass seine Einkünfte nicht offengelegt würden. Bild: WDR/Sachs

Man werde Transparenz bei den Honoraren für Sportexperten schaffen, sagt die ARD-Vorsitzende Karola Wille. Doch verrät sie die Summen? Die britische BBC wird dazu jetzt gezwungen.

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          Karola Wille, die Vorsitzende der ARD, setzt ihre wiederholte Ankündigung, für mehr Transparenz zu sorgen um – zumindest ein Stück weit. So sollen Verträge für Sportexperten, die in der Regel hoch dotiert sind, künftig mit der zuständigen Landesrundfunkanstalt abgeschlossen werden, nicht mehr mit ARD-Tochterfirmen. Das sagte Karola Wille in einem Interview mit der „taz“. Wenn die jeweilige Landesrundfunkanstalt, die für die Sportart oder das Sportereignis zuständig ist, eingeschaltet sei, würden auch deren Rundfunk- beziehungsweise Verwaltungsräte informiert und müssten gegebenenfalls mitentscheiden, sagte Wille.

          Während der Fußball-Europameisterschaft im Sommer hatte es eine Debatte darüber gegeben, wie viel Honorar Sportexperten wie Mehmet Scholl bei der ARD oder Oliver Kahn beim ZDF bekommen. Es war von sechs- bis siebenstelligen Beträgen pro Jahr die Rede. Die ARD hat inzwischen den Verfassungsrechtler Paul Kirchhof beauftragt, einzuschätzen, wie viel Transparenz die ARD in solchen Fragen brauche. „Er untersucht zum Beispiel, ob wir tatsächlich aus verfassungsrechtlichen Gründen alle Verträge offenlegen müssen, auch die von Sportexperten“, sagte Karola Wille der „taz“.

          Genaue Höhe der Honorare bleibt weiter geheim

          Die genaue Höhe der Honorare soll allerdings noch nicht öffentlich gemacht werden. „Die Gremien als Vertreter der Gesellschaft bekommen die Informationen“, sagte Karola Wille, „alles weitere untersucht gerade Herr Kirchhof.“

          Sie verspricht die größten Einsparungen: Die ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille.

          In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik an der Honorarpolitik der öffentlich-rechtlichen Sender gegeben. Werden Verträge, die aus dem üblichen Honorar-Rahmen fallen, über Tochterfirmen abgewickelt, haben in den Sendern nur wenige Einsicht.

          Die BBC soll Summen offenlegen

          Dass Transparenz dem Ansehen der Sender förderlich sein könnte, zeigt sich zurzeit auch in Großbritannien. Dort soll die BBC die Gagen ihrer Stars publik machen. So verlangt es die konservative Regierung unter der neuen Premierministerin Theresa May. Sie legte am Donnerstag entsprechende Pläne vor. Demnach sollen die Einnahmen aller Moderatoren und sonstigen Stars, die im Jahr mehr als 150 000 Pfund (rund 176 000 Euro) erhalten, veröffentlicht werden.

          Die BBC sei „eine der größten Leistungen dieses Landes“, sagte Kulturministerin Karen Bradley im Londoner Unterhaus. Es werde der BBC jedoch bei ihren Sparbemühungen helfen, wenn für „mehr Transparenz“ gesorgt werde. Im Zuge von Sparplänen wurden bei der BBC seit 2010 Tausende Stellen gestrichen. Der Sender finanziert sich in der Hauptsache aus Rundfunkgebühren, die in Großbritannien jährlich umgerechnet 184 Euro pro Haushalt betragen. In Deutschland liegt der jährliche Rundfunkbeitrag zurzeit bei 210 Euro. Die öffentlich-rechtlichen Sender erzielen durch den Beitrag Einnahmen zwischen acht und 8,5 Milliarden Euro pro Jahr.

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