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Gehälter bei der ARD : Unter dem Schnitt?

Aufnahme läuft: ARD und ZDF sind immer auf Posten, in so mancher Hinsicht. Bild: dpa

Die ARD weist die Kritik der Finanzkommission Kef, die Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verdienten im Vergleich zu anderen „überproportional gut“, zurück. Wir haben dazu ein paar Zahlen.

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          Die ARD beharrt darauf, dass die von ihren Sendern gezahlten Gehälter nicht zu hoch seien. Weder im Vergleich mit dem öffentlichen Dienst noch im Vergleich mit der freien Wirtschaft. Die Finanzkommission Kef, die den sogenannten Finanzbedarf der öffentlich-rechtlichen Sender prüft und die Höhe des Rundfunkbeitrags vorschlägt, hatte, gestützt auf ein Gutachten der Beratungsfirma Kienbaum, festgestellt, dass bei ARD, ZDF und Deutschlandradio vor allem im Vergleich zum öffentlichen Dienst „überproportional gut“ gezahlt werde. Die Kef hat den Sendern im Entwurf für ihren 22. Finanzbericht beim Posten Gehaltskosten, die für die Jahre 2021 bis 2024 angemeldet werden, daher 60,3 Millionen Euro abgezogen. 49,1 Millionen davon entfallen auf die ARD.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dort ist man nach wie vor der Überzeugung, wie die Anfrage der F.A.Z. ergibt, dass die Kef keinen Grund habe, hier Abstriche zu machen. So liege nicht nur der Altersschnitt in den Sendern über dem anderer Betriebe, was zu höheren Gehaltskosten insgesamt führe – wie in dem zweiten, von den Sendern beauftragten Kienbaum-Gutachten bestätigt worden sei. Auch die Spitzensätze der Sender fielen nicht ins Gewicht. Die Intendanten seien „gar nicht“, die „Leitungsfunktionen“ „nicht primär“ Gegenstand des ersten, von der Kef in Auftrag gegebenen Gutachtens gewesen. Untersucht worden sei das „allgemeine Gehaltsgefüge“, abgeprüft anhand von sechs Berufsgruppen. Für die „Mitglieder der Geschäftsleitung“ des Senders habe das Gutachten festgestellt, dass deren Gehalt auch in Abhängigkeit zur Anstaltsgröße zu sehen sei. Die Analyse zeige zudem, „dass die Gehälter der Geschäftsleitungsmitglieder der Rundfunkanstalten sowohl im Vergleich zur kommerziellen Medienwirtschaft als auch zur allgemeinen Wirtschaft deutlich darunterliegen, teilweise sogar unterhalb des öffentlichen Sektors“.

          Auf Chefredakteursebene komme der Gutachter zu dem Ergebnis, „dass die Vergütung über den Vergleichsmärkten liegt“. Das aber hält man bei der ARD „nicht für plausibel“, weil die Gehälter von Chefredakteuren überregionaler Medien zum Teil bekannt seien und die Vermutung naheliege, dass beim Vergleich auch Chefredakteure kleiner Medien, „insbesondere aus dem regionalen Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt“, eingeflossen seien. Eine weitere Rolle spielten geographische Gegebenheiten – Ballungsräume wie München, Frankfurt, Mainz, Stuttgart und Köln als teuerste Städte Deutschlands –, was die Kef allerdings pauschal verwerfe.

          Wie die öffentlich-rechtliche Gehaltsstruktur aussieht, an der sich die Kef reibt, machen die Sender, weil sie dazu gesetzlich gezwungen wurden, inzwischen im Online-Auftritt der ARD transparent. Demnach verdienten die Intendanten im Jahr 2018 zwischen 391.000 (WDR) und 245.000 Euro (Saarländischer Rundfunk); Direktoren wurden im Schnitt monatlich mit Summen zwischen 19.390 (NDR) und 14.202 (SR) Euro entlohnt (einzelne dürften darüber liegen); Programmbereichs- und Hauptabteilungsleiter kamen im Schnitt auf Gehälter zwischen 13.128 (NDR) und 10.194 Euro (SR) pro Monat, Redakteure lagen zwischen 3681 und 10.405 Euro.

          Bei dem anderen großen öffentlich-rechtlichen Kanal, dem ZDF, kam der Intendant 2017 (die Zahlen fürs letzte Jahr sind noch nicht verfügbar) auf Jahresbezüge von knapp 353.000 Euro plus 41.000 Euro für seine Tätigkeiten bei Tochtergesellschaften des ZDF. Die Gehälter der Direktoren des Zweiten bewegten sich in einer Spanne zwischen 223.000 und 249.000 Euro mit einem maximalen Plus von rund 25.000 Euro des Programmdirektors für Tätigkeiten bei Tochter- und Beteiligungsgesellschaften des ZDF.

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