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ARD-Vorabendkrimiserie : Nicht ohne meinen Staller

  • -Aktualisiert am

Staller (Helmfried von Lüttichau) steigt auf eigenen Wunsch aus dem Polizeidienst in Wolfratshausen aus. Bild: ARD/TMG/Chris Hirschhaeuser

Es hilft alles nichts: Nach sieben Staffeln und Millionenpublikum seit 2011 folgt im Januar „Hubert ohne Staller“. Vorher gönnt das Erste seinen Polizistenhelden Hubert und Staller noch eine verwickelte Bescherung.

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          Die Fans der Vorabendkrimiserie „Hubert und Staller“, zu Spitzenzeiten nicht selten 2,46 Millionen Gebührenzahler, müssen jetzt ganz stark sein. Auf der ARD-Werbehomepage finden sich unter der Überschrift „,Hubert und Staller’ beim Publikum immer beliebter“ schon jetzt beunruhigte Nachfragen („Welche neuen Gesichter werden wir kennenlernen..?“) und rührende Bekenntnisse („Hubert und Staller haben mich in einer schweren Zeit, einmal die Woche alles vergessen lassen! Genau mein Humor! Ein hoch auch auf die Drehbuchschreiber! Einfach super!!“). Aber es hilft alles nichts: Nach sieben Staffeln, die im Ersten seit 2011 erst mit dem Titel „Heiter bis tödlich: Hubert und Staller“ und von 2016 an als „Hubert und Staller“ in bisher 116 Folgen und zwei Episoden in Spielfilmlänge liefen, kommt nun im Januar die achte Staffel, und sie heißt wahrhaftig „Hubert ohne Staller“. Denn Staller (Helmfried von Lüttichau) steigt auf eigenen Wunsch aus dem Polizeidienst in Wolfratshausen aus.

          Als man im Zweiten vor einiger Zeit mit dem Abschied von John Nettles als „Inspector Barnaby“ vor ähnlichen Problemen stand, hatte der produzierende britische Sender ITV schon für die – mehr oder minder – elegante Lösung gesorgt. Barnabys Cousin trat auf dem Revier in Causton die Nachfolge an. Neil Dudgeon heißt auch Inspector Barnaby und bringt zur Ablenkung einen kleinen Hund namens Sykes mit in die Grafschaft Midsomer. Inzwischen hat die neue Frau Barnaby ein Baby.

          Zum würdigen Staller-Abschied zeigt das Erste ein Weihnachtsspezial in Spielfilmlänge. In „Eine schöne Bescherung“ gewinnt Staller eine Reise zum vorweihnachtlichen Shopping nach Rom, trifft im Zug in Polizistenuniform auf die Liebe seines Lebens, die Zuckerbäckerin Sibille (Paula Paul), Betreiberin einer römischen Pasticceria, die ihn ohne Umschweife mit Plätzchen verführt. Er taucht erst ganz am Ende, in feines italienisches Tuch gewandet, wieder auf und eröffnet Hubert „Hubsi“ (Christian Tramitz), dass ein Berufspendeln von zweimal 1800 Kilometern pro Tag unzumutbar und ihre Partnerschaft hiermit beendet sei.

          Am Stammtisch wird spekuliert

          „Hubsi“ ist dieses Mal also auf sich gestellt bei den Ermittlungen im Fall der vor ihrem Fernseher mumifiziert aufgefundenen Seniorin, die, weil noch der Schokonikolaus der Ortsbank vom Jahr zuvor herumsteht und auch die Dominosteine ein Grauschleier überzieht, seit einem Jahr tot sein muss. Die Polizisten hätten sie eigentlich verhaften sollen, weil die Tote vierhundert Euro Abgabe im Rückstand ist. Eine Fünfundachtzigjährige kurz vor Heiligabend wegen versäumter Rundfunkgebühren in den Knast zu stecken, das kam dem Revier doch irgendwie unmenschlich vor. Man hat für sie gesammelt. Was man sich hätte sparen können, denn es erweist sich, dass sie kurz vor ihrem nichtnatürlichen Ableben bei Bankdirektor Hübner Franz (Herbert Knaup) vierhunderttausend Euro abgehoben hat, die nun verschwunden sind. Bevor noch die Gerichtsmedizinerin Fuchs (Susu Padotzke) mit den Untersuchungen fertig ist, rast vor Polizeirat Girwidz (Michael Brandner) – der später eine Undercover-Vorstellung als Graphologe im Wirtshaus geben muss, bei der sich ein Hund furchtbar am Enzian oder Obstler besäuft, bevor er ins Koma fällt, Augen ein Nikolaus auf dem Schlitten in den Abgrund.

          Möglicherweise der Täter. Am Stammtisch spekulieren neben dem Hübner Franz der Postbote Brenner Sepp (Simon Schwarz) und der hochverschuldete Metzger Schartl Micha (Waldemar Kobus), der um des Nikolaus Frau Katharina (Franziska Schlattner) freit, die ihrerseits ein Baby vom Nikolaus hat, über das Wiederauftauchen des jahreszeitenfolkloregemäß verkleideten Obermeier Schorsch (Holger Kriechel), der ein ganzes Jahr verschwunden war.

          Zum Thema Auftauchen hat auch „Hubsi“ etwas beizusteuern, nachdem die sechzehnjährige Anna (Sinje Irslinger) seine Tür belagert wie der biblische verlorene Sohn – als Tochter halt – und behauptet, er sei ihr Vater. Im Gemischtwarenladen kommentiert alles die Hansen Barbara (Monika Gruber). Aus dem Krankenhaus verschwindet Nikolaus Obermeier abermals und taucht als gefrorener Eisblock wieder auf. Hubsis Kollegin Lena Winter (Klara Deutschmann, die sich ohne Drehbuchzeremoniell aus der Serie verabschiedet) schlägt sich tapfer beim gleichzeitigen Beschatten mehrerer Personen, nur der oide Depp des Reviers, Martin Riedl (Paul Sedlmeir), muss wieder alle Weihnachtseinkäufe des Chefs erledigen, weil der seine Schwiegermutter am Bahnhof verpasst hat und nach einer ganzen Folge innerfamiliärer Verwicklungen Staffel acht in degradierter Funktion beginnen müssen wird.

          Da sage einer, das Fernsehen hielte das Publikum für aufmerksamkeitsschwach! Das Ansehnlichste zum Schluss: In „Eine schöne Bescherung“ liegt Oberbayern stets unter einer geschlossenen Schneedecke. Von Januar an dann „Hubert ohne Staller“. Vorschlag für Staffel neun: „Ohne Hubert, ohne Staller“.

          Hubert und Staller – Eine schöne Bescherung läuft heute um 20.15 Uhr im Ersten.

          Hubert und Staller – Eine schöne Bescherung läuft heute um 20.15 Uhr im Ersten.

           

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