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Ohne Senderechte für Olympia : ARD und ZDF wollen Paralympics-Berichterstattung überdenken

Ohne die Senderechte für Olympia wollen ARD und ZDF auch über die Paralympics noch einmal nachdenken: Wojtek Czyz (l.) und Heinrich Popow beim 200-Meter-Finale in London 2012. Bild: dpa

Die Öffentlich-Rechtlichen zeigen ihre Instrumente: ARD und ZDF wollen ihre Berichterstattung über die Paralympics überdenken. Weil sie den Verlust der Senderechte für Olympia-Rechte nicht verwinden.

          No sports. Das war angeblich die Devise von Winston Churchill fürs Altwerden, mit der er in heimischen Gefilden freilich nicht zitiert wird, sondern nur von den unsportlichen Deutschen - die von Sport im Fernsehen nicht genug bekommen können. Unter den zehn meistgesehenen Sendungen des Jahres befinden sich garantiert neun Spiele der Fußballnationalmannschaft, die Abermillionen in Bann schlagen, auch wenn es nicht gerade um den WM-Titel geht. Mit dem Wintersport setzen die Sender ebenfalls zu Höhenflügen an und bei den Olympischen Spielen auch, zumindest bei den wichtigsten Disziplinen - zu denen wiederum der Fußball zählt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Umso schmerzlicher ist für ARD und ZDF der Verlust der Senderechte an den Olympischen Spielen 2018 bis 2024, die das Internationale Olympische Komitee unlängst für 1,3 Milliarden Euro dem amerikanischen Sender Discovery verkauft hat. No sports. Das ist eine Horrorvorstellung für die öffentlich-rechtlichen Sender, die beim Sportrechtekauf jahrzehntelang in der Pole Position hockten. Sie bezahlten die besten Preise oder hatten keine ernstzunehmende Konkurrenz. Und sie zahlen jeden Preis, vor allem für den Fußball, weil sie wissen, dass sie nur so noch in größerem Umfang das junge Publikum erreichen. Bundesliga, Champions League, Nationalmannschaft, das muss aus Sicht von ARD und ZDF einfach sein.

          Nicht nur Bodenturnen

          Der Olympia-Schock nun sitzt tief, und da scheint es für die Sender an der Zeit, dem IOC-Präsidenten Thomas Bach, der von Discovery einen verbandseigenen Olympia-Sender hingestellt bekommt, seinen Triumph ein wenig zu vermiesen und die Instrumente zu zeigen. So deutet das ZDF an, dass es weniger Berichterstattung über die Paralympics geben werde. „Wir müssen in Zukunft über Umfang und Ausmaß der Berichterstattung nachdenken“, sagte der ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz der Deutschen Presse-Agentur. Sein Kollege Axel Balkausky von der ARD hatte zuvor Ähnliches laut gedacht. „Bisher“, sagt der ZDF-Mann Gruschwitz, „haben wir uns sehr engagiert, auch weil wir Olympia und Paralympics immer als eine Einheit gesehen haben. Und die technische Ausstattung von Olympia konnten wir bei den Paralympics weiter nutzen. Diese müssten wir nun eigens aufbauen. Dadurch würden die Produktionskosten erheblich steigen.“ Alles klar?

          Das IOC dürfte die Botschaft verstanden haben, beim Deutschen Behindertensportverband ist sie schon angekommen. „Der paralympische Sport darf nicht auf der Strecke bleiben“, sagte der DSB-Präsident Friedhelm Julius Beucher. Man wolle verhindern, „dass unsere Athletinnen und Athleten Opfer eines Milliarden-Deals werden“. Gemeint ist der Deal mit Discovery. Unter der Hand hatten ARD und ZDF, nachdem sie bei den Olympia-Rechten vor vier Wochen leer ausgingen, gedroht, sie hätten keine Lust, sich als Sublizenznehmer von Discovery mit Bogenschießen, Bodenturnen und Trampolinspringen zu begnügen. Jetzt wissen wir: Sie meinten nicht nur Bodenturnen.

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