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ARD und ZDF im Internet : Anspruch auf Vorzugsbehandlung

Öffentlich-rechtliches Internet: ard.de Bild: Archiv

Sie sind nicht als Erste darauf gekommen, doch sie kommen als Erstes darauf, wie üblich Vorrang für sich einzufordern: ARD und ZDF haben das Internet entdeckt und erkannt, dass sie um ihre Plätze fürchten müssen.

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          Sie sind nicht als Erste darauf gekommen, doch sie kommen als Erstes darauf, wie üblich Vorrang für sich einzufordern. Und zwar, ebenfalls wie üblich, von Gesetzes wegen: ARD und ZDF haben das Internet entdeckt und erkannt, dass sie um ihre Plätze fürchten müssen, um Platz eins und Platz zwei, wie sie es von der Fernbedienung her gewohnt sind.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Also ringen sie mit den Mitteln, die ihnen, nicht aber der privaten Konkurrenz zu Gebote stehen, um Vorrang. Vor zwanzig Jahren, als die privaten Fernsehsender kamen, haben sie es, gestützt auf ihren Auftrag zur „Grundversorgung“, erreicht, nach ganz vorn zu kommen. Und im vergangenen Jahr haben sie es abermals vermocht, auf den zunehmend bedeutsamen Plattformen im digitalen Fernsehen nicht unter ferner liefen zu landen. Im Internet soll das genauso laufen.

          Das klingt nach wenig, ist es aber nicht

          Also rüsten ARD und ZDF auf, erweitern ihre Online-Auftritte massiv, liefern sich einen Wettbewerb darum, wer als erster in seinem Digitalbouquet einen Nachrichtensender etabliert hat und laufen Sturm gegen eine Bestimmung, die ihnen die Bundesländer in den Rundfunkstaatsvertrag geschrieben haben: Sie sollen nur „programmbegleitende“ Inhalte ins Netz stellen und dürfen im Augenblick nur 0,75 Prozent ihrer Gesamtetats fürs Internet aufwenden.

          Das klingt nach wenig, ist es aber nicht, wenn man sich ausrechnet, was 0,75 Prozent von rund sieben Milliarden Euro Gebühreneinnahmen pro Jahr bedeuten: 52,5 Millionen Euro. Da sieht der Online-Etat plötzlich gar nicht mehr so mickrig aus, zumal niemand weiß, wie die Sender ihre Ausgaben fürs Fernsehprogramm von denen fürs Internet noch genau trennen wollen, erst recht wenn sie, wie es der ZDF-Intendant Markus Schächter für seinen Sender zum Herbst hin angekündigt hat, die Hälfte des gesamten Programms online gestellt haben.

          Eine bittere Pointe des digitalen Zeitalters

          ARD und ZDF rechnen wohl damit, dass der stete Tropfen wieder mal den Stein höhlt und ihre geschickte Lobbyarbeit bei der Politik ein weiteres Mal zum Ziel führt. Schon wieder wird das alte Lied von der „Marginalisierung“ angestimmt, die den öffentlich-rechtlichen Sendern drohe, dabei haben sie nicht nur eine phantastische Finanzaustattung, deren Erhöhung sie vor dem Bundesverfassungsgericht einklagen und für die Zeit von 2009 an in den nächsten Tagen anmelden werden. Sie behaupten sich auch seit Jahr und Tag auf dem Fernseh- wie dem Radiomarkt.

          Einen Anspruch auf Vorzugsbehandlung durch den Gesetzgeber anzumelden, wie es beim ZDF-Intendanten Schächter jetzt während der Mainzer Tage der Fernsehkritik anklang, hat mit Blick auf das Internet allerdings etwas ausgesprochen Unwirkliches, um nicht zu sagen Obszönes. Dort kämpfen die etablierten Medien allesamt mit ihren je eigenen Mitteln und Inhalten um Aufmerksamkeit in einem Wettbewerb, in dem Graswurzelportale im Nu Global Player werden, ein Suchmaschinengigant wie Google den Takt vorgibt und sich die Nutzer von niemandem vorschreiben lassen, wo und wie sie sich informieren und unterhalten. Nach der Computer-Gebühr eine Internet-Garantie für ARD und ZDF? Deren Portale ohnehin zu den umfangreichsten im Netz zählen? Das wäre eine bittere Pointe des digitalen Zeitalters.

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