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ARD und ZDF als Pay-TV : Geld verdienen mit goldenen Zeiten

Sie können es nicht mehr sehen? Von wegen: ARD und ZDF verwehrten Inhalte wie beispielsweise Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, für die sie selbst keine Verwendung mehr haben fröhlich weiter Bild: ZDF

Das Beste der Siebziger, Achtziger, aber nicht von heute: ARD und ZDF gibt es jetzt auch als Bezahlangebot bei der Telekom. Öffentlich-rechtliches Programm hinter einer Bezahlschranke? Das wirft grundsätzliche Fragen auf.

          Wie viele Kanäle bespielen ARD und ZDF? Die Frage ist schon fürs Fernsehen gar nicht so leicht zu beantworten, und man kommt ins Zählen: das Erste, das Zweite, die Dritten, 3sat, Phoenix, Arte, Kika, ZDFneo, ZDFinfo, ARDalpha, One und Tagesschau24. Die Liste ist lang, und kürzlich ist sie noch länger geworden. Denn jetzt gibt es noch vier Kanäle mehr: ARD Plus, ARD Plus Kids, ZDF Select und ZDF Tivi. Zu empfangen sind diese freilich nur für Zuschauer, die dafür eigens zahlen – als Abonnenten des Telekom-Fernsehangebots Magenta TV. Dort laufen öffentlich-rechtliche Sendungen unter einem öffentlich-rechtlich klingenden Namen als Bezahlfernsehen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Aus dem alten „Entertain“-Programm der Telekom ist gerade Magenta TV geworden, und um dieses aufzupeppen und Streamingplattformen wie Netflix, Amazon oder Zattoo etwas entgegenzusetzen, hat sich das Unternehmen etwas einfallen lassen. Der wichtigste Schritt: Man muss nicht mehr Kunde bei der Telekom sein, um das Telekom-Fernsehen zu empfangen, dafür reicht eine App. Für einen Monatsbeitrag ab 7,95 Euro geht es los mit einem Zugriff auf 75 Kanäle. Zu diesen zählen alle Programme, die im öffentlich-rechtlichen wie privaten frei empfangbaren Fernsehen Rang und Namen haben, und dazu zählt die „Megathek“, in der Magenta TV Programme zum Abruf bereithält. Und auf dieser wiederum finden sich die neuen ARD- und ZDF-Kanäle, die der Magenta-TV-Geschäftsführer Wolfgang Elsäßer kürzlich bei der Präsentation des neuen Portfolios vorstellte.

          ARD und ZDF bei der Telekom? Neu und außergewöhnlich an diesem Programmgeschäft ist allein dessen Dimension und die Benennung „ARD“ und „ZDF“, die einen stutzig machen kann. Beschneiden die öffentlich-rechtlichen Sender so nicht ihre eigenen Mediatheken und enthalten den Zuschauern Programm vor, das diese über den Rundfunkbeitrag, der von allen gezahlt werden muss, längst finanziert haben?

          Schwerpunkt der Programme liegt auf den „Zweitausendern“

          Mitnichten, verlautbaren ARD und ZDF, die Vermarktung des Programms sei business as usual. Das „zusätzliche Angebot“ bei Magenta TV, heißt es auf Anfrage bei ARD und ZDF, decke sich nicht mit dem auf den sendereigenen Mediatheken. Lizenziert würden „vereinzelt Programme aus den siebziger und achtziger Jahren, der Schwerpunkt der Programme liegt aber auf den Zweitausendern“, heißt es beim ZDF. Es gehe, so die ARD, um „Inhalte der Öffentlich-Rechtlichen, die aus rundfunkrechtlichen Gründen nicht mehr in den Mediatheken verfügbar sind“. Heißt im Klartext: Bei Magenta TV gibt es zu sehen, was man bei ARD und ZDF nicht mehr sehen kann.

          Die „rundfunkrechtlichen Gründe“, von denen hier die Rede ist, werden allgemein als „Sieben-Tage-Regel“ bezeichnet. Gemeint ist die zeitliche Beschränkung, der Filme, Serien und Dokumentationen in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken unterliegen. Diese aber ist längst weitgehend ausgehöhlt und wird – was Urheber, Produzenten und Dokumentarfilmer an den Rand der Verzweiflung treibt, weil sie dann mit ihren Stücken nicht mehr selbst weiter Geld verdienen können – durch den neuen „Telemedienstaatsvertrag“, den die Ministerpräsidenten gerade beschlossen haben, abgeschafft.

          Der Staatsvertrag aber, zitieren wir aus der ARD, werde nicht vor Mai 2019 in Kraft treten, bis dahin gälten die bekannten Fristen weiter. Außerdem hätten sich die Sender mit den Rundfunkräten auf Verweildauern geeinigt, „die bis auf weiteres gelten“. So etwas werde es auch künftig geben. „Wollen wir danach unsere Inhalte für das Publikum verfügbar machen, bleibt nur der Weg der Verwertung über kommerzielle Tochterunternehmen.“ Ähnlich beim Zweiten, wo der Fernsehrat über die Verweildauer des Programms im Internet befindet: Es werde „auch künftig Inhalte geben, für die der ZDF-Verbund Rechte hält, die das ZDF im Auftragsbereich aber nicht verwenden kann“.

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