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ARD und Gottschalk : War das doch kein Wagnis?

Alles ganz „locker, offen, witzig, schlagfertig“ – wo lag also das Problem an „Gottschalk live“? Bild: dpa

Der WDR kontert in der Debatte um die Millionen-Kosten der gefloppten Show „Gottschalk live“ gegenüber FAZ.NET: Das habe man nicht ahnen können. Im Gegenteil sei die Ausgangslage sehr gut gewesen. Kritiker pickten sich nur das Negative heraus. Kann das stimmen?

          Teuer war die Show, erfolgreich war sie nicht. „Gottschalk live“, die groß angekündigte Show im Vorabendprogramm, geriet für die ARD vor drei Jahren vielmehr zu einem mit zwölf Millionen Euro Produktionskosten dotierten Flop. Doch hätte man das nicht vorhersehen können? Aber ja, sagt die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok), die den in dieser Sache damals federführenden WDR und dessen Intendanten Tom Buhrow mit ihren Fragen auf Trab hält.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Aber nein, teilt der Sender jetzt gegenüber FAZ.NET mit. Bei einer Test-Umfrage während der Planung der Sendung habe nämlich „mehr als jeder Zweite der Befragten“ angegeben, „er würde die Sendung“ ansehen, so der WDR. Thomas Gottschalk sei zudem hinter Günther Jauch als zweitbeliebtester Moderator genannt worden. Gottschalks „Image-Daten“ hätten bestens gepasst zur „Grundidee des neuen Formates: locker, offen, witzig, schlagfertig.“ Die Ergebnisse der Umfrage hätten gezeigt, „dass Thomas Gottschalk der richtige Moderator für das Format war und dieses Format auch großes Potential hatte. Die nicht so positiven Werte und Hinweise aus der Umfrage wurden dazu genutzt, das Format zu optimieren, sprich Schwachstellen im Konzept redaktionell zu überarbeiten.“

          Gezielt nur negative Aspekte?

          Die AG Dok hatte darauf verwiesen, dass bei der Umfrage mit achthundert Teilnehmern 39 Prozent der Befragten angegeben hätten, sie würden die geplante Sendung wahrscheinlich nicht oder bestimmt nicht sehen wollen. Dazu sagt der WDR gegenüber FAZ.NET, in dem Brief der AG Dok an den Intendanten Tom Buhrow würden „gezielt einzelne negative Aspekte der Umfrage erwähnt. Positive Zahlen und Fakten zum Moderator Thomas Gottschalk“ seien ausgespart worden. Bleibt allerdings noch die Einschätzung der Controllingabteilung des WDR, die erhebliche Zweifel an der Sendung geltend machte und nach der Umfrage zu dem Ergebnis kam, dass in Vorabendsendungen „Gespräche besonders bei jüngeren Zuschauern oft auf wenig Interesse stoßen“.

          Das war alles andere als eine Empfehlung und führt zu der Frage, wieso sich der WDR beziehungsweise die ARD auf das Risiko einließ und einen Vertrag schloss, der vorsah, dass ein vorzeitiges Ende der Show hohe „Abbruchkosten“ verursachen würde, inklusive des Jahreshonorars des Moderators von 4,6 Millionen Euro – zu begleichen von der ARD über deren Tochtergesellschaft Degeto beziehungsweise die Werbetochterfirmen der Sender.

          „Die Entscheidung, ob eine neue Sendung produziert wird“, hänge „nicht alleine von Umfragen und Zahlen ab, sondern vor allem auch von redaktionellen Überlegungen und Argumenten. Zu jeder Programmplanung und -umsetzung gehört auch der Mut, etwas zu wagen - denn sonst entsteht nichts Neues“, teilt der WDR mit. Dieses „Neue“ hatte in der ARD vor allem die damalige WDR-Intendantin Monika Piel gewollt. 2012, in dem Jahr, in dem „Gottschalk live“ floppte, wurde sie für fünf Jahre wiedergewählt. Im Frühjahr 2013 legte sie ihr Amt nieder.

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