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ARD-Selbstkritik nach Beirut : „Es war eine journalistische Fehleinschätzung“

  • -Aktualisiert am

Zuschauer als Augenzeugen: Der Hafen von Beirut am 6. August Bild: dpa

In der „Tagesschau“ und den „Tagesthemen“ bekam ein Fußball-Thema nach der Katastrophe von Beirut Vorrang. Dafür hat sich die Chefredaktion in einem Blog-Beitrag nun entschuldigt.

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          Die Chefredaktion von „ARD-aktuell“ hat Fehler bei der Berichterstattung über das Unglück in Beirut eingeräumt. Am Dienstag kam es um kurz nach 17 Uhr deutscher Zeit im Hafen der libanesischen Hauptstadt zu einer gewaltigen Detonation, die, Stand Donnerstag, mindestens 135 Menschen tötete, mehr als 5000 Menschen verletzte und mehr als 250000 Menschen ihr Heim kostete. Die Druckwelle richtete Schäden in Milliardenhöhe an. In der Dienstagsausgabe der „Tagesschau“ um 20 Uhr war das Aufmacher-Thema jedoch ein neues Corona-Konzept der Deutschen Fußball-Liga, ebenso in den „Tagesthemen“ am selben Abend. Beide Sendungen brachten spät in der Nachrichtenfolge kurze Beiträge zur Explosion in Beirut.

          Nach Kritik nahm die Redaktion am Mittwoch im Blog der „Tagesschau“ Stellung dazu: „Es war eine journalistische Fehleinschätzung“, schreiben die Chefredakteure Marcus Bornheim, Helge Fuhst und Juliane Leopold in ihrem Beitrag. Ihre rhetorische Frage: „Hätten wir dieses Ereignis nicht auch im klassischen Fernsehen besser abbilden müssen?“ – „Ja, hätten wir.“ Mit einem Livestream, Artikeln und einer Schwerpunkt-Sendung am Folgetag habe man das Versäumnis versucht nachzuholen. Weiter heißt es: „Bilder sind auch Nachrichten und unser Anspruch ist es, Sie zu Augenzeugen bei relevanten Ereignissen zu machen.“ So sei es „schwierig zu erklären“, wie „marginale Details“ zu einer „Fehlerkette“ in der Entscheidung geführt hätten.

          Das ZDF entschied anders

          Da der großen Explosion eine kleinere vorangegangen war, waren viele Beiruter an ihre Fenster getreten, um Handy-Videos zu machen, die sich in sozialen Medien auch ohne die Hilfe der Journalisten verbreiteten. Die Diskussion über die mangelnde ARD-Berichterstattung in sozialen Netzwerken wie Twitter war indes nicht einhellig: Neben den häufiger erhobenen Vorwürfen, die ARD lege sich erst Narrative zurecht oder hätte andere Lieblingsthemen, sahen andere Stimmen in der Verbreitung von Katastrophenbildern einen gewissen Voyeurismus am Werk und nahmen die ARD deshalb in Schutz.

          Die Konkurrenz beim ZDF war unterdessen anders vorgegangen und hatte in ihren „heute“-Nachrichten direkt zu einem Korrespondenten vor Ort geschaltet. Dieser betonte jedoch zu jenem Zeitpunkt vor allem, wie unklar die Lage noch sei.

          Sensations-Journalismus auf Social Media

          Die Kritik trifft die ARD zu einer Zeit, in der sich öffentlich-rechtliche Sender auch an anderer Stelle für das Gefälle zwischen Fernseh- und Social-Media-Journalismus rechtfertigen müssen: In den vergangenen Tagen hatten zwei andere Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ihre jeweils eigenen Debatten über journalistisches Selbstverständnis und Verantwortung ausgelöst. Das onlineaffine NDR-Format „STRG_F“ hatte Vernehmungsvideos des mutmaßlichen Mörders von Walter Lübcke veröffentlicht und damit dessen Persönlichkeitsrechte verletzt. Die ZDF-Journalistin Dunja Hayali streamte auf Instagram Szenen von der regierungskritischen „Querdenker“-Demo in Berlin, wo man ihr feindselig begegnete. Beiden Akteuren wurde im Anschluss im Netz vorgeworfen, bei ihren aufsehenerregenden Online-Beiträgen die Interessen der abgebildeten Personen nicht ausreichend berücksichtigt zu haben.

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