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Christine Strobls ARD-Plan : Zurück zum Markenkern

Hat viel vor, hat viel auszuhalten: ARD-Programmdirektorin Christine Strobl. Bild: dpa

Die neue ARD-Programmdirektorin Christine Strobl muss zurzeit viel Kritik aushalten. Denn sie hat mit dem ersten Programm viel vor. Was und warum verrät sie im Gespräch.

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          Die Programmdirektorin der ARD, Christine Strobl, hat gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Florian Hager und dem Chefredakteur Oliver Köhr ein Papier zur Reform des ersten Programms vorgelegt. Sie will die Mediathek stärken und einiges im linearen Programm verändern. Der „Weltspiegel“ soll künftig nicht am frühen Sonntagabend, sondern montags im Spätprogramm laufen, die Zahl der Ausgaben der Politmagazine soll von neunzig auf 66 pro Jahr sinken. Die Redaktionen sollen ihre Kapazitäten stattdessen für Stücke bündeln, die unter einem neuen, gemeinsamen Label im Ersten und in der Mediathek laufen. Neue Talkshows und auf Persönlichkeiten konzentrierte Sendungen stehen ebenfalls auf dem Plan, über den Intendanten und Programmchefs der ARD zurzeit beraten.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          An Kritik der Betroffenen mangelt es nicht. Auslandskorrespondenten haben sich zu Wort gemeldet, ehemalige Korrespondenten, Intendanten und Moderatoren, Autorinnen und Autoren offene Briefe verfasst, die Magazinchefs haben eine Eingabe gemacht, der Leiter der „Monitor“-Redaktion, Georg Restle, hat seine Bedenken besonders deutlich formuliert und vor einer „Trivialisierung“ des Programms gewarnt (F.A.Z. vom 15. Juli). Wir fragen Christine Strobl, die ihren Posten in der ARD-Programmdirektion in München am 1. Mai angetreten hat, nach den Hintergründen.

          Was entgegnen Sie denen, die Ihnen vorwerfen, Ihre Pläne bezüglich der Politmagazine und des „Weltspiegels“ führten die ARD in die „Trivialisierung“?

          Das Gegenteil ist der Fall. Wir wollen die politische Berichterstattung ausbauen und einen neuen Schwerpunkt „investigativen Journalismus“ schaffen.

          Was ist gewonnen, wenn die Zahl der Sendungen politischer Magazine abnimmt?

          Das Entscheidende ist doch, dass wir mit den Recherchen und Themen der politischen Magazine, die zum Markenkern unserer Informationskompetenz zählen, die ganze Bevölkerung, also auch die Jüngeren, erreichen. Das ist aufgrund des sich verändernden Nutzungsverhaltens allein über Das Erste nicht mehr gewährleistet. Deshalb denken wir jetzt Das Erste und die ARD Mediathek das erste Mal konsequent zusammen. Wir brauchen aus den Redaktionen der politischen Magazine deshalb auch Dokumentationen und Reportagen, die in Machart und Themensetzung für die ARD Mediathek geeignet sind. Die Herausforderung für die Redaktionen der politischen Magazine ist deshalb, dass neben den klassischen Beiträgen auch spezifische Stücke für die ARD Mediathek entstehen.

          Was kann oder soll auf den dann frei werdenden Sendeplätzen laufen?

          Nichts, weil es keine frei werdenden Sendeplätze gibt. Jeder Dienstag und Donnerstag um 21.45 Uhr wird mit den Themen der politischen Magazinredaktionen bespielt werden.

          Sind Sendeplätze im Fernsehen ohnehin überschätzt?

          Ganz sicher jedenfalls für alle, die längst ganz selbstverständlich das On-demand-Angebot nutzen, und das sind die unter Fünfzigjährigen. Im klassischen linearen Fernsehen spielen Sendeplätze und Verlässlichkeit nach wie vor eine große Rolle, aber ein Sendeplatz alleine erzeugt noch keine Relevanz.

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