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ARD-Programm 2009 : Ich bin die Assistentin von Harald Schmidt!

  • -Aktualisiert am

Nicht immer der beste Witzemacher: Oliver Pocher 2008 in Berlin Bild: dpa

Die ARD hat ihren Werbekunden in Frankfurt das Programm für 2009 vorgestellt. Oliver Pocher macht daraus als Moderator eine launige Gala und gibt den Reich-Ranicki. Doch plötzlich ist er ziemlich baff.

          Den besten Witz des Abends macht nicht Oliver Pocher, sondern die blonde Dame aus der Consultingbranche, die in einer Sitzgruppe drei Reihen von der Bühne entfernt sitzt. Dabei will sie gar nicht witzig sein. „Ich bin die Assistentin von Harald Schmidt“, sagt sie zaghaft ins Mikro, das Pocher ihr hinhält, und zeigt auf ihren Sitznachbarn. Pocher ist durchs Publikum gestreift und hat wissen wollen, was sie denn beruflich mache.

          Der Saal tobt. Pocher muss sich erst wieder fassen, bevor er sich dem Mann zuwendet, dessen Namensschild ihn tatsächlich als Harald Schmidt ausweist - ein Namensvetter von Pochers großem Bruder bei der ARD. Und dass daneben eine Autorin der F.A.Z. sitzt - sein vorheriges Opfer - musste er gerade auch erst verdauen.

          Wohltuend freundlich, fast schon charmant

          Der Montagabend in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt sieht einen Oliver Pocher, wie wir ihn aus dem Fernsehen nicht kennen. Er gibt sich dezent sympathisch, zwar gewohnt schlagfertig, aber wohlwollend freundlich, fast schon charmant. Vor ihm muss an diesem Abend keiner Angst haben. Der nette Herr Pocher von nebenan.

          Vielleicht lässt sich seine Zurückhaltung mit der Schwere der Aufgabe erklären: In Zeiten, in denen die Qualität des Fernsehens so vehement zum Thema geworden ist wie in den vergangenen Tagen seit der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises, ist es vielleicht nicht so einfach, mehrere Hundert Werbekunden unfallfrei durch den Programm- und Strategieausblick der ARD für das Jahr 2009 zu leiten. Mit der alljährlichen „ARD Preview“ wird Pocher nach Frankfurt noch in Düsseldorf, München und Hamburg Station machen.

          Ich bin froh, hier zu sein, schnarrt Pocher als Reich-Ranicki

          Ob die Qualitätsdebatte dann wieder verklungen ist, wird sich zeigen; in Frankfurt kommt Pocher nicht umhin, ihr zu begegnen. Er versucht es mit ein paar Sätzen im Reich-Ranicki-Akzent. „Ich bin froh, dass wir heute hier sein können und diskutieren können“, schnarrt er zu Beginn. Doch diskutiert wird nicht: Das Erste stellt seine Garanten vor, seine Top-Werbeumfelder, Top-Reichweiten und die Top-Zuschauerstruktur, die „Idee der neuen Kontinuität“ und eine neue Serie, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen und in Deutschland einen Nerv treffen soll - deshalb sollen „fiese Finanzheuschrecken“ und Frauen in Männerberufen vorkommen. Die zweihundert Folgen lange Vorabendserie wird voraussichtlich „Made in Germany“ heißen.

          Aber der Reihe nach. Welche Sendungen die Flaggschiffe am frühen Abend sind, steht für die ARD außer Frage. Wer es genau wissen will: Dazu zählen die Hotel-Schmonzette „Sturm der Liebe“, die Klatschsendung „Brisant“, die Zoosoap „Elefant, Tiger & Co.“ und ihre Kopien, die Endlosseifenopern „Verbotene Liebe“ und „Marienhof“, die Jörg-Pilawa-Show „Das Quiz“ und nicht zu vergessen - die „Tagesschau“.

          Die ARD schwelgt im „Audience Flow“

          Ein Schwerpunkt soll in Zukunft auf der Viertelstunde vor zwanzig Uhr liegen. In diesen fünfzehn Minuten erreiche man Personen und Zielgruppen, die sonst nur schwer zu fassen seien, sagt Bernhard Cromm von der ARD-Tochterfirma ARD-Werbung Sales & Services (AS&S), ohne diese Gruppen näher zu definieren. Vermutlich handelt es sich nicht um dieselben Zuschauer, die zuvor den „Marienhof“ einschalten. Um die will man sich aber auch kümmern, denn der „Audience Flow“, also die Übernahme von Zuschauern aus einer Sendung in die nächste, etwa vom „Marienhof“ zum „Großstadtrevier“ sei durchaus optimierungsfähig. „Das lief nicht so rund“, sagt Uwe Esser von der Geschäftsleitung AS&S. Deshalb will man jetzt die „Pre-„ beziehungsweise „Re-Caps“ verkürzen, das sind die dreißig Sekunden, die nach einer Sendung auf das folgende Format hinweisen. Neben der Stärkung der verlässlichen Programmsäulen ist die Verbesserung des Audience Flow Teil der „Idee der neuen Kontinuität“, auf die das Erste schon in diesem Jahr gesetzt hat. Das könnte fast aus einem Sketch von Schmidt & Pocher sein.

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