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ARD-Pannenshow „Quizduell“ : Es wird alles immer schlimmer

  • -Aktualisiert am

Auf der Suche nach Ellen: Jörg Pilawa moderiert das „Quizduell“ Bild: dpa

Auch bei zweiten Ausgabe der neuen Show mit Jörg Pilawa setzt die Technik aus. Und nun muss sich auch noch das Publikum böse vorführen lassen. Wer will da noch einen Preis gewinnen?

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          „Die Technik geht immer noch nicht.“ Das war die schlechte Nachricht, die Jörg Pilawa gleich zu Beginn der zweiten Ausgabe des „Quizduells“ den Zuschauern überbringen musste. „Das ging kräftig in die Hose“, sagte er zu dem bei der Premiere am Montag spektakulär gescheiterten Versuch der ARD, den von sechzehn Millionen Deutschen betriebenen Smartphone-Volkssport, auf den Bildschirm zu bringen. Schon ein Zehntel der Spielfreunde als Zuschauer zu haben, würde die ARD zufrieden stimmen.

          Die Bauchlandung von Montag hatte der ARD reichlich hämische Kommentare im Netz eingebracht. Das ging bis hin zu der Frage, wohin denn der von Hand ausgefüllte Zettel mit den richtigen „Quizduell“-Antworten geschickt werden soll. „Bitte an den NDR,“ sagte Pilawa selbstironisch. „Sie bekommen dann eine VHS-Kassette von der Sendung nach Hause geschickt.“  So sprach sich der „Quizonkel“ (Pilawa über Pilawa) tapfer Mut zu: „Jetzt sind wir da angekommen, wo wir hin wollten, eine richtig gute Quizsendung zu machen.“

          Halten Sie Ihr Gesicht für das Versagen in die Kamera!

          Aber auch das war nur ein frommer Wunsch, denn die Fliehkräfte dieser Sendung führen nicht zu einem großen Spaß und Wissensfeuerwerk, sondern streben in alle Richtungen davon. Die Mainzer Studenten, die in der zweiten Sendung ein Rateteam bildeten, waren nicht eben Sympathieträger mit ihrer unverhohlen zur Schau getragenen Gier nach den 30.000 Euro Gewinn und das Publikum musste sich ein ums andere Mal von Pilawa vorführen lassen.

          Wer denn jetzt gedrückt habe, dass Kiesinger der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewesen sei? Er könne das nachprüfen, denn alle Abstimmkästchen seien nummeriert und personalisiert, drohte Pilawa und dass er diese „Ellen mit Nummer 141, deren Nachname ich kenne“ schon finden werde, wenn sie nicht freiwillig ihr Gesicht für dieses Versagen in die Kamera halte.

          Wenig später musste ein Pärchen, das Jupp Heynckes statt Armin Veh für den neuen Trainer des VfB Stuttgart gehalten hatte, entschuldigend in die Kamera grinsen. Pilawa hatte sich extra zu ihnen gesellt, um ihr Nichtwissen öffentlich zu machen. Kein Wunder, dass sich kurz darauf dreißig Prozent des Publikums weigerten, überhaupt noch zu drücken – vermutlich aus Angst, der Quizmaster könne sie schulmeistern.

          Dabei hatte Pilawa en passant seine Redaktion als Wiederholungstäter enttarnt, als er anmerkte, die Frage nach dem eigentlichen Namen des Michel aus Lönneberga, den er aus urheberrechtlichen Gründen in Deutschland nicht tragen durfte (Emil) habe er schon in einer anderen seiner zahlreichen Quizsendungen gestellt.

          Hoffnung auf 160 Euro Entschädigung

          Leider wurde das Publikum für all die Entbehrungen nicht mit dem Gewinn der 30 000 Euro belohnt, die durch alle im Studio geteilt worden wären. Die Gewinnsumme von Montag (22.000 Euro) hätte, durch die Zahl der Studiogäste geteilt, 145 Euro für jeden ergeben, hatte Pilawa noch fürsorglich mitgeteilt. Was für ein unglaublicher Witz: Da will man ganz Deutschland am Spiel beteiligen und schließlich muss eine traurige Ellen auf 160 Euro Entschädigung hoffen, die sie dann nicht einmal bekommt, weil die vier Mainzer Studenten knapp gewinnen.

          Man darf mit dem Moderator gespannt sein, ob morgen die Technik (Pilawa: „Es lag an vielen Faktoren, es gab auch ein paar Hacker“) funktioniert, oder ob wieder mit der transparenten „Technik aus dem letzten Jahrtausend“ fahrlässig hantiert wird.

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