https://www.faz.net/-gqz-8on3e

Gewalt im Fernsehen : Der „Tatort“ unter Terrorverdacht

Sie haben es mit dem im „Tatort“ dargestellten Anschlag zu tun: Kommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) und der Leiter des SEK, Günsay (Ercan Karacayli). Bild: WDR/Frank Dicks

Der Neujahrs-„Tatort“ beschreibt einen Anschlag. Nun wird gefragt, ob man angesichts des Terrors in Berlin die Ausstrahlung verschieben sollte. Die ARD hält an ihrem Sendeplan fest.

          1 Min.

          Wenn ein fiktionales Fernsehprogramm plötzlich ungewollt erschütternde Ereignisse in der Realität berührt, schauen viele Zuschauer mit anderen Augen auf das filmische Geschehen. Die Verantwortlichen bei den Sendern können ihr Programm dann aus Rücksichtnahme ändern – so geschehen bei dem zweiteiligen Til-Schweiger-„Tatort“ „Der große Schmerz“ und „Fegefeuer“, den die ARD nach den Terroranschlägen von Paris im November 2015 um einige Wochen verschob.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Nun, nachdem ein Attentäter einen Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt in Berlin gesteuert, zwölf Menschen getötet und 48 weitere verletzt hat, steht die Frage im Raum, wie der verantwortliche WDR mit dem „Tatort. Sturm“ verfährt, der am Neujahrstag gesendet werden soll.

          Täter zündet ein Sprengstoffpaket

          Darin gibt es gegen Ende eine Szene, die „Spiegel Online“ im „Nachklang des Berliner Anschlags besonders verstörend“ findet: Ein weißer Kleintransporter fährt auf eine Gruppe aus Polizisten, Sondereinsatzkräften und Betroffenen zu. Er wird zwar von den SEK-Beamten mit Schüssen gestoppt, doch der Fahrer kann ein Sprengstoffpaket zünden. Danach sind nicht alle Ermittler und Einsatzkräfte nur verwundet.

          Die Parallelen zwischen dem fiktionalen Geschehen im Dortmunder „Tatort“ und der Terrorfahrt in Berlin finden sich, wenn man will, allein in der Darstellung eines Anschlags. Die in diesem „Tatort“ gezeigten Szenen verweisen nicht mehr und nicht weniger auf reelle Gewalt, als es viele andere „Tatorte“ auch tun – vor und nach terroristischen Angriffen.

          Spielten im „Tatort“ vor einem Jahr: Fahri Yardim (hinten) und Til Schweiger als LKA-Ermittler.
          Spielten im „Tatort“ vor einem Jahr: Fahri Yardim (hinten) und Til Schweiger als LKA-Ermittler. : Bild: NDR/Gordon Timpen

          Die vermeintlichen Parallelen enden in diesem speziellen Fall spätestens bei den Hintergründen des Verbrechens. Zwar spielt auch hier die Terrormiliz IS eine Rolle, aber dies nicht in der Weise, die man von islamistischen Gewalttaten kennt. Und so liegt die Sache auch anders als beim vom NDR verantworteten „Tatort“ mit Til Schweiger. Der nämlich setzte realitätsnah auf ein Szenario, das mit einer Geiselnahme im Studio der ARD-Nachrichten begann. Dass Zuschauer sensibler reagieren, ist verständlich. Die Frage, wie man mit Gewaltdarstellungen im Fernsehen umgeht, stellt sich aber nicht nur nach einem realen Terrorakt. Man halte an der Ausstrahlung des „Tatorts“ zu Neujahr fest, heißt es beim WDR auf Anfrage von FAZ.NET.

          Weitere Themen

          Wer leidet denn an der Geschichte?

          Erinnerungskultur : Wer leidet denn an der Geschichte?

          Mit großen Gesten hinein in den Small Talk: Per Leo stürzt sich in alle Debatten zum Stellenwert des Holocaust und stolpert dabei von einer verwegenen Behauptung zur nächsten.

          Topmeldungen

          Fall Kavala : Erdogan strauchelt und lenkt ab

          Mit der drohenden Ausweisung von zehn Botschaftern will der türkische Präsident von seiner sinkenden Popularität ablenken. Doch die Unzufriedenheit mit Recep Tayyip Erdogan und der AKP wächst immer weiter.
          Nein, Denkmäler stehen nicht für eine abgetragene Schuld: Blick auf Stelen des Holocaust-Mahnmals in Berlin

          Erinnerungskultur : Wer leidet denn an der Geschichte?

          Mit großen Gesten hinein in den Small Talk: Per Leo stürzt sich in alle Debatten zum Stellenwert des Holocaust und stolpert dabei von einer verwegenen Behauptung zur nächsten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.