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ARD-Mittwochsfilm : Besser verhüten

  • -Aktualisiert am

Angestaubt: Ulla (Veronica Ferres) und Jan (Heiner Lauterbach). Bild: ARD

Eine solche Paartherapie hat niemand verdient: In „Unzertrennlich nach Verona“ gehen Veronica Ferres und Heiner Lauterbach auf Mitleidstour nach Italien.

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          Als Ulla (Veronica Ferres) und Jan (Heiner Lauterbach), die eine Hardliner-Untersuchungsrichterin, der andere lässiger Undercover-Ermittler, also Kollegen, zudem zerstrittene Eheleute, in Handschellen und reichlich ramponiert auf dem Veroneser Kommissariat sitzen, um dem Commandante ihre Polizia-Verfolgungsgeschichte ins Ohr zu brüllen, reicht es dem irgendwann: „Italiener schreien, nicht Deutsche!“. Basta. Und sie tun sich leider auch schwer mit dem Genre Screwball-Komödie, was der zwar kurzweilige, aber enorm platte Spielfilm „Unzertrennlich nach Verona“ abermals unter Beweis stellt.

          Die Messlatte liegt unnötig hoch für den Film aus Ferres Produktionsfirma, in dem die Chemie zwischen den Hauptdarstellern jedenfalls stimmt. Klassiker wie „Is’ was, Doc?“ und „Leoparden küsst man nicht“, so Regisseur Andreas Herzog, habe man sich schon in den Leseproben zum Vorbild genommen (Buch Uli Brée). Die Ausgangslage ist jedoch ungleich überschaubarer und wird zudem weidlich ins Alberne ausgereizt bis zum obligatorischen Happyend: Kontrollsüchtige Richterin und Bonvivant-Ehemann reisen, zunächst auf getrennten Wegen, nach Verlust von Auto und Gepäck mit lauter Falschgeld am Leib mit dem Motorrad über den Gardasee, wo es im Hotel nur noch ein Besenkammer-Einzelzimmer gibt, dem kaum sechzehnjährigen Töchterchen Julia (Paulina Rümmelein) nach Verona nach, wo diese sich unter dem Balkon der gleichnamigen Verliebten mit ihrem Internetbekanntschafts-Romeo treffen will: Einen achtzehnjährigen Shakespeare-Deklamierer, was dieser Julia, der festen Größe in der Theater-AG ihrer Schule, mächtig imponiert. Und das, um ihre Jungfräulichkeit zu verlieren, wie die Mutter alarmiert vermutet: Sex, ungewollte Schwangerschaft, Zukunft ade.

          Abgerundet durch einen Mafioso im froschgrünen Sportwagen

          Sie malt sich alles panisch aus, statt den Nachwuchs pragmatisch über Verhütung aufzuklären. Der getrennt lebende Gatte versucht, seine Ex auf der Fahrt an wilde Zeiten zu erinnern, ist aber ebenfalls in hoher Sorge durch einen Schwangerschaftstest, der von Julias Freundin Lea (Olivia Müller-Elmau) in seiner Wohnung zurück gelassen wurde. Während Leas Freund Daniel (Nick Romeo Reimann) nach einem Streit auch nach Verona rast, kreuzt sich Ullas Weg unbekannterweise immer wieder mit Marius (Lukas Schmidt), dem Zuschauer längst als Schwiegermuttertraum hoch verdächtig, bevor vor und beim Konzert der Band „Rhonda“ in der Arena von Verona sich Paar zu Paar findet. Denn das soll der größte Gag sein: Statt Feier der Beziehung gibt es hier zünftigen Streit in der Stadt der Liebe. Abgerundet wird das Ensemble durch einen Mafioso im froschgrünen Highend-Sportwagen, der Jan das Falschgeld ins Auto plaziert, eine diebische Klischeetouristin, die ständig Kalenderweisheiten absondert, und eine Menge „Was waren wir früher so unbeschwert“-Nostalgie.

          Der Rest sind Italien-Postkartenansichten (Kamera Marcus Kanter) und Witze der Sorte Primitiveifersucht: „Ist das dein Scharfrichter?“ „Du hast Recht, er ist wirklich ziemlich scharf.“ Spätestens, wenn Ferres ihr Auto durch Meg-Ryan-Gedächtnisstöhnen zum Anspringen zu bewegen sucht, wünscht man sich ein Buch, das nicht ausschließlich auf die Attraktion der Fernsehstars, sondern auch auf ein Quäntchen Originalität wert gelegt hätte.

          Unzertrennlich nach Verona läuft am Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten.

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