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ARD im Advent : Plasberg stützt Slomka, Pilawa kehrt zurück

  • -Aktualisiert am

Miroslav Nemec posiert beim traditionellen Adventessen der ARD mit zwei als Engel verkleideten Models Bild: dpa

Die ARD feiert in München im kleinen Kreis. Der Programmchef zitiert laufend Dieter Hildebrandt, das Gabriel-Interview im ZDF ist ein heißes Thema. Und für einen umstrittenen „Tatort“ sieht es gar nicht gut aus. Angeblich wegen der SPD.

          Frank Plasberg hört interessiert zu. Hannes Jaenicke, der schon häufiger in seiner Talkshow „Hart aber fair“ zu Gast war, erklärt ihm gerade, dass die Pharmaindustrie bei Medikamententests an vorwiegend afrikanischen Probanden deren frühen Tod achselzuckend in Kauf nehme. Die Frage ist, wie weit der Arm der Pharmalobby reicht – vielleicht demnächst ein Thema in Plasbergs Sendung? Wilkommen beim ersten ARD-Programm, das an diesem Abend zum jährlichen Adventsessen nach München geladen hat.

          Plasberg: Sie hat nur ihren Job gemacht

          Bevor es zu Loup de Mer, Kalbsfilet mit Kartoffel-Sellerie-Mousseline oder für Vegetarier Soja-Risotto mit schwarzem Trüffel geht, begleitet von Rheingau-Riesling oder Piemonteser Rotwein, stehen die versammelten Stars, Chefs und Macher der ARD im Foyer des HVB Forum zusammen. Das Paar Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer hält nicht nur für die Fotografen verliebt Händchen, Wolke Hegenbarth lächelt im ärmellosen Kleid, Devid Striesow wirkt sehr seriös im Anzug. Axel Milberg erscheint mit Einstecktuch und Designerbrille.

          Frank Plasberg und Anne Gesthuysen - auf dem Empfang sagte er zum Gabriel-Interview von Marietta Slomka: „Ich verstehe die Kritik nicht. Sie hat nur ausgezeichnet ihren Job gemacht.“

          Als die Moderatorin Anne Gesthuysen ihren Mann Frank Plasberg abholt, bricht der noch schnell eine Lanze für die für ihr Gespräch mit Sigmar Gabriel gescholtene Kollegin Marietta Slomka: „Ich verstehe die Kritik nicht. Sie hat nur ausgezeichnet ihren Job gemacht.“ Von Parteilichkeit am Lerchenberg könne überhaupt keine Rede sein. In dieser Frage lässt Plasberg keinen Widerspruch gelten.

          Dann begrüßt ARD-Programmdirektor Volker Herres seine Gäste. Sein Bonmot, dass das Verbrechen an diesem Abend keine Chance habe wegen der großen Zahl „anwesender ,Tatort`-Ermittler und Ermittlerinnen“, wirkt ein wenig gebraucht. Auch, dass „Sie sich als Teil eines recht exklusiven Clubs der Kreativen“ fühlen könnten, denn „ohne Unterschiede macht Gleichheit ja keinen Spaß“ zitiert Herres den verstorbenen Kabarettisten Dieter Hildebrandt, der am Montag beerdigt wird.

          „Machen sich in jede Hose, die man ihnen hinhält“

          Aus dessen Zitatenschatz bedient sich Herres weiterhin, etwa mit dem Klassiker: „Die Öffentlich-Rechtlichen machen sich in jede Hose, die man ihnen hinhält, und die Privaten senden das, was darin ist.“. Herres nimmt das zum Anlass, „Mut in unseren Programmen“ zu fordern, „im Journalismus ebenso wie im Fiktionalen.“ Wieder muss Hildebrandt als Kronzeuge herhalten: „Man muss die Menschen vor den Kopf stoßen, damit sie lernen, ihn zu gebrauchen.“

          Auf dem Weg zum perfekten Lächeln: die Schauspieler Valerie Niehaus, Tanja Wedhorn und Oliver Mommsen zeigen sich mit einem großzügig beleuchteten Fahrrad

          Schließlich lässt Herres mit einem Satz aufhorchen, der so oder ähnlich in diesen Tagen immer häufiger aus den Reihen des Ersten zu hören ist. Nachdem der BR-Intendant Ulrich Wilhelm bei den Münchner Medientagen dem Fetisch Quote öffentlich abgeschworen hatte, postuliert nun auch Herres: „Kommerz, Geld und Quote – sie allein machen nicht glücklich. Es ist die Auseinandersetzung, die Betrachtung und Reflexion der Entwicklungen, der Brüche und des Wandels unserer Gesellschaft, die das Glück der Kreativen ausmacht. Kultur ist mehr als Kommerz. Journalismus ist mehr als ein Gewerbe. Beides sind Leidenschaften, die Menschen bewegen, die etwas bewegen wollen.“

          Umarmungen für Pilawa

          An den neunzehn Tischen werden dann ganz andere Leidenschaften wach, etwa für den ARD-Heimkehrer Jörg Pilawa, der einen Monat vor Ablauf seines Vertrages mit dem ZDF umringt wird von den ARD Stars, die ihn unbedingt in den Arm nehmen oder einfach mal wieder in Ruhe sprechen wollen. Pilawa selbst, nach einer Heilfastenkur um sieben Kilo leichter, genießt die Sympathie, die ihm entgegenschlägt. „Ich habe in der Mitte meines Lebens einfach die Entscheidung getroffen, wieder dahin zurückzukehren, wo ich herkomme, nach Hamburg zum NDR“, sagt er.

          Selbstverständlich wird an den Tischen über den bevorstehenden Um- und Neubau des Bayerischen Rundfunks diskutiert. Ein Produzent klagt über den immer kleiner werdenden Kuchen für seine Branche. „Jedes Jahr entlassen die Filmhochschulen hundert neue Regisseure und achtzig neue Produzenten. Für die gibt es in Deutschland aber nur etwa zweihundert Kinofilme und etwa 340 Fernsehfilme.“ Und wenn dann, wie in der „Fernsehfilm der Woche“-Reihe des ZDF von 39 Sendeplätzen etwa zwölf von Reihen abgedeckt würden und weitere zehn per se an eine bestimmte Firma aus Köln gingen, bleibe für die freien Produzenten sehr wenig übrig.

          Aber es wird nicht nur geklagt. Der Bremer „Tatort“-Kommissar Oliver Mommsen tauscht mit dem Stuttgarter Felix Klare und „Tierärztin“ Elisabeth Lanz Erziehungstipps aus, Thekla Carola Wied redet mit einer ehemaligen Filmtochter über alte Zeiten, Sven Martinek sitzt neben Simone Thomalla und gibt den am Tresen stehenden einstigen Boxweltmeister Henry Maske einen Getränkewunsch durch. So ist er, der Advent im Ersten.

          Wolf Bauer: „Lassen Sie uns einen Preis erfinden, der relevant ist“


          Wolf Bauer, der Chef der Produktionsfirma Ufa, schätzt das vorweihnachtliche Treffen. „Das ist eine hervorragende Geste der ARD für die Leute, die das Programm gestalten.“ Außer Pro Sieben Sat.1, die eine ähnliche Veranstaltung vor einer Woche hatten, biete das auch kein anderer Sender. „Nicht das ZDF und nicht die RTL-Gruppe. Es ist auch viel entspannter als bei einer dieser unzähligen Verleihungen von Preisen, die keiner haben will. Lassen sie uns einen Preis erfinden, der wirklich relevant ist,“ fordert er uns auf.

          Nur eine hochschwangere TV-Polizistin war am Ende des Abends wirklich unglücklich. Sie hatte gerade auf dem kurzen Dienstweg von WDR-Filmchef Gebhard Henke erfahren, „dass mein ,Tatort`-Ausstieg, der wegen der FSK-Kennzeichnung ,ab 16` erst um 22 Uhr am 15. Dezember ausgestrahlt werden sollte, nun wieder verschoben wird, wegen des Ausgangs der SPD-Mitgliederbefragung.“ Tessa Mittelstaedt glaubt inzwischen, dass „höhere Mächte im Spiel sind. Vermutlich wird mein Kind Mitte Januar eher das Licht der Welt erblicken als dieser Kölner ,Tatort`.“

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