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„Weil du mir gehörst“ im Ersten : Vater, Mutter, hin- und hergerissenes Kind

  • -Aktualisiert am

Konflikte aktiv befeuern oder passiv verstärken: Julia (Julia Koschitz) redet auf ihre Tochter Anni (Lisa Marie Trense) ein. Bild: SWR

Altbacken inszenierte Elternrollen von erstaunlicher Eindimensionalität: Der ARD-Film „Weil du mir gehörst“ treibt einen Partnerkonflikt auf die Spitze, ohne ein Ende zu finden.

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          Parental Alienation Syndrom“ – in Selbsthilfeforen lassen sich zuhauf haarsträubende Geschichten finden von verlassenen Elternteilen, zumeist Vätern, denen ihr Kind nach einer Trennung oder Scheidung gezielt entzogen wird. Dass es sich hier, so sehen es die Geschädigten, um eine Art Minderjährigen-Gehirnwäsche handele, mache die Sache der Ex-Partnerinnen nicht nur kriminell, sondern auch moralisch verwerflich. Und dass ein Kind den regelmäßigen Umgang mit beiden Elternteilen braucht, ist common sense im Familienrecht. Kindeswohl geht vor Partikularinteressen der Erwachsenen. Statistische Tatsache ist, dass viele getrennte Väter, aus welchen Gründen immer, nach und nach den Kontakt zu ihren minderjährigen Kindern verlieren. Immer freiwillig? In den Foren und Betroffenenbüchern sieht man in der Regel nur eine Seite, die des Eltern-„Opfers“ oder das Porträt eines „Täters“.

          Die Lebensrealität der Kinder, die als schutzbedürftig im Mittelpunkt stehen sollten, versucht der ARD-Mittwochsfilm „Weil du mir gehörst“ an einem fiktionalen Fall durchzudeklinieren. Autorin Katrin Bühlig, deren Interesse immer wieder Fragen der Berührung von Gesetz, Gerechtigkeit und Gesellschaft sind, zeigt mit dem Regisseur Alexander Dierbach und Kameramann Jan Blumers, was nach einer scheinbar harmonischen Trennung passiert, wenn ungute Gefühle eines Ex-Partners durch eine florierende Scheidungsindustrie von Anwälten und spezialisierten Gutachtern aus monetären und prozesstaktischen Gründen hell angefacht werden. Zeit ist ein entscheidender Faktor bei der Indoktrination der Kinder, das wissen alle Beteiligten. Und kochen ihr entsprechendes Instrumentalisierungssüppchen.

          Beginn einer perfiden Kontaktverhinderung

          Konflikte solle sie aktiv befeuern oder passiv verstärken, so rät es der Anwalt der geschiedenen, alleinerziehenden Julia (Julia Koschitz). Bis kurz zuvor hat die achtjährige Tochter Anni (Lisa Marie Trense) mit ihrem Vater Tom (Felix Klare), dessen neuer Freundin Jenny (Marie Collet) und deren gleichaltriger Tochter alle zwei Wochen eine schöne Zeit gehabt. Die Omi kam zum Krautwickelkochen in die Patchworkfamilie, man ging in den Tierpark und wollte bald zum gemeinsamen Tauchen nach Fuerteventura. Dass Mutter Julia die Vater-Kind-Zeit regelmäßig durch Kontrollanrufe störte, ging dem arglosen Vorzeigepapa Tom auf die Nerven, nicht mehr. Doch das ist nur der Beginn einer perfiden Kontaktverhinderung Julias. Bald steht er immer wieder vor verschlossener Tür. Irgendwann sind die Möbel fort. Julia und Anni sind unbekannt verzogen. Die Mutter erzählt, der Vater habe eine neue Handynummer. Anni übrigens auch. Angeblich ruft er nie an, ist unerreichbar. Die Arbeit gehe ihm halt vor. Aber sicher habe er Anni sehr, sehr lieb. Irgendwie. Auf die Mutter könne sie sich verlassen.

          Tom beginnt, für sein Umgangsrecht zu kämpfen. Einige auch handgreifliche Auftritte der Eltern später beginnt Anni einzunässen und sich selbst zu verletzen. Während die Eltern sich mit Gutachtern und Jugendamtshilfe vom Amtsgericht zum Oberlandesgericht klagen, vergeht die Zeit, nimmt das Kind immer mehr die Opferposition der Mutter ein. Dem Richter schildert Anni bei der Anhörung Hass auf den Vater – falls sie ihn sehen müsse, werde sie sich umbringen. Der Richter entscheidet salomonisch, aber das Ende bleibt unbestimmt pessimistisch. Mehr von solcher Unbestimmtheit, eine gewisse Figurenkomplexität und weniger Schwarzweiß wie vom psychologischen Konfliktreißbrett, hätte auch dem Film als Ganzes gutgetan. Altbacken inszeniert, zeigt er Elternrollen von vollkommener Eindimensionalität. Im letzten Drittel nehmen die Explikationen des „Parental Alienation Syndrom“-Sachverhalts derart überhand, dass aus nachvollziehbarem Engagement simple Parteinahme wird.

          Weil du mir gehörst, um 20.15 Uhr im Ersten

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