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„Urlaub mit Mama“ im Ersten : Hauptsache, Italien

  • -Aktualisiert am

La Dolce Vita, allerdings ohne Handyempfang: Christine Schorn und Anja Kling. Bild: ARD Degeto/Reiner Bajo

Im Kastenwagen durch Verona: Der ARD-Film „Urlaub mit Mama“ kombiniert Komödie und Roadmovie, versumpft dabei aber in einer Mischung aus Ulk, Pathos und Moral.

          Ein häufig herumgereichter Aphorismus von Oscar Wilde besagt, Reisen veredele den Geist und beseitige Vorurteile. Mag sein, schön wär’s jedenfalls. Sobald es allerdings um deutsche Fernsehfilme übers Reisen geht, erweist sich Wildes Bonmot nicht nur als unbrauchbar, sondern als ironischer Witz. Denn medial zugerichtete Sommerfrische ist – vor allem wenn sie zur Primetime im Ersten stattfindet – das als Horizonterweiterungstrip camouflierte Gegenteil eines Horizonterweiterungstrips.

          Der Titel des Corpus Delicti lautet „Urlaub mit Mama“. Es wurde von Nina Bohlmann geschrieben und von Florian Froschmayer verfilmt. Am Anfang spielt die Handlung im italienischen Verona. Dort haben die Römer eine Arena erbaut, in der sich Andrea (Anja Kling) und ihre Mutter Helga (Christine Schorn) eine Oper anschauen. Anlass des Treffens ist Helgas fünfundsiebzigster Geburtstag, wobei Andrea schnell zurück nach Deutschland fahren möchte (Jobprobleme), was jedoch kläglich scheitert (Nah- und Fernverkehrsprobleme). Immerhin ist kulturell und familiär bis hierhin tutti paletti.

          Makellose Katalogimpressionen

          Das ändert sich, sobald der Film auf Touren kommt. Städtebauliche Grandezza und klassische Musik lassen wir dann zugunsten von Verfolgungsjagden und unfreiwilligen Bordellbesuchen hinter uns. Verpackt wird die Posse in Schemata, die sich im Kino bewährt haben und auch im Fernsehen „bella figura“ machen: Romantische Komödie meets Roadmovie. Zwei treffen sich, finden zueinander, streiten sich, entzweien sich, finden abermals zueinander, und am Ende heißt es mit Rilke gesprochen: „Du musst dein Leben ändern.“ Auf diesen Parcours werden normalerweise Verliebte geschickt, aber eine tiefenentspannte Mutti und ihre dauergestresste Tochter, die gemeinsam im dreirädrigen Kastenwagen gen Deutschland gurken, scheinen ebenso geeignet.

          Zu Songs wie Toto Cutugnos „L’Italiano“ werden Palmen und Serpentinen, Weinberge und Kapellen gezeigt. Die Bilder sind so glatt und makellos, als hätte die Tourismusbranche sie in Auftrag gegeben. Jede noch so große Italien-Sehnsucht ist da rasch überbefriedigt, so dass sich beim Zuschauer ein ganz anderes Verlangen einstellt: nach Brachflächen, Müllhalden und Industriegebieten; weg von den blankgeputzten Katalogimpressionen, hin zur südeuropäischen Version des Kottbusser Tors.

          Tiefgreifende Dialoge? Fehlanzeige

          Helga und ihre Tochter beschäftigen sich weniger mit dem Land, wo die Zitronen blühen, als mit ihrer therapiebedürftigen Beziehung. Hinzu kommt die im Hintergrund schwelende Nebenhandlung über Andreas herumstreunenden Anti-Göttergatten. Was erzählt man sich also fast neunzig Minuten lang? Zumindest nichts Tiefgreifendes aus dem Repertoire der Erfahrungsseelenkunde, wir befinden uns ja auf Komödienterrain: „Das Erste, was man in Italien immer machen muss, ist ein gutes Eis essen.“ Oder: „Ich hab mal gelesen, die Asiaten haben überall Netz, die bringen sich das irgendwie mit.“ Zu den Ritualen in der katholischen Kirche fällt Helga Folgendes ein: „Alles eine ganz große Inszenierung.“

          Das wird man über „Urlaub mit Mama“ nun nicht behaupten können. Der Film präsentiert die Familie als eine Einrichtung, welche auf Liebe und Respekt beruht, in der man allerdings auch fatalerweise aneinander gebunden ist. Mutter und Tochter müssen sich arrangieren, Mann und Frau hingegen nicht. Hat es sich ausgeliebt, so die Lehre, sollte man schleunigst das Weite suchen, sonst droht das private Armageddon. Das sind zwar keine neuen, aber dafür filmtaugliche Ideen. Gleichwohl schaffen es die Macher, sie in ein Korsett aus Ulk, Pathos und Moral zu pressen, das den Plot zuverlässig aus der Kurve trägt. Da wird kein Geist veredelt und kein Vorurteil beseitigt.

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