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„Lotte am Bauhaus“ im Ersten : Sehr artig und sehr hübsch

Gar nicht echt und doch so präsent: Lotte (Alicia von Rittberg) wartet im Bauhaus Dessau auf eine Entscheidung zum Auftrag des Baus einer von ihr entworfenen Villa. Bild: MDR/UFA Fiction

Erfüllt alle Erfordernisse des Prime-Time-Fernsehens: Mit dem Film „Lotte am Bauhaus“ verkitscht die ARD den Aufbruch der Frauen in der deutschen Kunstwelt. Eine Chance ist vertan.

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          „Als Lehrling aufgenommen wird jede unbescholtene Person ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, deren Begabung und Vorbildung vom Meisterrat als ausreichend erachtet wird“, verkündete Walter Gropius 1919 als Gründungsdirektor des Staatlichen Bauhauses Weimar. Im Jahr zuvor erst hatten Frauen das Wahlrecht und die Lehrfreiheit in Deutschland erlangt – was für ein Neuanfang für sie nach dem verlorenen Krieg.

          Ursula Scheer
          (eer.), Feuilleton

          Und Frauen zögerten nicht, wo sich ihnen bisher verschlossene Türen öffneten wie die zu einem akademischen Kunststudium. Einzelne Exotinnen hatten das zwar schon vorher geschafft, und die Großherzoglich-Sächsische Kunsthochschule in Weimar hatte bereits im späten Kaiserreich Studentinnen aufgenommen. Doch nun sollte das Besondere Normalität werden, gerade am Bauhaus mit seinen revolutionär modernen Ideen von der Versöhnung zwischen Handwerk und Kunst, die den wilhelminischen Mief hinter sich zu lassen schienen. „Absolute Gleichberechtigung, aber auch absolute gleiche Pflichten in der Arbeit aller Handwerker“, hieß es dort.

          Im Sommersemester 1919 immatrikulierten sich am Weimarer Bauhaus 84 Frauen und 79 Männer. Gleichstellung oder gar die Umkehr der bisherigen Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern bedeutete das noch lange nicht. Frauen wurden bevorzugt in die Weberei abgeschoben, weil das angeblich ihrer natürlichen Veranlagung entsprach. Gropius fürchtete, dass der hohe Frauenanteil dem Ansehen der Institution schaden könnte, was sich verschärfte, als sich die politischen Gewichte nach rechts verschoben und das Bauhaus immer stärker unter Druck geriet. Werke von Frauen wurden marginalisiert, viele gerieten später in Vergessenheit.

          Lotte Brendel? Gab es nicht

          Dabei gab es herausragende Bauhaus-Künstlerinnnen, deren Anteil an diesem Projekt der Moderne kaum zu unterschätzen ist: Marianne Brandt arbeitete als erste Frau in der Metallwerkstatt und leitete sie zeitweise. Ihre Teekanne MT 49 ist eine Designikone. Die Weberin und Textildesignerin Gunta Stölzl setzte sich gegen Widerstände als erste Meisterin an der Kunstschule durch. Alma Buscher entwickelte, inspiriert von der Reformpädagogik, Bauhaus-Spielzeug aus Holzklötzen in Primärfarben, Wurfpuppen und Kinderzimmermöbel. Friedl Dicker entwarf als Erste am Bauhaus ein Gebäude mit Flachdach und gründete später ein überaus erfolgreiches Architekturbüro.

          Und Lotte Brendel? Gab es nicht. Sie ist eine Kopfgeburt des Drehbuchautors Jan Braren, der für die Konstruktion seiner Hauptfigur in dem von der Ufa-Fiction für die ARD produzierten Spielfilm „Lotte am Bauhaus“ – ja, ein Augenzwinkern Richtung Thomas Mann und Goethe musste offenbar sein – Material aus Biographien und Werkkatalogen realer Bauhausfrauen geschlagen hat wie aus einem Steinbruch. Alicia von Rittberg steht in der Rolle Lotte Brendels, die sie souverän ausfüllt, vor derselben Aufgabe wie als Krankenschwester Ida Lenze in der ebenfalls von der Ufa fürs Erste aufgelegten Serie „Charité“: Als ahistorische Gestalt führt sie den Zuschauer in einen historischen Zusammenhang, nimmt ihn mit bei ihrer Wandlung von der Ahnungslosen zur Insiderin, durchlebt exemplarisch und trotz Rückschlägen erfolgreich die weibliche Emanzipationsgeschichte und zieht die wesentlichen zeitgeschichtlichen Konflikte auf sich.

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