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ARD-Film „Bist du glücklich?“ : Inventur einer Beziehung

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Hier weint der Himmel: Ronald Zehrfeld und Laura Tonke in einer Szene aus „Bist du glücklich?“ Bild: HR/Bettina Müller

Neues Jahr, altes Paar: Laura Tonke und Ronald Zehrfeld suchen nach ersten Rissen in einer zersprungenen Liebe. „Bist Du glücklich?“ ist ein ungewöhnlich erwachsener Film über Gefühle – ganz ohne Kitsch.

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          Nichts kommt hier überraschend. Und es ist selten, dass das als herausragende Qualität eines Filmes gelobt werden muss. Jeder Vorwurf, jede resignierte Verteidigung, jede Einsicht, selbst die Titelfrage scheinen auf einer langen Serpentinenstrecke zu uns herauf zu kriechen. Kurve um Kurve sehen wir sie näher kommen, aber bei ihrer Ankunft erschaudern wir gleichwohl. Man muss kein Romantiker sein, um zu wünschen, das Unvermeidliche ließe sich noch abwenden. Man würde es diesem schönen Paar einfach gönnen. Schon weil Ronald Zehrfeld, der selten so muskelprotzig, aber auch selten so verletzlich aussah wie hier, und eine grandios traurig-trotzige Laura Tonke das Kunststück fertigbringen, höchst individuelle Charaktere darzustellen, die zugleich unbeschränkt zur Identifikation einladen. Marc und Sonja, das sind wir alle. Früher oder später. Oder immer wieder.

          Sie ist regelrecht zu spüren, die bleischwere Last der Trennung, die den Protagonisten, die wir in Rückblenden als frischverliebtes Paar sehen, jede Leichtigkeit nimmt. Nicht einmal das Chili con carne in jener abgelegenen Gaststätte, an dessen Rezept sich garantiert nichts geändert hat, schmeckt noch annähernd gleich. Dreizehn Jahre zuvor haben es die durchnässten, mit leerem Tank und vollem Herzen hier gestrandeten Liebenden für das überragendste Essen der Welt gehalten; jetzt muss kräftig nachgesalzen werden, um den Eintopf überhaupt zu ertragen. Wie trivial, wie wahr. Den Glücklichen ist alles Glück, den Enttäuschten alles Enttäuschung. „Echt jetzt?“, fragt Marc getroffen, als ihm die Partnerin den aufbewahrten Stein zurückgibt, auf den er einst seine Handynummer für sie gekritzelt hat. „Wir sind keine Freunde“, sagt Sonja hart, aber nicht böse.

          Sätze von solcher Schlichtheit so zu sprechen, dass man ihnen gebannt lauscht, ist große Kunst. Ein simples Happy End scheint ausgeschlossen, dafür ist der Film viel zu ehrlich, aber in die Katastrophe muss das alles auch nicht führen. Schließlich geschieht das Aufarbeiten des eigenen Scheiterns mit erstaunlicher Rücksicht. Den Anlass bietet eine letzte Fahrt zum gemeinsamen Wochenendhaus vor den Toren Frankfurts. Es soll verkauft werden, womit die alte Frage im Raum steht: „Was bleibt von uns beiden eigentlich übrig?“ Darauf mag es viele individuelle Antworten geben. Den Film aber interessiert vor allem die weit größere Frage, ob nicht gerade ein Zuviel an Individualismus und Glückserwartung Beziehungen heute eher im Weg steht. Gehören die Durststrecken dazu? Soll man gleich aufgeben beim Nachlassen des Begehrens? Verwechseln wir Liebe mit Liebesromanen?

          Ein ungewöhnlich erwachsener Film

          Das traditionelle Modell illustrieren die Nachbarn, die es geschafft haben, ihre Macken zu vergemeinschaften. Eskapaden gab es auch hier: „Aber das hat doch nichts daran geändert, dass wir zusammengeblieben sind.“ Wenn die im Kühlschrank herumfuhrwerkende Esther (Eleonore Weisgerber) ihrem gemeinsam mit ihr alt gewordenen Roman (Günther Maria Halmer) „Hau mir jetzt bitte nicht auf den Hintern“ sagt, dann scheint darin die Essenz der Liebe zu stecken. Diese knuffigen Nachbarn stellen den frisch Getrennten nun eine Falle, was Marc und Sonja gleich durchschauen und doch annehmen. Der ungeplante gemeinsame Abend bei Wein und Kerzen wird nicht nur zu einer Suche nach den ersten Rissen in ihrer Liebe – die Kinderfrage, kleine Achtlosigkeiten –, sondern weitet sich zu einer großen Beziehungsinventur, die Verdrängtes und Verstecktes zutage fördert.

          Das Buch von David Ungureit sticht, wie gesagt, nicht durch Originalität hervor. Aber welche Beziehung wäre schon an Originalität zerbrochen? Regisseur Max Zähle hat stimmige Bilder gefunden für das Rekapitulieren des Auseinanderlebens, denen viel Symbolik innewohnt, ohne zu nerven: das zerbrochene Porzellan; die lange Wegstrecke; die Durchgangsstadt Frankfurt. Auch musikalisch bleibt der Film geschmackssicher (Musik Daniel Hoffknecht). „Let’s all meet up in the year 2000“, singt der junge Jarvis Cocker, als die Sorglosen erstmals zu dem hübschen Haus aufbrechen, eine Feier der ewigen, weil vergeblichen Liebe. Melancholische Balladen untermalen von der anderen Seite her die Gegenwartsebene, Tammy Terells zeitloses „I cried“ oder „Worried Shoes“ von Karen O. Und die hierzulande leider viel zu unbekannten Peter Fij und Terry Bickers singen so hinreißend über den „Sound of Love“, wie das wohl erst nach einigen Verlusten möglich ist: „The orchestra is over, but I still hear the coda.“ Dass dieser ungewöhnlich erwachsene Film so viel Gefühl ohne Kitsch transportiert, liegt aber in erster Linie an zwei Schauspielern auf dem Zenit ihres Könnens.

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