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ARD-Doku „Angriffslust“ : Frauen im Krieg

  • -Aktualisiert am

Soldatinnen schildern in der Dokumentation Angriffslust ihre Erlebnisse in Kriegsgebieten. Bild: WDR/Labo M GmbH

Die Dokumentation „Angriffslust“ erzählt vom Krieg aus Sicht der Frauen. Wie unterscheidet die sich von der männlichen Perspektive?

          2 Min.

          „Wem hören wir zu, wenn es um Krieg geht? Für gewöhnlich den Männern.“ Mit dieser These beginnt die Dokumentation „Angriffslust – Frauen, Krieg und Gewalt“ aus der vierteiligen Reihe „HERstory“, die Geschichte aus Sicht von Frauen erzählt. Männer haben nach Ansicht des WDR-Redakteurs Matthias Werth genügend Zeit gehabt, ihre Perspektive zu schildern.

          Der Film verfolgt verschiedene Erzählstränge. Er zeigt weibliche Kriegsopfer, Soldatinnen, Politikerinnen und Friedensaktivistinnen. „Der Film soll einen Überblick geben über verschiedenste weibliche Perspektiven im Krieg. Er soll Diskussionen anregen“, sagt Mareike Wilms, neben Andreas Spinrath und Nina Ostersehlte eine der Autorinnen.

          Frauen nehmen im Krieg nicht nur eine Nebenrolle ein. Der Film zeigt unveröffentlichte Archivaufnahmen von Frauen mit Waffen – Guerilla-Kämpferinnen, Partisaninnen im spanischen Bürgerkrieg, Terroristinnen der RAF. In der Bundesrepublik durften Frauen bis zum Jahr 2000 laut Artikel 12 Grundgesetz in der Bundeswehr keinen „Dienst mit der Waffe“ leisten. Heute liegt der Frauenanteil in der Bundeswehr bei zwölf Prozent, sie dienen auch in Kampfeinheiten. Fünf Soldatinnen erzählen hinter weißer Wand von ihren Erlebnissen im Krieg, als Hauptfeldwebel, als Oberstleutnant, als Hauptmann. Sie sind sich einig: Der weibliche Blickwinkel sei im Krieg ein anderer als der männliche, ganzheitlicher. Gerne würde man mehr von ihnen hören. Der Film setzt aber rasch fort, um möglichst viele Aspekte in knapp 45 Minuten unterzubringen.

          Keine Heldengeschichten

          Mit Ausschnitten aus der Dokumentation „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ von Swetlana Alexijewitsch aus dem Jahr 1980 springt der Film zurück in die Vergangenheit. Soldatinnen, die in Russland für die Rote Armee kämpften, erzählen, wie schlimm der Krieg für die meisten Frauen war. Das sind keine Heldengeschichten, den Frauen ist kein Kriegerdenkmal gewidmet. Alexijewitsch selbst sieht man in Ausschnitten bei einer Rede, die sie hielt, als sie 2015 den Literatur-Nobelpreis erhielt. Ein Gespräch mit ihr sei geplant gewesen, zerschlug sich jedoch kurzfristig, sagt Mareike Wilms.

          Serientrailer : „Angriffslust – Frauen, Krieg und Gewalt"

          „Die wenigsten Frauen kämpfen. Und so ist die weibliche Geschichte des Krieges vor allem die Geschichte von Kriegsopfern“, sagt die Erzählerstimme im Film aus dem Off. Diese Geschichte ist geprägt durch Verschleppungen und Vergewaltigungen. Deshalb folgt ein weiterer Sprung zu Navanethem Pillay, Hohe Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen und ehemalige Richterin am internationalen Strafgerichtshof. Sie arbeitete den Völkermord in Ruanda auf, woraufhin 1998 Vergewaltigung zum ersten Mal als Völkermord anerkannt wurde.

          Die Dokumentation zeigt auch Friedensprozesse. Auch dabei fänden Frauen zu wenig Gehör. Untersuchungen der Vereinten Nationen zeigten, dass ein Frieden länger hielt, wenn Frauen an Verhandlungen beteiligt waren. Dafür kämpft Ruth-Gaby Vermont, ehemaliges Mitglied des Europarats, in Kriegs- und Krisenregionen. Die Autorinnen begleitet sie bei ihrer Arbeit. Dann endet der Film – mit dem Friedensnobelpreis, der an einen Mann verliehen wird. Alfred Nobel, hören wir, habe sein Geld übrigens mit Dynamit verdient. „Der Schlusspunkt soll ironisch sein. Trotzdem soll einem das Lachen im Hals stecken bleiben“, sagt Mareike Wilms. Die Dokumentation lässt Fragen offen. Das ist laut Matthias Werth auch das Ziel: einen Anstoß zu geben, damit weitere Filme tiefer gehen.

          Angriffslust läuft um 23.35 Uhr im Ersten sowie in der ARD Mediathek.

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