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ARD-Vorsitzende Karola Wille : „Über manche Zahlen staune ich selbst“

„Es geht um Fakten, um Recherche, Einordnung, Bewertung und journalistische Distanz“: Karola Wille ist der Überzeugung, das „Glaubwürdigkeitskonto“ der ARD sei ganz gut gefüllt. Bild: dpa

Seit Jahresbeginn ist Karola Wille ARD-Chefin. Ihr gehe es um Glaubwürdigkeit, Transparenz und die digitale Zukunft, sagt sie im Interview. Und was ist mit dem Rundfunkbeitrag und den Gehältern von Fußball-Experten?

          Sie haben als ARD-Chefin Leitideen für Ihr Wirken vorgestellt. Eine ist: „Glaubwürdigkeit“. Gibt es da etwas aufzuholen?

          Ich habe mehrere Leitgedanken formuliert. Einer lautet, dass wir uns immer wieder neu um Glaubwürdigkeit bemühen müssen. Glaubwürdigkeit ist ein Grundkapital unserer Arbeit. Wir haben Umfragen in Auftrag gegeben, bei denen wir konkret nach unserer Glaubwürdigkeit fragen ließen. Die Zustimmungsrate lag bei bis zu 75 Prozent für unsere journalistischen Angebote. Dieses nach wie vor gut gefüllte Glaubwürdigkeitskonto könnte uns beruhigen, nur ist es so, dass wir in der heutigen Internetwelt immer wieder und anders herausgefordert werden. Wir müssen stets aufs Neue daran arbeiten, in unserer gesamten Arbeit und Berichterstattung als verlässlich, differenziert, unabhängig, wahrhaftig und vertrauenswürdig zu gelten. Der Gesellschaft zu dienen ist der essentielle Kern unseres Auftrags. Dazu müssen wir nahe bei den Menschen sein.

          Was heißt das konkret?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wir müssen uns um noch mehr Transparenz bemühen. Wir haben in den letzten Jahren vor allem in finanziellen Fragen für Transparenz gesorgt. Aber wir können noch mehr tun, um darüber hinaus zu zeigen, was unsere journalistische Arbeit kennzeichnet. Souverän mit Kritik umgehen, eine Fehlerkultur entwickeln und den Dialog mit unseren Nutzern pflegen - diese Chancen bieten soziale Netzwerke, die eine neue Art von Teilhabe ermöglichen.

          Sie haben gesagt, man solle journalistisch nüchtern mit der AfD umgehen. Die AfD ist die politische Gruppierung, die die Glaubwürdigkeit des Journalismus am stärksten in Zweifel zieht. Das zählt zum Kanon der AfD. Wie stellen Sie sich den nüchternen Umgang mit der AfD vor?

          Genauso wie mit anderen Parteien und Phänomenen. Es geht um Fakten, um Recherche, Einordnung, Bewertung und journalistische Distanz. Wir berichten über die AfD und laden ein zur argumentativen Auseinandersetzung.

          Die AfD sucht und braucht Zuspitzung, zu der gehört das Stichwort „Lügenpresse“.

          Lügenpresse ist ein politischer, historisch belasteter Kampfbegriff, mit dem Medien pauschal diffamiert werden sollen. Darin drückt sich in Wahrheit aus, dass man die Systemfrage stellt.

          Wie ist es mit der Transparenz des öffentlich-rechtlichen Systems? Wie viel Geld gibt die ARD für die Bundesligarechte aus? Zuletzt wurde geschätzt, es seien pro Saison 134 Millionen Euro.

          Wir befinden uns in einem wirtschaftlichen Wettbewerb mit privaten Konkurrenten und würden unsere Position schwächen, wenn wir von Beginn an alles offenlegen. Der Bundesliga-Vertrag muss noch von den Gremien der ARD genehmigt werden. Dort wird die Summe thematisiert.

          Sie wollen jetzt aber nicht sagen, dann verraten Sie uns die Summe.

          Ich verrate Ihnen zumindest, dass die Summe, die Sie hier aufrufen, bei weitem nicht stimmt.

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