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TV-Kritik: Hart aber fair : Ein Orkan namens Annegret

  • -Aktualisiert am

Frank Plasberg ist zurück im „Hart aber fair“-Studio und lässt die Zukunft der CDU diskutieren. Bild: WDR/Dirk Borm

Der Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer wirbelt auch das ARD-Programm kräftig durcheinander. Der „Brennpunkt“ verpasst allerdings die beste Frage. Und bei „Hart aber fair“ ist Frank Plasberg wieder zurück – und verkörpert alte Probleme.

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          Diese Woche in Deutschland beginnt äußerst stürmisch. Orkantief „Sabine“ legt den Fernverkehr der Bahn lahm, reihenweise knicken Bäume und Strommasten um, vielerorts bleiben Schulen geschlossen. Doch damit nicht genug. Seit Montagmorgen fegt plötzlich ein zweiter Sturm über Deutschland hinweg: Annegret. CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer kündigt an, den Parteivorsitz abzugeben und nicht länger die Kanzlerkandidatur anzustreben. Und während Orkantief „Sabine“ von Experten in Richtung und Geschwindigkeit genau vorhergesagt wurde, trifft Orkan „Annegret“ das politische Deutschland vollkommen unvorbereitet.

          Die ARD reagiert und wirft ihr Abendprogramm über den Haufen: Statt der Festsitzung des Aachener Karnevalsvereins soll um 20.15 Uhr ein „Brennpunkt“ die Ereignisse des Tages erklären. Titel: „Kramp-Karrenbauer gibt auf – Machtkampf in der CDU“. Zudem wird die Talkshow „Hart aber fair“ vorgezogen.

          Die „Brennpunkt„-Moderatorin Tina Hassel stellt gleich zu Beginn fest: „Seit heute hat der Eklat in Thüringen auch zu einem politischen Paukenschlag im Bund geführt.“ Es ist ein sprachlich eher holpriger Einstieg, der zudem inhaltlich der Zeit weit hinterherhinkt. Seit vor fünf Tagen der FDP-Politiker Thomas Kemmerich vom Thüringer Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, stehen täglich die Erfurter Wahlentscheidung und die darauffolgenden Reaktionen an erster Stelle sämtlicher Nachrichtensendungen, sei es das Ringen der Bundes-CDU mit dem Thüringer Landesverband oder auch das Lavieren des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner. Aber klar, durch die Ankündigung von Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich die Situation deutlich verschärft. Tina Hassel richtet denn auch zu Beginn den Blick auf das, was aus ihrer Sicht wohl das Wichtigste ist: Wie die potentiellen AKK-Nachfolger Armin Laschet, Friedrich Merz, Jens Spahn oder CSU-Mann Markus Söder an diesem Tag rein gar nichts Neues sagen. Herrlich. Ein „Brennpunkt“, der mit einer Nicht-Meldung in Reinform beginnt.

          Personal- statt Sachfragen

          Im anschließenden Interview gewährt Annegret Kramp-Karrenbauer einen tiefen Einblick in das Innenleben der Partei: Die CDU habe durch die offene Kanzlerkandidatur seit langem eine ungeklärte Führungsfrage. Ein solcher Satz aus dem Mund der CDU-Parteivorsitzenden lässt aufhorchen – und sagt zugleich alles über ihre innerparteiliche Machtposition. Doch statt hier einzuhaken, um mehr über die Machtverhältnisse und die Zerrissenheit der Partei zu erfahren, fragt die Moderatorin lieber nach dem angekündigten Zeitplan und einem möglichen Rücktritt der Bundeskanzlerin. Es ist das Problem des gesamten Abends, dass sowohl Tina Hassel wie später auch Frank Plasberg sich mehr für Personal- denn für Sachfragen interessieren. Selbst wenn noch an diesem Abend einer der gerade angeführten Kandidaten den CDU-Vorsitz übernommen hätte, die grundlegenden Probleme der Partei würde das ganz sicher nicht lösen.

          Auch stellt sich die Frage, warum später Olaf Scholz von der SPD zum Zustand der CDU befragt wird. Das sei Sache der Union, die CDU müsse selbst entscheiden, ein Wechsel im Parteivorsitz bedeute nicht gleichzeitig das Ende der Koalition – alles Antworten, die doch zu erwarten waren. Spannend wäre es hingegen gewesen, hätte Tina Hassel ihr Schlussfazit – AKK habe mit ihrem Rücktritt eingestanden, zu schwach zu sein, um die Partei zu führen – im Interview als Frage direkt an Frau Kramp-Karrenbauer gestellt.

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