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Film mit Hannelore Elsner : Mein Gott, Walter

Spielt in „Club der einsamen Herzen“ eine ihrer letzten Rollen: Hannelore Elsner (1942 - 2019). Bild: ARD Degeto/Repro

In dem ARD-Film „Club der einsamen Herzen“ sehen wir Hannelore Elsner in einer ihrer letzten Rollen. Für sie, Jutta Speidel und Uschi Glas hätten wir uns hier eine würdige, romantische Komödie gewünscht. Es kommt anders.

          Einer der letzten Filme, in dem die so oft sehr großartige Hannelore Elsner, die am 21. April verstarb, mitgewirkt hat, ist der „Club der einsamen Herzen“. Das meint hier zweierlei: Erstens drei Verwitwete Frauen, einst Freundinnen – als kontrastierende Spice-Girls Übersetzung in etwa Gung-Ho Spice, Safety Spice und Old Spice –, die nach 45 Jahren wieder zusammenfinden. Zweitens meint es ihr Herzensprojekt: ein Tanzcafé, so richtig mit Tischtelefonen als Nostalgiefetisch, in dem sich besagte Herzen finden, anrufen und beim Schwoof näherkommen können.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Kiki (Hannelore Elsner), Helga (Jutta Speidel) und Maria (Uschi Glas) hatten ihr Tanzcafé „Düll“ schon in jungen Jahren eröffnen wollen, doch Kiki brannte mit Helgas Geld durch. Nun, vier Dekaden später, hat Helga ihren Mann Walter und Maria ihren Mann Paul verloren, während Kiki nach einer Karriere als „internationaler Schlagerstar“ nie verheiratet war. Sie verschlägt es in ihrem signalgrünen Wohnbus wieder in die Provinz, oder was man in der ARD dafür hält: die niederbayerische Kleinstadt Landshut, berühmt für ihr Mittelalter-Spektakel, die „Landshuter Hochzeit“. Von Hochzeit kann zunächst nicht die Rede sein. Maria sucht auf Beerdigungen zwar nach neuen Partnern, doch Helga hat den Tod Walthers und die Bevormundung durch ihre beiden Töchter noch nicht überwunden. Es muss – stets unterschwafelt von ohrenbetäubendem Fernseh-Bairisch – einiges passieren, bis die Freundinnen wieder zusammenfinden können und am Ende alle glücklich im Sinne des Sendeauftrags sind.

          Tja, und was soll man sagen, es passiert dann eben auch einiges: Ü30-Party, vermasselter Hochzeitsantrag, gesprengte Beerdigung, gesprengtes Date, Ein- und Ehebruch, halbherzig versuchter Selbstmord, Gang ins Kloster, Flucht aus dem Kloster, Wasserrohrbruch – so viel war in Landshut in den vergangenen sechzig Jahren nicht mehr los.

          Dabei sind die Versuche des Films (Regie Christine Hartmann, die mit Gerlinde Wolf auch für das Drehbuch verantwortlich ist), Themen, mit deren Umgang sich viele Produktionen merkwürdig schwertun – Liebe und Sex im Alter, der Umgang mit dem Tod oder die Frage, ob Beziehungen zwangsläufig zu Ende sind, wenn bestimmte Grenzen überschritten wurden, – zu verhandeln, ehrenwert. Wenn aber alle vielversprechend beginnenden Szenen mit ihren durchweg erfahrenen Schauspielerinnen in die Schluchten von Pointen stürzen müssen, bei denen allen, die nach 1920 geboren sind, der Spaß vergeht, dann wird es tragisch.

          Fast lässt sich das unerbittlich Höhe- und Tiefpunkte aneinanderreihende Fließband des Skripts durch die Fasern der Bilder sehen. Es wirkt, als seien die drei Damen fest daran gekettet. Sie müssen immer weiter, bis am Ende alles im Wohlgefallen versenkt wird. Stets lässt sich nur erahnen, was szenisch und spielerisch hätte werden können, bevor schon wieder jemandem die nächste Torte ins Gesicht fliegt. Da legst di’ nieder.

          Club der einsamen Herzen, heute, Samstag 8. Juni, um 20.15 Uhr im Ersten.

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