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Apples iPad : Das Zeitalter des PC ist zu Ende

  • -Aktualisiert am

Der Wissenschaftspublizist Nicholas Carr Bild: Edge.org

Seine Ankunft begleitete ein Wirbelsturm. Jetzt ist das Apple iPad da, und unabhängig von seinem Erfolg ist schon eines klar: Das iPad wird einen fundamentalen Wandel der Computernutzung bringen. Es ist der Eintritt in eine neue Ära.

          3 Min.

          Die Ära des Personalcomputers ist zu Ende gegangen, als Steve Jobs gestern in San Francisco die Bühne erklomm, um das iPad vorzustellen, Apples Version eines Tablet-Computers. Was den Moment zu einem epochalen machte war nicht so sehr der Apparat an sich - ein überdimensionierter iPod Touch, ausgerüstet mit einer E-Reader-Applikation und ein paar anderen neuen Besonderheiten -, sondern der Wirbelsturm, der seine Ankunft begleitete.

          Computer im Notizblock-Format sind seit rund einer Dekade in Umlauf, aber die Konsumenten haben sie stets gemieden. Sie wurden als absonderliche Schmutzfänger angesehen, in ihren Möglichkeiten beschränkt durch ihre unhandlichen Maße und die nicht vorhandene Tastatur. Tablet-Computer waren die Lösung für Probleme, die niemand hatte.

          Die begeisterte Reaktion auf Apples Tablet-PC - der Propagandarummel zu Steve Jobs' Verkündigung verwischte die Grenze zwischen Medienraserei und einem orgiastischen, heidnischen Ritual -, zeigt, wie sehr sich unsere Haltung zu diesem Computertyp verändert hat. Aber es enthüllt noch etwas viel Wichtigeres: einen fundamentalen Wandel der Computernutzung.

          Der Beginn einer neuen Ära?
          Der Beginn einer neuen Ära? : Bild: Apple

          Computer und Medien gehen ineinander auf

          Bis vor kurzem haben wir unsere Computer hauptsächlich benutzt, um Software-Programme laufen zu lassen, die auf unserer Festplatte installiert sind. Nun nutzen wir sie hauptsächlich, um uns mit den gewaltigen Datenbanken des Internets zu verbinden - mit „the Cloud“, wie die Geeks sagen. Und weil das Internet die traditionellen Produkte der Medien aufgesogen hat - Musik, Fernsehshows, Filme, Spiele, die gedruckte Welt -, haben wir begonnen, unsere Computer als multifunktionale Mediaplayer zu sehen. Sie haben all die Aufgaben zu erfüllen, die früher spezielle Technologien übernahmen - Fernseher, Stereoanlagen, Telefone, Zeitungen, Bücher. Und sie müssen eine Unzahl von Software-Applikationen zum Laufen bringen. Das Computer-Geschäft und das Mediengeschäft sind heute ein und dasselbe.

          Der Wandel in der Art und Weise, wie wir Computer benutzen, hat die Computer alter Schule zu Dinosauriern gemacht. Ein sperriger Bildschirm, der mit einer sperrigen Tastatur verbunden ist, passt nicht länger zu den Dingen, die wir mit unseren Computern machen wollen. Das Veralten des PCs hat die Nachfrage nach einer neuen Art von Gerät beschleunigt - tragbar, flexibel, immer verbunden -, das die Computernutzung in ganz neue Höhen befördert.

          Ideal für Dreihänder

          Mit anderen Worten: Auf einmal ist der Tablet-PC eine Lösung für ein Problem, das jeder hat. Oder wenigstens ist er eine mögliche Lösung. Der Markt für Computer wird nun überschwemmt mit vernetzbaren Geräten, von denen jedes eine lukrative Marktlücke zu füllen versucht. Es gibt Dutzende von Netbooks, den kleinen Vettern traditioneller Laptops, von Herstellern wie Acer und Asus. Es gibt E-Lesegeräte wie den Kindle von Amazon und den Nook von Barnes & Noble. Es gibt Smartphones wie das iPhone von Apple und Googles Nexus One. Es gibt Spielkonsolen wie die Wii von Nintendo und Microsofts X-Box. In gewisser Weise gestaltet sich die Nutzung von Computern wieder wie zu deren Anfangszeit, als der Markt aufgeteilt war zwischen vielen sich bekämpfenden Unternehmen, Betriebssystemen und technischen Standards.

          Aber wird es auch Erfolg haben? Das iPad ist auf keinen Fall eine sichere Wette. Es ist trotz allem immer noch eine ziemlich große und ziemlich schwere Tafel. Anders als ein iPod oder ein iPhone kann man es sich nicht in die Hosentasche oder in die Handtasche stecken. Es macht immer noch den Eindruck eines sperrigen Geräts. Das iPad wäre ideal für einen dreihändigen Menschen - zwei Hände, um es zu halten und eine weitere, um den Touchscreen zu bedienen - aber die meisten Menschen haben nun einmal leider nur ein Paar Hände. Und mit einem Preis, der bei 500 Dollar beginnt und bis zu 800 Dollar ansteigt, ist das iPad beträchtlich teurer als die all die Kindles und Notebooks, mit denen es konkurriert.

          Mautstelle im Datenverkehr

          Aber unabhängig davon, ob es nun allgemeinen Anklang findet oder nicht, ist das iPad immer noch das deutlichste Anzeichen, dass wir in eine neue Ära der Computertechnik eingetreten sind, in der Medien und Programme in der Internetwolke verschmolzen sind. Es ist kaum eine Überraschung, dass Apple - mehr noch als Microsoft, IBM oder sogar Google - die Bedingungen dieser neuen Ära definiert. Dank Steve Jobs, dieses unkonventionellen Geeks mit dem Gespür eines Impresarios, war Apple immer ebenso sehr Showbusiness wie Datenverarbeitung. Es betrachtet seine Produkte als Vorführungen und seine Kunden genauso als Zuschauer wie als Möchtegern-Künstler.

          Apple durchlebte seine dunkelsten Stunden in den frühen Neunzigern, als PCs ihren ursprünglichen Zauber verloren hatten und zu einem langweiligen Gebrauchsgegenstand wurden. Kunden stürzten sich auf die billigen, beigefarbenen Boxen von Dell. Bei der Arbeit mit dem Computer ging es nur um die Programme. Heute dreht sich alles ums Programmieren - der Wörter und Klänge und Bilder und Gespräche, die sich aus dem Internet auf unsere Bildschirme ergießen. Anders gesagt: Die Art, wie wir Computer nutzen, hat sich wieder dem Ideal angenähert, das Steve Jobs hatte, als er Apple gründete. Heute sind Jobs' Ambitionen größer als je zuvor. Sein vorrangiges Ziel ist es, sein Unternehmen als die Hauptverbindung - und Mautstelle - zwischen der Masse von Medien und dem vernetzten Computer zu etablieren.

          Jobs will keine glamourösen Dingsbums herstellen. Er will der Impresario aller Mediengattungen sein.

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