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Apple und das FBI : Wir sind umstellt von Trojanern

  • -Aktualisiert am

Die meisten Stalking-Opfer sind Frauen (Symbolbild). Bild: dpa

Wie sicher sind Bürger vor staatlichen Eingriffen auf ihre Computer und Handys? Der neue Bundestrojaner und der Fall Apple und FBI lassen Fragen offen, die seit Edward Snowdens Enthüllungen immer lauter gestellt werden.

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          Der Staat und seine Organe, vor allem Strafverfolger und Geheimdienste, erleben spätestens seit den Veröffentlichungen von Edward Snowden eine massive Vertrauenskrise. Die Enthüllungen ließen viele Menschen an der Kontrollierbarkeit und den Intentionen jener Organisationen zweifeln, deren Aufgabe die Sicherheit des Gemeinwesens sein soll.

          Eine tiefe Kluft im Verhältnis von Öffentlichkeit und Behörden wird sichtbar. Wenn es um Zugriffsrechte auf Daten, Kommunikationsinhalte und Geräte für polizeiliche und geheimdienstliche Zwecke geht, hat ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung das Vertrauen verloren, dass alles mit rechtsstaatlichen Mitteln und unter demokratischer Kontrolle zugeht – auf beiden Seiten des Atlantiks. Zwar vertraut die Mehrheit der Befragten prinzipiell noch immer den Behörden. Die Gruppe der Misstrauischen ist jedoch gewachsen und politisch und wirtschaftlich signifikant geworden – vor allem bei den Jüngeren. Wie tief die Kluft inzwischen geworden ist, wurde an zwei Vorgängen der letzten Tage in Deutschland und den Vereinigten Staaten deutlich.

          Beschränkung der Trojanerfunktion ist praktisch unmöglich

          Das Bundeskriminalamt hat nach Jahren fehlgeschlagener Entwicklung nun einen neuen Staatstrojaner fertiggestellt, der den vom Bundesverfassungsgericht gesetzten Normen entsprechen soll. Das Gericht hatte in seinem Urteil die letzte Version der behördlichen Schadsoftware für grundgesetzwidrig erklärt und ein neues Grundrecht etabliert, das dem Bürger Schutz vor staatlicher Infiltration seiner Geräte garantiert.

          Die Hürde für eine Einschränkung dieses Grundrechts ist hoch. Im Urteilstext gibt es lediglich eine wie ein Fremdkörper anmutende Einschränkung: Sie erleichtert die Zulassung solcher Trojaner, die ausschließlich dem Abhören von Kommunikation dienen. Eine Beschränkung der Trojanerfunktion zuverlässig und nachweisbar umzusetzen, gilt in der Informatikfachwelt jedoch als praktisch unmöglich. Der Chaos Computer Club hatte für die letzte Generation des Staatstrojaners nachgewiesen, dass genau diese Beschränkung nicht existierte, weil neue Überwachungsfunktionen auf dem einmal infizierten Rechner nachgeladen werden konnten. Die grundrechtswidrigen Code-Teile des Trojaners wurden in dieser Zeitung im Original abgedruckt. Außerdem zeigte die Analyse, dass Dritte den Trojaner aus der Ferne übernehmen konnten und die abgesaugten Daten über Server in den Vereinigten Staaten zum deutschen Landeskriminalamt liefen.

          Der sogenannte Staatstrojaner wurde 2011 in dieser Zeitung abgedruckt.

          Eine digitale Wanze zur Raumüberwachung

          Die Wahrscheinlichkeit, dass der neue BKA-Trojaner alle Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts erfüllt, wird in Fachkreisen als gering eingeschätzt. Ein Trojaner, der Telekommunikation „an der Quelle“ überwacht, bedeutet nichts anderes, als dass aus dem infiltrierten Gerät eine digitale Wanze zur Raumüberwachung wird. Die Ermittler versprechen lediglich, dass sie nur angeschaltet wird, wenn der Verdächtige telefoniert. Man wird sich in dieser Sache wohl in Karlsruhe wiedersehen.

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