https://www.faz.net/-gqz-84aph

Apples Nachrichten-App „News“ : Aus der unliebsamen Versenkung

Großer Auftritt: Eddy Cue, bei Apple für Internet-Software und -Services zuständig, auf der Entwicklerkonferenz in San Francisco Bild: AFP

Schön anzusehen sollen die Beiträge sein und nicht mehr so versteckt wie im unbeliebten iPhone-Zeitungskiosk „Newsstand“: Apple stellt eine neue Nachrichten-App vor. Die Konkurrenz gibt sich gelassen.

          2 Min.

          Mit ihrer Sammlung journalistischer Beiträge aus verschiedensten Quellen erinnert die neue App „News“ an Flipboard, zieht aber zur Auswahl der Inhalte nicht die sozialen Netzwerke von Facebook und Twitter heran. Und mit der Entscheidung, die Beiträge direkt in der App zu öffnen und nicht zu den Online-Angeboten der Anbieter weiterzuleiten, erinnert sie nicht nur an Facebooks „Paper“, sondern auch an das jüngste Angebot des Riesen aus Menlo Park namens „Instant Articles“. Sie will aber den Medien in speziellen publisher channels die Möglichkeit geben, als Marke sichtbar zu bleiben.

          Die App wurde auf der Entwicklerkonferenz von Apple am Montag als ein Projekt unter vielen vorgestellt, zwischen den Neuerungen bei Betriebs- und Bezahlsystemen und den Streaming-Diensten für Musik. Für den Journalismus spielt sie eine größere Rolle, soll sie doch den unbeliebten Newsstand ablösen, eine auf iPhones und iPads vorinstallierte App, die seit 2012 die Nachrichten-Angebote übersichtlich versammelt - und damit nicht mehr direkt neben all den anderen Apps des Nutzers anzeigt.

          Neugierig machen auf mehr

          Bei News sollen die einzelnen Beiträge aufs Schönste präsentiert werden können – mit Bildern und Bildergalerien, mit Audios, Videos, Karten und Animationen. Im einen Bereich werden die Themen und Channels angezeigt, für die sich der einzelnen Nutzer besonders interessiert, im anderen Beiträge, die zu seinen bisherigen Interessen passen. Die App beobachtet ihren Nutzer genau und stellt sich mit ihrer Auswahl auf ihn ein – ohne allerdings, wie der Apple-Manager Eddy Cue betont, diese Daten weiterzugeben. Fast zwanzig Medienhäuser mit über fünfzig Titeln sind zum Start des Angebots dabei, darunter die „New York Times“, Condé Nast, CNN und der „Economist“.

          Dort verspricht man sich von der neuen Kooperation keinen finanziellen Gewinn, auch wenn alle Anzeigenerlöse bei den Medienhäusern verbleiben und Apple lediglich dann 30 Prozent der Erlöse behält, wenn das Unternehmen den Verkauf der Werbung übernommen oder der Nutzer sich für ein Abonnement entschieden hat. „Wir hoffen, dass es Leute auf die Idee bringt, unsere App auszuprobieren und unsere Website zu besuchen“, sagt „Economist“-Redakteur Tom Standage der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die größte Herausforderung für das Magazin sei, Leute zu erreichen, die den „Economist“ eigentlich lesen sollten, aber bislang dächten, er sei nichts für sie.

          In der Ein-Mann-Filter-Bubble

          Bei Flipboard nimmt man die neue Konkurrenz gelassen: „Wir haben gesehen, wie Google etwas entwickelt hat, von dem man dachte, es sei ein Flipboard-Killer, wir haben das bei Facebook mit Facebook Paper gesehen, bei Yahoo und jetzt bei Apple“, kommentierte Flipboard-Chef Mike McCue noch während der Präsentation. „Wir haben eine enge Partnerschaft mit Apple, wir wussten schon eine Zeitlang davon. Und wir haben über eine Reihe möglicher Projekte gesprochen, die wir künftig miteinander umsetzen könnten.“

          Dass sich Apple News anders als Flipboard auf die Interessen der einzelnen Nutzer konzentriert, statt auch aus den Fundstücken ihrer Kontakte Vorschläge abzuleiten, könnte die Attraktivität des Angebots indes einschränken: Wenn der einzelne Leser das einzige Auswahlkriterium bleibt, werden in der Ein-Mann-Filter-Bubble Überraschungen rar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zur Verteidigung gegen China bereit: Taiwans Präsidentin  Tsai Ing-wen bei einer Militärübung.

          Chinas Konflikt mit Amerika : Nach Hongkong jetzt Taiwan?

          Auch die militärischen Spannungen zwischen China und Amerika nehmen gefährlich zu. Ein gewaltsamer Konflikt der beiden Supermächte im südchinesischen Meer scheint nicht mehr ausgeschlossen.

          Neuer und Flick mahnen : Die gefährliche Lage beim FC Bayern

          Vor den entscheidenden Spielen in der Champions League herrscht beim FC Bayern große Zuversicht. Doch es gibt auch kritische Töne. Torhüter Manuel Neuer äußert sich derweil zu seinem umstrittenen Urlaubsvideo.
          Demo am 1. August in Berlin

          „Querdenken 711“ : Und wieder die Politiker!

          Eine Initiative peitscht Bürger in der Corona-Pandemie auf, um sie zu ihren Demos zu locken. Doch angebliche Belege sind gefälscht, Fotos aus dem Zusammenhang gerissen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.