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Appell an Bundesregierung : Deutschland soll verfolgte Afghanen aufnehmen

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Von den Taliban zur Vollverschleierung gezwungen: die Moderatorin Khatereh Ahmadi vom Sender Tolo News. Bild: dpa

Afghanische Exiljournalistinnen und die Organisation Reporter ohne Grenzen fordern Bund und Länder auf, mehr für bedrohte und geflüchtete Pressemitarbeiter zu tun. Es geschehe zu wenig.

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          Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) und Exiljournalistinnen fordern eine zügige Aufnahme und Unterstützung für Medienschaffende aus Afghanistan. Die Bundesregierung müsse sofort handeln, sagte der ROG-Geschäftsführer Christian Mihr in Berlin. Es gebe Menschen, die jetzt Hilfe brauchen und nicht auf den Start eines Aufnahmeprogramms warten könnten. Härtefälle würden zurzeit jedoch nicht bearbeitet. Dabei drohe Betroffenen, deren Visum in einem dritten Land ablaufe, bei ihrer Rückkehr nach Afghanistan Haft. Mihr verlangte verschiedene Zugangswege nach Deutschland. Die Bundesländer müssten Aufnahmeprogramme schaffen. Dessen ungeachtet sollten Härtefälle schnell bearbeitet und der Nachzug von Angehörigen ermöglicht werden. Bislang unbearbeitete Härtefälle sollten nicht auf mögliche Aufnahmeprogramme angerechnet werden.

          Die Taliban verfolgten Medienschaffende immer brutaler, sagte Mihr. Seit dieser Woche müssen Journalistinnen auch im Fernsehen zwangsweise ihr Gesicht verhüllen (F.A.Z. vom 24. Mai). Viele hätten die Arbeit längst eingestellt, seien auf der Flucht oder harrten aus Angst vor Repression in Verstecken aus.

          Im ländlichen Raum keine Presse mehr

          Die 2016 nach Deutschland geflüchtete und heute für die Deutsche Welle tätige afghanische Journalistin Shakila Ebrahimkhil sagte, insbesondere die Lage für Journalistinnen habe sich verschlechtert. Die meisten würden aus dem Beruf gedrängt. Journalisten könnten generell nicht mehr frei berichten. Im ländlichen Raum gebe es im Prinzip keine Presse mehr. Die Journalistin Mobina Sai, die mit Hilfe von ROG nach Deutschland geflüchtet ist, sagte, man habe die afghanische Regierung und die internationale Gemeinschaft in der Vergangenheit immer wieder vor den Taliban gewarnt. Alle Errungenschaften hätten inzwischen wieder aufgegeben werden müssen, sagte die ehemalige Leiterin des Senders Radio Rabia Balkhi. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegt Afghanistan Platz 156 von 180.

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