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ARD und ZDF im Netz : Zum Plündern freigegeben

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Alle Filme, alle Dokus, alle Reportagen, für immer: So haben es ARD und ZDF gern. Bild: obs

Die Ministerpräsidenten beraten zum „Telemedienauftrag“ von ARD und ZDF. Die Sender wollen Programme online unbegrenzt vorhalten. Unabhängige Produzenten werden enteignet. Die Politik muss das stoppen. Ein Gastbeitrag.

          Nehmen wir mal an, das Brötchen kostet dreißig Cent, Sie bezahlen aber nur zehn und essen es komplett auf. Wenn der Bäcker sich darüber beschwert, verweisen Sie ihn einfach auf die Krümel, die am Boden liegen. Die kann er ja zusammenfegen und an andere Kunden verkaufen.

          So etwas würden Sie nie machen? Das ehrt Sie! Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland hat da weniger Skrupel. Denn genau so behandeln ARD und ZDF seit Jahren die Dokumentarfilmschaffenden in diesem Land. Zwei Drittel der dokumentarischen Programme, die deutsche Fernsehzuschauer auf öffentlich-rechtlichen Kanälen zu sehen bekommen, werden von den Sendern nämlich nicht voll finanziert. Fast immer tragen die Produktionsfirmen und oft genug auch die Kreativen hinter der Kamera mit eigenem Geld und unbezahlter Arbeit dazu bei, dass solche Filme überhaupt entstehen können. Häufig stemmen sie auf diese Weise sogar mehr als die Hälfte des Budgets. Oder, anders gesagt: das reichste Fernsehsystem der Welt lässt sich von der freien Produktionswirtschaft subventionieren. Selbst bei sogenannten „voll finanzierten Auftragsproduktionen“ klafft in aller Regel noch eine Finanzierungslücke, weil die öffentlich-rechtlichen Auftraggeber längst nicht alle tatsächlich anfallenden Kosten anerkennen. Von der grundsätzlich miserablen Bezahlung für Buch und Regie dokumentarischer Fernsehproduktionen einmal ganz zu schweigen. Eine Aufforderung zur Neuverhandlung der Erstvergütungen liegt der ARD seit mehr als einem Jahr auf dem Tisch – bis jetzt ohne Reaktion.

          Budget von neun Milliarden

          Wie so etwas überhaupt möglich ist, obwohl die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (Kef) doch davon ausgeht, dass ARD und ZDF mit dem festgesetzten Rundfunkbeitrag in der Lage sein müssten, ihren staatsvertraglich festgeschriebenen Programmauftrag kostendeckend zu erfüllen, bleibt ein Rätsel. Denn bei einem Gesamtbudget von neun Milliarden Euro im Jahr – acht davon allein aus dem Rundfunkbeitrag – müsste ja eigentlich genug Geld zur Finanzierung dieser tragenden Säule des öffentlich-rechtlichen Programmprofils vorhanden sein. Wenn – ja, wenn man nicht immer wieder erhebliche Summen den Fifas, Uefas und anderen zukommen ließe und die hohe Pensionslasten für Intendanten und Direktoren nicht wären.

          Was die Sender tatsächlich mit ihrem vielen Geld anstellen, darf selbst die Kef nur eingeschränkt kontrollieren und den Beitragszahlern bleibt es erst recht verborgen. So erstaunt es nicht, dass sich in der Bevölkerung die irrige Überzeugung verfestigt hat, das Fernsehprogramm werde in vollem Umfang von uns, den Bürgern und Beitragszahlern finanziert. Das stimmt zumindest für einen großen Teil der Dokumentarfilmproduktion nicht, aber die Sender haben kein Interesse, diese Fehlinformation aus der Welt zu schaffen. Lieber nähren sie das hartnäckigste Missverständnis der aktuellen Medienpolitik: Weil das Programm öffentlich bezahlt sei, könne, ja müsse man es in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken auch unbegrenzt zugänglich machen: territorial (was die Sender erst unlängst mit heftiger Unterstützung deutscher SPD-Europaabgeordneter auf EU-Ebene durchzudrücken versuchten) und zeitlich – mit Hilfe der Ministerpräsidentenkonferenz, die seit geraumer Zeit an einer Neufassung des „Telemedienauftrags“ mit weitgreifenden Freibriefen für die Sender strickt.

          Nur einmal antippen, und das Programm läuft.

          Im Windschatten des Disputs über presseähnliche Angebote wird die deutsche Produzenten-Szene verkauft. Nein, nicht verkauft, sondern verschenkt! Denn eine zusätzliche Vergütung für die Mediathekennutzung gab es von Anfang an nicht. Und immer traf es die ohnehin chronisch unterfinanzierten Dokumentarfilme und Dokumentationen am härtesten: Zeitgeschichtliche und kulturelle Sendungen dürfen besonders lange in den Mediatheken „verweilen“.

          Dokumentarfilmer gehen leer aus

          Die unabhängige Film- und Fernsehproduktion gerät dadurch in eine existenzbedrohende Lage. Man muss kein diplomierter Betriebswirt sein, um zu erkennen, dass hier in der populistischen Hoffnung auf Beifall der Mediennutzer und Beitragszahler das Geschäftsmodell einer ganzen Branche vor die Wand gefahren wird. Wie sollen Produktionsfirmen, die Fernsehfilme aus eigener Tasche mitfinanzieren, ihr investiertes Geld jemals zurückbekommen, wenn ihnen die interessanteste Einnahmemöglichkeit – das Online-Geschäft – verbaut wird? Kein Mensch kauft doch einen Film, der einen Mausklick weiter dauerhaft und kostenlos in einer öffentlich-rechtlichen Mediathek abgerufen werden kann. Wie war das doch gleich mit unserem Bäcker? Erst zwinge ich ihn, mir das Dreißig-Cent-Brötchen für zehn Cent zu überlassen, dann esse ich es vor seinen Augen auf.

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