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App für Gesichtserkennung : „Seien Sie kein Fremder!“

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Wer Hannelore Kraft begegnet, kennt sie für gewöhnlich. Bald kann ihre Brille erkennen, welcher Bürger ihr gegenübersteht. Bild: dpa

Die erste App für Gesichtserkennung per Smartphones und Datenbrillen ist da, selbst Google hatte Bedenken. Beworben wird sie mit einem Appell gegen Privatsphäre.

          „Seien Sie kein Fremder. Verbinden sie ihre persönlichen Daten mit dem einzigartigsten Merkmal, das Sie haben – ihrem Gesicht.“ Dieser Werbespruch ist als Provokation zu lesen, er dient dem Unternehmen „Facial Network“ der Vermarktung der wohl ersten Gesichtserkennungs-App für Googles Datenbrille, die ebenso per Smartphone funktionieren soll. Google selbst zeigte früh Problembewusstsein. Eine Woche, bevor mit Edward Snowdens Hongkong-Interview im Juni 2013 die Spähaffäre begann, gab Google bekannt: „Wir haben die Diskussionen verfolgt. Wir werden zu diesem Zeitpunkt keine Gesichtserkennungs-Apps für unsere Geräte zulassen.“ Das Unternehmen hat es sich seitdem nicht anders überlegt. Nun kommt die App aber offenbar trotzdem, wenn auch vorerst nicht auf einfachem Weg im Googles Play-Store.

          Dass technisch ohnehin nichts mehr gegen diese Apps spricht, beweist Google allerdings selbst – an der Seite der Konkurrenten Apple und Facebook. Gesichtserkennung gehört seit Jahren zu den Vorzügen der kostenlosen Programme, mit denen die Unternehmen es ihren Nutzern erleichtern, Ordnung ins heimische Bilderchaos zu bringen. „Google Picasa“ beispielsweise fragt ein paar Mal nach, welches Familienmitglied sich auf einem Bild befindet. Danach findet es die genannte Person auf allen anderen Bildern automatisch. Ganz ähnlich funktioniert die Software der anderen Anbieter.

          Es ist nur ein kleiner Schritt, diese biometrischen Daten von heimischen Rechnern in eine gemeinsame Datenbank einzupflegen und so jedes nur einmal erkannte Gesicht überall bekannt zu machen. Diesen Weg will „Facial Network“ nun gehen. Eine der ersten verfügbaren Datenbanken, die das Unternehmen nutzte, ist das staatliche Register amerikanischer Sexualstraftäter mit 450.000 Einträgen. „Ich glaube, soziale Kontakte werden viel sicherer sein, wir werden besser verstehen, von wem wir umgeben sind“, sagt passend dazu der Leiter des Entwicklerteams, Kevin Tussy.

          „Das ist beängstigend, um ehrlich zu sein“

          Auf der Webseite des Unternehmens lässt sich in einem Video sehen, dass die Software derzeit noch rund 15 Sekunden braucht, um zu einem Gesicht aus 2,5 Millionen Datensätzen den richtigen Namen herauszusuchen. Nur die Hardware zeigt noch Schwächen. Der Akku einer Datenbrille Googles hält derzeit weniger als zwei Stunden, wenn die Kamera durchgehend eingeschaltet ist und das Bild zur Analyse ins Internet übertragen wird. Diese Erfahrung schilderte Stephen Balaban zum Jahresende auf dem Chaos Communication Congress. Der amerikanische Softwareentwickler, der ebenfalls zur Gesichtserkennung forscht, baute sich daher eine Datenmütze, in der er mehr Elektronik verstauen konnte.

          Mit dieser habe er schließlich über 16 Stunden „alle paar Sekunden“ ein Bild machen und seinen Tag lückenlos dokumentieren können. Sein Fazit fiel drastisch aus: „Das ist beängstigend, um ehrlich zu sein. Als ich die Daten das erste Mal sah, dachte ich: Oh Gott, was habe ich getan?“ Was er genau meinte, darüber sprach er nicht. Sieht man, mit welchen Mitteln staatliche Institutionen insbesondere in Europa diese Forschung fördern, lässt sich aber erahnen, was er meinte.

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