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Antisemitismus bei Deutscher Welle : Bis zur Leugnung des Holocaust

Das Gutachten zu den Antisemitismus-Vorwürfen gegen Mitarbeiter und Partnersender der Deutschen Welle fördert Gravierendes zutage. Bild: dpa

Die Deutsche Welle hat den Vorwurf untersuchen lassen, Mitarbeiter und Partnerkanäle verbreiteten Antisemitismus. Der Befund fällt gravierend aus: Der Sender hat ein Problem. Es gibt erste Kündigungen.

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          Die externe Untersuchung, welche die Deutsche Welle (DW) zu Vorwürfen von Antisemitismus bei Mitarbeitern und Partnersender in Auftrag gegeben hat, kommt zu einem außerordentlich kritischen Ergebnis. Sie bestätigt die Anschuldigungen, die in Artikeln der „Süddeutschen Zeitung“ und des Magazins „Vice“ erhoben wurden und geht noch darüber hinaus: Nicht nur bei fünf – namentlich nicht genannten – Mitarbeitern der Deutschen Welle, von denen in der Presse die Rede war, seien antisemitische Äußerungen nachweisbar, dies gelte auch für acht weitere. Die Suspendierung der fünf zunächst belasteten Mitarbeiter sei gerechtfertigt, bei den acht weiteren gelte es, „den Vorwürfen gründlich nachzugehen“ und „mögliche Konsequenzen zu prüfen, um weiteren Schaden von der DW abzuwenden“.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Im Falle der wegen antisemitischer Darstellungsweisen kritisierten Partnersender der Deutschen Welle lautet die Empfehlung, die Partnerschaft mit Ma’an News Palestine und der Palestinian Broadcasting Corporation (PBC) zu beenden. Im Fall des jordanischen Senders Roya TV rate man, „in den Dialog zu treten und eine Zusammenarbeit nur unter der Bedingung neu einzugehen, wenn die antisemitischen Karikaturen gelöscht werden und für die Berichterstattung vertraglich versichert wird, dass künftig keine antisemitischen Inhalte mehr vermittelt werden“. Der in der Presse wegen Nähe zur Hisbollah kritisierte libanesische Sender Al Jadeed habe indes „in den letzten Jahren eine deutlich kritischere Haltung zur Hisbollah entwickelt“. Eine Zusammenarbeit könne „in Betracht kommen, wenn für die Berichterstattung vertraglich versichert wird, dass es künftig keine antisemitischen Inhalte mehr geben wird“.

          Fünf „Trennungsverfahren“

          Ausgesprochen kritisch sieht der Untersuchungsbericht auch das Wirken der Deutschen Welle Akademie im Verbund mit Partnerorganisationen im Mittleren Osten. Auch hier fänden sich zahlreiche Beispiele für Antisemitismus und bestehe Handlungsbedarf. Partner der DW Akademie hätten „wiederholt antisemitische oder einseitig tendenziöse Inhalte über ihre Kanäle verbreitet“. Da es für die DW Akademie „finanzielle, logistische und inhaltliche Unterstützung“ gebe, müsse sie „alles tun, um tendenziöse oder antisemitische Inhalte zu verhindern“.

          Der Intendant der Deutsche Welle, Peter Limbourg.
          Der Intendant der Deutsche Welle, Peter Limbourg. : Bild: picture alliance / SvenSimon

          Der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, sagte bei der Vorstellung des Prüfberichts am Montagnachmittag, man habe in fünf Fällen ein Trennungsverfahren eingeleitet. Die acht Verdachtsfälle und drei weitere, auf die man selbst aufmerksam geworden sei, werde man umfassend prüfen. Einer der benannten Mitarbeiter sei inzwischen nicht mehr im Sender beschäftigt. Man wolle „in Kürze Klarheit schaffen“, sagte Limbourg, und die Betroffenen anhören. In einem Fall müsse man einräumen, dass man konsequenter hätte handeln und eine sofortige Trennung einleiten müssen. Ein Redaktionsleiter habe seinen Rücktritt angeboten, diesen hätten die Programmdirektorin und er angenommen. Man werde den hauseigenen Code of Conduct schärfen, diesen in einer eigenen Erklärung den Geschäftspartnern nahebringen und die Regeln für „wertebasiertes Recruiting“ formulieren. Antisemitismus, Rassismus, Homophobie und Frauenhass seien ganz klare Ausschlusskriterien für eine Mitarbeit bei der Deutschen Welle.

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