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Anti-Lanz-Petition : „Er soll alle gleich behandeln“

  • Aktualisiert am

233.355 Zeichner waren es am Ende: Endstand von Maren Müllers Petition „Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag“ auf openpetition.de Bild: Screenshot / openpetition.de

Maren Müller hat die Petition gegen Markus Lanz angezettelt und nun die Zeichnungsfrist vorzeitig beendet. Der Zulauf ist riesig, die Kritik auch. Was folgt nun? Was hält man beim MDR, für den sie gerade arbeitet, davon? Das verrät Maren Müller auf FAZ.NET.

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          Vor rund zwei Wochen haben Sie die Petition „Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr“ online gestellt. Jetzt haben Sie die Zeichnungsfrist vorzeitig beendet. Warum?

          Nach meiner täglichen Arbeit hatte ich hunderte von Mails zu beantworten, Interviews zu führen und war diversen anonymen Angriffen ausgesetzt. Die Anzahl der Mitzeichnerinnen und Mitzeichner entspricht der Einwohnerzahl einer größeren Stadt. Um bei dieser Größenordnung angemessen kommunizieren zu können, auf die Statements von Unterstützern einzugehen und auch die Netiquette konsequent durchzusetzen hätte ich ein komplettes Team gebraucht. Herr Lanz hat sich inzwischen bei Frau Wagenknecht entschuldigt und auch der Sender wird sich ernsthaft mit der erstmalig gebündelten und klar adressierten Beschwerde auseinandersetzen müssen. Insofern können wir gemeinsam – sowohl Mitzeichnerinnen und Mitzeichner als auch Presse – von einem einmaligen Erfolg sprechen.

          Wie viele Unterzeichner sind es jetzt genau? Wie viele sind es namentlich, wie viele anonym? Haben Sie mit derartigem Zulauf gerechnet?

          Es sind 233.355 Stimmen zusammengekommen. Anonyme Stimmen gibt es nicht, lediglich „nicht öffentliche“. Alle Mitzeichnerinnen und Mitzeichner haben ihre individuellen Angaben gemacht, die bei der Teilnahme an Petitionen zu einem Bestätigungslink führen. Innerhalb der Petitionsverwaltung sieht man die Angaben natürlich. In den Kommentarspalten der Internetforen und der Presse ist es oft üblich, Nicknames zu verwenden. Sie kennen das und kritisieren es nicht. Mit dieser riesigen Beteiligung hätte ich natürlich nicht gerechnet - mein Dank gilt an dieser Stelle den Multiplikatoren bei den überregionalen Medien.

          „Vielleicht sollte Lanz in seiner Talkshow ganz auf PolitikerInnen verzichten“, sagt die Initiatorin der Petition Marion Müller

          In Ihrem Petitions-Blog wehren Sie sich gegen Kritik, die es an Ihrer Petition gegeben hat. Sie schreiben von der „Journaille“ und einem „Empörungs-Tsunami“. Aber mal im Ernst: Sie fordern, dass Markus Lanz beim ZDF rausfliegt. Da dürfen Sie sich über einen heftigen Schlagabtausch doch nicht wundern.

          Ich wehre mich nicht, ich kommentiere lediglich das Geschehen. Das Netz vergisst nichts, auch nicht die Berichterstattung der Medien über diverse Leistungen von Herrn Lanz. Ich habe nichts anderes gefordert als Medienvertreter es schon seit geraumer Zeit tun. Stellvertretend für die medialen Reklamationen sei der Beitrag von Jörg Michael Seewald in der F.A.Z. erwähnt. Wenn es zu einem Schlagabtausch mit Herrn Lanz oder dem ZDF gekommen wäre, dann wäre das meiner Ansicht nach gerechtfertigt. Aber einen Aufschrei der versammelten Presselandschaft, weil jemand aus dem „Fußvolk“ ähnliche Kritik zu äußern wagte wie die Medienvertreter höchstselbst, halte ich dann doch für reichlich bigott. Ich verweise an dieser Stelle gern auf die durchaus nützlichen Internetsuchmaschinen.

          Auslöser Ihrer Petition war das verkorkste Gespräch, das Markus Lanz mit Sarah Wagenknecht geführt hat. Sie waren selbst in der Linkspartei. Wäre Ihnen Lanzens seltsamer Fragestil auch bei einer anderen Gelegenheit, einem anderen Gast derart aufgestoßen?

          Es stieß mir bereits beim Interview mit Dirk Müller auf, der ja bekanntlich alles andere als ein Linker ist. Einen Mann wie Dirk Müller vor einem Millionenpublikum als Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen, kommt schon fast einer Rufschädigung gleich. Lanzens seltsamer Fragestil stößt mir in der Tat auch bei anderen Gelegenheiten auf, zum Beispiel wenn er zur Schleimoffensive gegenüber Leuten seiner eigenen politischen Grundhaltung ausholt.

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