https://www.faz.net/-gqz-90c5g

Die Ära Scaramucci : Gebt mir zehn Tage!

Niemand legt sich mit „The Mooch“ an: Donald Trumps Kommunikationschef, Anthony Scaramucci, versprach „alle zu feuern“. Er machte seinen Job besser als gedacht. Bild: Reuters

Er kam, schimpfte und ging: Was Donald Trumps Kommunikationschef Anthony Scaramucci in seiner kurzen Amtszeit alles erreicht hat – eine Chronologie.

          • Freitag, 21. Juli, Tag 1: Anthony Scaramucci ist gut gelaunt. Er verteilt Luftküsse. „The Mooch“ („der Bettler“) hat Großes erreicht. Noch im Jahr 2015 hatte er auf dem Wirtschaftsnachrichtensender „Fox Business Network“ über den „Anti-Amerikaner“ Donald Trump geschimpft. Jetzt hat ihn derselbe Anti-Amerikaner zu seinem Kommunikationschef gemacht. Neben dem Stabschef Reince Priebus mag auch Sean Spicer den Neuen nicht. Er schmeißt seinen Job als Pressesprecher noch am selben Tag hin.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          • Samstag, 22. Juli, Tag 2: Anthony Scaramucci muss erst einmal seinen Twitter-Account aufräumen. Er löscht alte Tweets, die nicht so gut zu seiner neuen Position passen. Stattdessen schreibt er: „Volle Transparenz: Ich lösche alte Tweets. Alte Ansichten haben sich weiterentwickelt und sollten nicht aus dem Konzept bringen. Ich diene der @POTUS-Agenda, und das ist alles, was zählt.“

          • Sonntag, 23. Juli, Tag 3: Am Sonntag ist Zeit genug, sich in seinem neuen Umfeld beliebt zu machen: Scaramucci kündigt in einem CBS-Interview an, all jene Mitarbeiter zu feuern, die Informationen an Medien weitergeben. Das sei schließlich „unamerikanisch“. Ein Mitarbeiter hatte der „Wahington Post“ verraten, dass Trump darüber nachgedacht hatte, ob er sich – falls ihm die Russland-Affäre doch noch gefährlich wird – gleich selbst begnadigen kann.

          Es sollte aufwärts gehen, stattdessen ging er: Anthony Scaramucci während seiner ersten Pressekonferenz.

          • Montag, 24. Juli, Tag 4: Nachdem Anthony Scaramucci viel Energie in sein Make-up und seine Haare investiert hat, will er selbstverständlich auch gesehen werden. Er sorgt dafür, dass die Kameras während der Pressekonferenzen im Weißen Haus wieder eingeschaltet sind. Der ehemalige Sprecher Sean Spicer hatte sich Kameraaufnahmen zuvor verbeten. Zur Belohnung darf Scaramucci am nächsten Tag an Bord der „Air Force One“.

          • Dienstag, 25. Juli, Tag 5: Zeit, den markigen Worten Taten folgen zu lassen. Köpfe sollen rollen. Anthony Scaramucci will Michael Short, den Assistenten des demissionierten Sean Spicer, während des Morgen-Meetings feuern. Dummerweise hat er das zuvor schon der Online-Zeitung „Politico“ verraten. So erfährt auch Short davon und reicht seine Kündigung ein – vor dem Meeting.

          • Mittwoch, 26. Juli, Tag 6: Jetzt noch mal mit Humor: „Sarah Sanders gibt auf dem Podium ihr Bestes! Haar und Make-up gehen auf mich, solange Du nicht mein ganzes Haarspray aufbrauchst!“, twittert Scaramucci über die neue Sprecherin des amerikanischen Präsidenten. Dann ist Schluss mit lustig: Nachdem „Politico“ einen Teil seiner Verdienste als Teilhaber der Firma SkyBridge Capital veröffentlicht hat, twittert er, er werde seinem Widersacher, dem Stabschef Reince Priebus, das FBI auf den Hals hetzen. Den Tweet löscht er später. Dann ruft Scaramucci den Washington-Korrespondenten des „New Yorker“, Ryan Lizza, an.

          • Donnerstag, 27. Juli, Tag 7: Ryan Lizza hat alles aufgeschrieben und es umgehend veröffentlicht: Demnach vermutet Scaramucci, dass sich Stabschef Priebus und Trumps einstiger Chefstratege Steve Bannon gegen ihn verschworen haben. Er qualifiziert die beiden auf schwerlich zu zitierende Weise. „Schizophren“ ist eine der harmloseren Zuschreibungen.

          Ein Typ zum Knutschen: Anthony Scaramucci wirft Kusshände in die Menge der versammelten Reporter auf der Pressekonferenz des weißen Hauses.

          • Freitag, 28. Juli, Tag 8: „Manchmal“, twittert Scaramucci, „gebrauche ich blumige Sprache. Ich werde mich in dieser Arena zurückhalten, aber nicht den leidenschaftlichen Kampf für Donald Trumps Programm aufgeben.“ Er habe einen Fehler gemacht, da er einem Reporter vertraut habe, ergänzt er später.

          • Samstag, 29. Juli, Tag 9: Sieg und Niederlage liegen schon jetzt sehr eng beieinander: Scaramucci triumphiert über Reince Priebus. Trump entlässt diesen per Tweet. Kurze Zeit später, wird bekannt, dass sich Scaramuccis Frau Deirdre Ball von ihm scheiden lässt.

          • Sonntag, 30. Juli, letzter Tag: Wieder irgendwas auf Twitter. Das ist jetzt ohnehin egal. Denn binnen 24 Stunden wird Donald Trump twittern „Phantastischer Tag im Weißen Haus!“ Danach wird er Anthony Scaramucci seines Amtes entheben. Amerika fiebert: Kommt Sean Spicer zurück?

          Weitere Themen

          „Post von Karlheinz“ als Hörbuch Video-Seite öffnen

          Hörprobe : „Post von Karlheinz“ als Hörbuch

          Die Nachrichten, die die Schauspieler Bjarne Mädel, Cathlen Gawlich und Bernhard Schütz für dieses Hörbuch vorlesen müssen, liegen außerhalb der Vorstellungskraft anständiger Menschen.

          Ein Wiener Anwalt und seine Mandanten

          Wer drehte das Ibiza-Video? : Ein Wiener Anwalt und seine Mandanten

          Das heimlich aufgenommene Video, das die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus die Karriere kostete und Österreichs Regierung zu Fall brachte, läuft inzwischen unter dem Rubrum „Ibiza-Gate“. Die Hinweise auf Mittelsmänner verdichten sich.

          Tarantino stellt neuen Film vor Video-Seite öffnen

          Mit Hollywood-Stars besetzt : Tarantino stellt neuen Film vor

          Kult-Regisseur Quentin Tarantino präsentiert seinen neuen Film "Once Upon a Time in Hollywood" beim Filmfestival in Cannes. In den Hauptrollen sind Brad Pitt, Leonardo DiCaprio und Margot Robbie zu sehen. Im deutschsprachigen Raum läuft der Film ab Mitte August in den Kinos.

          Topmeldungen

          Wer drehte das Ibiza-Video? : Ein Wiener Anwalt und seine Mandanten

          Das heimlich aufgenommene Video, das die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus die Karriere kostete und Österreichs Regierung zu Fall brachte, läuft inzwischen unter dem Rubrum „Ibiza-Gate“. Die Hinweise auf Mittelsmänner verdichten sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.