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Anonymous im Niedergang : Die Maskerade ist vorbei

  • -Aktualisiert am

An den Nagel gehängt: Mancher ehemalige Anonymous-Anhänger hat sich von seinem Erkennungsmerkmal, der Guy Fawkes-Maske, getrennt Bild: AFP

Sie waren als Webguerrilla gefürchtet, jetzt sind sie abgetaucht. Was ist eigentlich aus der „Anonymous“-Bewegung geworden?

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          Gerade mal ein Prozent von Snowdens Dokumenten seien bislang veröffentlicht worden, sagte der „Guardian“-Chefredakteur Alan Rusbridger vor einiger Zeit. Wahrscheinlich geht es noch eine Weile so weiter: neue Enthüllungen, Petitionen, Rufe nach alternativen Netzstrukturen. Gipfelnd in dem Aufruf von 560 internationalen Schriftstellern, „Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter“.

          Das Erstaunlichste ist: wie geduldig alle diesen Aufklärungsprozess mitmachen, der sich von den üblichen Aufmerksamkeitszyklen löst. Da wäre es doch eigentlich längst an der Zeit für ein Lebenszeichen jener Fraktion, die sich als Schutzmacht des freien Netzes versteht und zum Inbegriff des digitalen Aktionismus wurde: „Anonymous“. Wo bleiben die Hackerangriffe und digitalen Protestaktionen der weißen Masken mit dem breiten Grinsen? Die Guy-Fawkes-Maske aus dem Film „V wie Vendetta“ ist zwar zum Symbol einer globalen Protestkultur avanciert, doch in ihrer digitalen Heimat ist es still geworden um „Anonymous“.

          Es sollte ein Angebot für alle sein

          Es ist gerade einmal drei Jahre her, dass sich die Netzguerrilla ins Licht einer breiten Öffentlichkeit katapultiert hatte. Wikileaks veröffentlichte das „Collateral Murder“-Video. Der Bezahldienst PayPal und die Kreditkarten-Unternehmen Visa und Mastercard blockierten die Zahlung von Spendengeldern. In zahlreichen Videos in Matrix-Ästhetik riefen Computerstimmen zur „Operation Payback“ auf: „We are Anonymous – Expect Us“. Sie koordinierten ihre Aktionen in Chat-Foren und legten mit „Denial of Service“-Attacken (DoS) Webserver durch eine Masse sinnloser Datenabfragen lahm.

          In der Folge sammelten sich unter dem Label „Anonymous“ Nerds, Trolls und Hacker mit guten, quatschigen oder indiskutablen Absichten. „Anonymous“ war nie eine homogene Gruppe mit einer festen Programmatik, sondern ein Angebot für alle. Dass sie damit nicht automatisch Teil von etwas Besserem werden, zeigen die permanenten Anfeindungen gegenüber Frauen. Oder Aktionen wie „OpIsrael“: Israel sollte wegen Menschenrechtsverstößen „aus dem Internet gelöscht“ werden.

          Nicht jeder Aktivist ist ein Hacker

          „Anonymous“ war ein Versprechen: eine Alternative zu den verwertbaren Facebook-Identitäten, eine transnationale Protestbewegung, die in Erscheinung trat, wenn der höchste Wert des globalen Kommunikationsnetzes – die freie Rede und der freie Datenaustausch – bedroht war. Unter diese Agenda fallen die Unterstützung der Proteste gegen das „Anti-Counterfeiting Trade Agreement“ (Acta).

          Aber auch die Verteidigung des freien Tauschs von Musik und Filmen, die zur bisher größten DoS-Attacke gegen die Seiten von Universal Musik, und des FBI führte, nachdem die File-Sharing-Seite „Megaupload“ wegen des Verstoßes gegen Urheberrechte vom Netz genommen worden war. Die NSA warnte vor einem Hackerangriff des Web-Kollektivs und erklärte „Anonymous“ zur „unmittelbaren Bedrohung für die nationale Sicherheit“.

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