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Talkshow am Sonntagabend : Ohne Jauch geht’s auch

Jauch will nicht mehr – Anne Will schon. Bild: dapd

Von der Ersatzbank in die erste Reihe: Anne Will verlässt den undankbaren Programmplatz am Mittwochabend und beerbt Günther Jauch. Künftig geht sie am Sonntag in der ARD auf Sendung – so wie früher.

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          Warum nicht gleich so? Könnte man sagen und denken, dass Günther Jauch als Moderator einer politischen Talkshow im Ersten nur eine vier Jahre währende Episode war. Vor ihm bespielte Anne Will den prominenten Sendeplatz und nach ihm tut sie es auch. So haben es die Intendanten der ARD am Dienstagnachmittag bei einer Schaltkonferenz beschlossen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Nach der Absage Jauchs, der seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollte, haben die Senderchefs wirklich nicht lange gefackelt und sind auf die naheliegende Lösung gekommen –, die nicht die schlechteste ist. Dass Anne Will weiß, wie man ein politisches Streitgespräch leitet, beweist sie schließlich seit Jahr und Tag, genauer gesagt seit 2007, als sie die Nachfolge von Sabine Christiansen antrat. Vier Jahre lang stellte sie sonntags ihre Fragen, solange, bis der NDR Günther Jauch an der Angel hatte, den der Sender eigentlich schon zu Christiansens Abgang hatte haben wollen.

          Anne Will musste sich hinten anstellen und auf den undankbaren Mittwochabend ausweichen, an dem sie häufig in die späte Nacht verdrängt wird, immer dann etwa, wenn Fußball läuft. Heute zum Beispiel beginnt ihre Sendung erst in der dritten Halbzeit – um Mitternacht, weil das Erste zuvor den Nationalmannschaftskick gegen die Vereinigten Staaten zeigt. Von ihrem Mittwochsexil wurde Anne Will seinerzeit schriftlich in Kenntnis gesetzt, was zumindest ungeschickt, wenn nicht ein Affront war. Doch sie zeigte sich hart im Nehmen und bewies als Vierte im Bunde der ARD-Talker (nach Jauch, Plasberg und Maischberger), dass der Startplatz nicht darüber entscheidet, wer am Ende Woche für Woche mit einer profunden Leistung ins Ziel kommt. „Ich mache den Mittwoch mit großem Spaß“, gab Anne Will jetzt zu Protokoll. „Aber es ist auch ein schönes Angebot, demnächst auf den Sonntag zu wechseln.“

          Und auf einmal löst sich für die ARD auch der gordische Knoten, den der Senderverbund mit Jauchs Verpflichtung selbst geschnürt hatte. Erst waren es fünf Talkshows die Woche. Nach Reinhold Beckmanns Abgang waren es noch vier, jetzt sind es drei, was der Wunschvorstellung mancher Intendanten schon immer entsprach. Jetzt müsste Volker Herres, der Programmdirektor des Ersten, nur noch auf die Idee kommen, mittwochabends Dokumentationen und Dokumentarfilme zu zeigen und schon hätten wir ein öffentlich-rechtliches Programm wie lange nicht mehr. Die ARD könnte natürlich auch einmal auf die Idee kommen, etwas ganz anderes als die üblichen Rederunden mit fünf, sechs Matadoren einzurichten. Aber das ist vielleicht ein wenig viel verlangt.

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