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Netflix-Comedy über Anne Frank : Geschmacklose Satire oder Lektion in Geschichte?

  • Aktualisiert am

Anne Frank, die im Alter von fünfzehn Jahren im Frühjahr 1945 im KZ Bergen-Belsen starb. Bild: Anne-Frank-Fonds

Der amerikanische Comedian Jeff Ross hat für Netflix einen „Historical Roast“ über Anne Frank produziert, die 1945 im KZ Bergen-Belsen starb. Die Anne-Frank-Stiftung findet das nicht witzig. Ross sagt, er wolle Geschichte vermitteln.

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          Der Streamingdienst Netflix ist wegen einer satirischen Sendung über Anne Frank in die Kritik geraten. Die Folge der Serie „Historical Roast“ sei eine „geschmacklose Satire“, erklärte die Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam. Anne Frank war mit ihrer Familie während der NS-Diktatur aus Deutschland nach Amsterdam geflüchtet. Sie hielt sich dort von 1942 bis 1944 versteckt, wurde jedoch entdeckt und starb nach ihrer Deportation im Alter von fünfzehn Jahren im Frühjahr 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

          In der umstrittenen „Roast“-Folge begegnet sie Adolf Hitler. Dabei sagt der Hitler-Darsteller unter anderem: „Von allen Berichten aus dem Zweiten Weltkrieg, die ich gelesen habe, ist dein Buch mit Abstand am brennbarsten.“ Damit wird offenbar auf die Bücherverbrennung durch die Nazis in Deutschland 1933 angespielt. Anne Frank hatte in ihrem Versteck in Amsterdam ihr heute berühmtes Tagebuch geschrieben.

          Eine „Debatte über die Geschichte anregen“

          Auch das niederländische Informations- und Dokumentations-Zentrum zu Israel sprach von einer geschmacklosen Sendung. Netflix sagte der niederländischen Agentur ANP, dass die Serie „die Debatte über die Geschichte anregen“ solle.

          Bei der „Historical Roast“-Serie werden historische Persönlichkeiten wie Cleopatra, Abraham Lincoln oder Martin Luther King verbal angegangen oder „gegrillt“, wie der Serientitel nahelegt. Verantwortlich für die „Roasts“ ist der amerikanische Komiker Jeff Ross, selbst jüdischer Herkunft. „Ich grille nur Leute, die ich bewundere“, hatte Ross amerikanischen Medien gesagt. „Bei Anne Frank scheint es, dass viele Leute ihre Geschichte vergessen haben.“ Jeder fände es gut, wenn er Hitler grille, sagte Ross zu „Entertainment Weekly“, „aber ich muss bei meiner Überzeugung bleiben, dass ich nur Menschen grille, die ich bewundere. Ich grille nur diejenigen, die ich liebe.“

          Mir kritischen Reaktionen hatte Ross gerechnet. In der „Tonight Show with Jimmy Fallon“ sagte er: „Die Menschen müssen sich an diese Geschichten erinnern. Es heißt immer „Niemals vergessen“, wenn es um den Holocaust geht, und ich sage: Ja, wir müssen uns an junge Menschen wie Anne Frank erinnern. Das ist auch ein vorsichtiger Hinweis darauf, wie wir heute mit Flüchtlingen und Einwanderern umgehen.“

          In einer offiziellen Reaktion von Netflix heißt es, man sei sich bewusst, dass es sich hier um ein sensibles Thema handele. „Wir glauben an die Kraft der Comedy, uns dazu zu bringen, Dinge einmal anders zu betrachten und eine Debatte über schwierige Momente unserer Geschichte zu entfachen. Historical Roasts können als ,provokative Comedy mit einem Zweck` gesehen werden: Die Absicht des Comedians Jeff Ross ist es, etwas über Geschichte zu lernen.“

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