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„Anna und die Liebe“ : Ich bin süß, du bist süß, wir sind süß

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Jeanette Biedermann träumt als Anna von Karriere und Liebe Bild:

Jeannette Biedermann ist die Rolle der Anna auf den Leib geschrieben: All ihre Versuche, das Image eines „Bad Girl“ aufzubauen, scheiterten kläglich. In „Anna und die Liebe“ kann sie als schüchternes Aschenputtel endlich ihren Frieden finden.

          Sympathischer als Jeanette Biedermann kann man sich wohl kaum jemanden vorstellen. Zwischen all den zickigen Starlets und Nachwuchsmodels, die mit Macht ins Fernsehen drängen, wirkt sie, die einst ihre Friseurlehre bei Udo Walz abbrach, als sie zur „Bild“-Schlagerkönigin gewählt wurde, ungewöhnlich normal und familientauglich - wie eine, die niemals mit fremden Partnern flirten würde, weil sich das einfach nicht gehört, und wie eine, die man vom Fleck weg als Babysitterin für den eigenen Nachwuchs, der sie selbstverständlich abgöttisch lieben würde, engagieren könnte.

          Jeanette Biedermann ist nicht nur eine bekannte, vielfach ausgezeichnete deutsche Popsängerin und Schauspielerin, sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Bekanntheit zu nutzen, um für ihre Fangemeinde ein Vorbild zu sein. Sie engagiert sich beim Roten Kreuz und für Straßenkinder in Lima, tritt bei Veranstaltungen gegen den Schlankheitswahn auf und sitzt in den Jurys von „Star Search“ und „Stars auf Eis“, wo sie den Kandidaten gut zuspricht, „megabegeistert“ ist und ohne Unterlass nachempfinden kann, wie aufregend es ist, plötzlich in der Öffentlichkeit zu stehen. Um es kurz zu machen: Jeanette Biedermann ist die wahrscheinlich harmonischste Verbindung von Talenten, Kinderstube und Charakter, die wir hierzulande unter den jüngeren Frauen finden können. Einfach unheimlich lieb. Böswillig gesagt: als Star einfach unheimlich langweilig.

          Realitätsferne als Markenzeichen

          Eine Rolle allerdings gibt es, die der ehemaligen „GZSZ“-Darstellerin gar nicht steht: die des bösen Mädchens. Nicht, dass sie es nicht probiert hätte. Doch ohne Erfolg. Vor zwei Jahren blieb ihre Single „Bad Girls Club“ bei den Chart-Plazierungen weit hinter den Erwartungen zurück. Die Anhänger nahmen ihr die Rolle des „Bad Girl“ nicht ab. Bei Jeannette Biedermann kann man sich eben beim besten Willen nicht vorstellen, was Amy Winehouse, Pink oder Kate Moss vormachen: fies und gemein zu sein, im Drogenrausch abzustürzen oder mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. In der „Tatort“-Folge „Schwelbrand“ von Radio Bremen, in der Biedermann in einer Hauptrolle als Rockröhre auftrat, wirkte sie deutlich fehlbesetzt.

          Sie beobachtet oft stundenlang das Treiben gegenüber in der Werbeagentur, wo sie gerne als Texterin arbeiten würde

          Somit ist Jeanette Biedermann das beste Beispiel dafür, dass die Binsenweisheit, die in der Sat.1-Telenovela „Anna und die Liebe“ von heute an mindestens 252 Folgen lang widerlegt werden soll, eben doch stimmt. Aus dem zarten Geschöpf wird nun mal kein Vamp in Lack und Leder. Und aus dem „schüchternsten Mädchen der Welt“ nur in der Märchenwelt dieser neuen Telenovela eine schlagfertige Frau. Seine Realitätsferne aber kann man dem Genre nicht vorwerfen. Sie ist eines seiner hervorstechendsten Kennzeichen, mithin Geschmackssache.

          Nach Alexandra Neldel mit Fatsuit, Zahnspange und Kassengestell als Lisa Plenske in „Verliebt in Berlin“ soll es nun also Jeanette Biedermann als krankhaft sprechgehemmte Anna Polauke in „Anna und die Liebe“ für Sat.1 richten. Jeannette Biedermanns erster Anlauf „Dina - Flaschengeist auf Probe“ war 2006 von Sat.1 in den Giftschrank verbannt worden, nachdem erste Folgen in der Rohfassung durchgefallen waren. Der letzte ausgestrahlte Telenovela-Versuch von Sat.1, „Schmetterlinge im Bauch“, litt ebenso wie das ohne Alexandra Neldel weitergeführte „Verliebt in Berlin“ unter schwachen Quoten. Jetzt aber scheinen alle Zutaten geeignet, das Zielpublikum zu finden.

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