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Vorstandschefin geht : Anke Schäferkordt verlässt RTL

  • Aktualisiert am

Sie wirkte bei RTL hinter der Kamera: Anke Schäferkordt. Bild: Handout RTL

Dreißig Jahre lang hat Anke Schäferkordt für Bertelsmann gewirkt, 27 Jahre lang für die deutschen Sender des Konzerns. Nun gibt sie ihren Posten als Chefin von RTL Deutschland ab. Einen Nachfolger gibt es schon. Er tritt in große Fußstapfen.

          Die Vorstandschefin von RTL Deutschland, Anke Schäferkordt, gibt ihren Posten zum Jahresende auf und verlässt den Vorstand von Bertelsmann. Ihr Nachfolger bei den deutschen Sendern von RTL wird der bisherige Vox-Geschäftsführer Bernd Reichart, wer ihn bei Vox beerbt, ist noch offen. Die RTL Group und Anke Schäferkordt hätten „gemeinsam und im besten gegenseitigen Einvernehmen“ entschieden, ihren Vertrag als Vorstandschefin der Mediengruppe RTL Deutschland nicht zu verlängern, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns.

          „Nach mehr als 27 Jahren“ sei es “kein einfacher Schritt, die Mediengruppe RTL zu verlassen“, sagte Anke Schäferkordt. Sie sei überzeugt, dass ein „schneller Übergang“ im besten Interesse von RTL Deutschland sei. Sie sei „dankbar und stolz, dieses großartige Unternehmen mit seinen hervorragenden Mitarbeitern geführt zu haben.“ Anke Schäferkordt, sagte der Chef der RTL Group, Bert Habets, habe „die Erfolgsgeschichte der RTL Group geprägt. Die Liste ihrer unternehmerischen Erfolge ist beispiellos“. In den Jahren von 1995 bis 2005 habe sie zunächst den Sender Vox zu einer der „profitabelsten und stärksten Marken“ der RTL Group gemacht, sie habe die Senderfamilie „systematisch ausgebaut und den operativen Gewinn seit 2005 mehr als verdreifacht“. Als Co-CEO der RTL Group sei sie „eine treibende Kraft bei den strategischen Investitionen in neue Digitalgeschäfte“ gewesen, um den Konzern „zurück auf Wachstumskurs zu bringen“.

          Der Aufsichtsratsvorsitzende von Bertelsmann, Christoph Mohn, lobte Anke Schäferkordt als „herausragende TV-Managerin, die Kreativität und Unternehmertum vereint.“ Unter ihrer Führung habe sich RTL Deutschland „zur erfolgreichsten privaten Fernsehgruppe in Deutschland“ entwickelt. Er bedauere ihr Ausscheiden sehr. Thomas Rabe, der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann, dankte Anke Schäferkordt im Namen des gesamten Vorstands „für ihre herausragende Leistung.“

          Mit Anke Schäferkordt verliert RTL in der Tat die treibende Management-Kraft der vergangenen Jahrzehnte. Schäferkordt wirkte seit Beginn ihrer beruflichen Karriere für Bertelsmann und RTL. Geboren 1962, trat sie 1988 nach einem Studium der Betriebswirtschaft in die Dienste von Bertelsmann. 1991 begann sie im Controlling von RTL, wurde dessen Chefin und übernahm die Unternehmensplanung. Dann wechselte sie zu Vox, zunächst als Kaufmännische Leiterin, später Geschäftsführerin. 2005 wechselte sie zu RTL, dem größten Sender der deutschen RTL-Gruppe und wurde für die hiesige Senderfamilie verantwortlich. Unter ihrer Führung avancierten die Sender zur Cash Cow von Bertelsmann, das in anderen Unternehmensbereichen zeitweilig schwächelte. 2012 schließlich rückte Anke Schäferkordt zur Ko-Vorstandsvorsitzenden der gesamten RTL Group mit Sitz in Luxemburg und in den Vorstand von Bertelsmann auf. Dass sie ihren Posten als Ko-Chefin von Gesamt-RTL im April des vergangenen Jahres abgab, könnte man im Nachhinein als erstes Anzeichen für ihren jetzigen Rückzug werten.

          Anke Schäferkordt vereinte in ihren Positionen dreierlei: kaufmännisches Geschick, Programmverantwortung und Repräsentation der Politik gegenüber. Hier kämpfte sie nicht allein für die Belange ihres eigenen Unternehmens, sondern für die der gesamten Branche des Privatfernsehens, das zwischen den durch den Rundfunkbeitrag finanzierten öffentlich-rechtlichen Sendern und Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon Prime Video um seine Position kämpfen muss.

          In diesem Zusammenhang trat Anke Schäferkordt den Bundesländern gegenüber - die in Deutschland in der Medienpolitik ferderführend sind - für eine Ordnungspolitik ein, welche die Belange der hiesigen privaten Sender und deren Leistungen nicht gering schätzt. Zuletzt hatte sie sich in einem Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ enttäuscht über die deutsche Politik geäßert. Auf der einen Seite, sagte sie, habe man „den Wettbewerb mit den neuen amerikanischen Playern“, großen Plattformen, „die global skalieren“. Auf der anderen Seite stünden die „mit jährlich knapp neun Milliarden Euro ausgestatten Öffentlich-Rechtlichen“. Der deutsche Werbemarkt umfasse etwa 4,5 Milliarden Euro. Zwischen den genannten „zwei starken Polen“ müssten sich die Privatsender behaupten. „Die Politik sollte Rahmenbedingungen schaffen, die es ermöglichen, dass auch in Zukunft eine Vielfalt privater audiovisueller Anbieter überleben kann“, sagte Anke Schäferkordt dem „Hamburger Abendblatt“.

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