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Anke Engelke im Gespräch : Das ist für euch!

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Kennt den Ist-Zustand des Fernsehens und will es besser machen: Anke Engelke Bild: Röth, Frank

Anke Engelke macht Fernsehen für Zuschauer, die selbst entscheiden können, wann sie klatschen wollen. Und lädt Gäste ein, die man nicht aus dem Fernsehen kennt. Geht das?

          5 Min.

          Sie haben einmal über Ihre Sendung „Anke hat Zeit“ den Satz gesagt: „Jetzt mache ich einen Talk, wie ihn eigentlich alle Leute, die ich kenne, schauen wollen - und dann gucken sie nicht.“ Das klingt ein wenig frustriert.

          Nein, gar nicht. Für mich gilt: Machen, machen, machen - und nicht verzagen. Und immer wieder sagen: „Leute, das müsst ihr sehen. Das ist Fernsehen für euch, die ihr sonst kein TV mehr guckt.“ Aber natürlich habe ich auch Verständnis für Menschen, die sich vom Fernsehen ihren Alltag nicht timen lassen. Ich gehöre ja selber zu meinen Freunden und lasse auch nicht alles fallen, wenn eine Sendung beginnt. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Deutschlandspiele bei einer EM oder WM, also alle zwei bis vier Jahre. Maximal.

          Also heute: Endspiel gucken!

          Ja, klar. Aber dadurch, dass ich nicht so gern vor dem Fernseher sitze und auf dem Sofa so festklebe, schaue ich wirklich nur die Deutschland-Spiele.

          Was war das Tollste, das Schlimmste bisher bei der WM-Berichterstattung?

          Ich bin kein Freund solcher Guinness-Buch-Fragen. Wenn man selber beim Fernsehen arbeitet, dann weiß man ja auch, warum Sachen manchmal eben sind, wie sie sind. Deshalb: Nicht ärgern und im Zweifel immer auf Mehmet Scholl konzentrieren.

          Stört es Sie, dass bei der WM fast ausschließlich Männer bei ARD und ZDF zu sehen und hören waren? 

          Nein. (Pause) Ich bin ja Postfeministin, finde, Gleichberechtigung findet nur statt, wenn man sich darauf einigt, dass es machen soll, wer es am besten kann.

          Sie machen mit „Anke hat Zeit“ eine Art Fernsehfeuilleton.Sie laden sich für neunzig Minuten ins Café des Kölner Stadtgartens fünf, sechs Künstler ein, die in ihrer Sparte berühmt, aber eben meist nicht fernsehbekannt sind, dazu zwei Music-Acts. Vor der Aufzeichnung gestern haben Sie dem Publikum noch mal erklärt, warum gewisse Fernsehstandards hier mit Absicht nicht erfüllt werden.

          Ich finde Fernsehen ätzend, das dicke Backen macht, das trickst und lügt. Deshalb gilt bei mir: alles sichtbar machen, nichts verstecken, keine Tricks. Mein Lieblingsbeispiel ist das Anklatschen nach einer Maz. Das macht man so im Fernsehen: Man klatscht nach einem Einspielfilm an, damit beim Schnitt aufs Publikum dort klatschende Menschen sitzen. Markus, unser Regieassistent, hat in der ersten Sendung noch nach einigen Mazen angeklatscht. Ich hatte etwa die Dramatikerin Katja Brunner zu Gast, wir zeigten einen kurzen Film über ihr aktuelles Stück, es ging um Inzest, bittere Bilder . . . Warum sollte man da klatschen? Ich möchte, dass die Menschen in meiner Sendung die Chance haben, selber zu entscheiden, was sie tun. Ich bin ja von Haus aus Pädagogin und deshalb wahnsinnig didaktisch.

          Was ist denn das Lernziel für die Klasse?

          Mein Anspruch ist totale Wahrhaftigkeit. Eine Glaubwürdigkeit, die ich bei anderen und mir selbst voraussetze, sonst kann ich keine Sendung machen. Selbst wenn ich beim „Eurovision Song Contest“ auswendig gelernte Texte runterspule, nicht mal von mir, sondern vom großen Autor Florian Göbels geschrieben, das auch gar nicht verleugne, diese Worte aber mit Leben fülle, mit Humor, Ironie und allem, was bei so einem Event Platz hat, dann ist das auch nicht wirklich Mainstream, sondern feuilletonreif.

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