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Anke Engelke im Gespräch : Aber natürlich wollen wir das Fernsehen retten

  • Aktualisiert am

Aufgezeichnet ist bereits, nun kann es losgehen: Anke Engelke Bild: Julia Zimmermann

Anke Engelke, die schärfste Zunge im Kulturbetrieb, übernimmt im WDR am kommenden Samstag die Kultur-Anti-Talkshow, an der Helge Schneider gescheitert ist. Ein Gespräch über das Zeithaben fürs Gute inmitten dummer Hektik.

          Moment, ich muss noch eben das zweite Gerät ...

          Sie wissen, dass das jeder sagt?! Dass jeder erst mal seine Aufnahmetechnik erklärt ...

          Ich erkläre gar nichts.

          Wohl! Und dass sich jeder entschuldigt: „Ich mach’s mal mit zweien. Zur Sicherheit.“ Alle! Alle!

          Pfft. Ich gratuliere vielmehr zum größten Porträt aller Zeiten: neun Seiten im „Zeit Magazin“. Sind Sie jetzt ganz oben? Und wieso gerade jetzt?

          Ich habe keine Ahnung! Der Herr Kalle, der das machte, wusste ja gar nichts von „Anke hat Zeit“, die Anfrage kam zwischen einem unserer Treffen, das hätte ich ihm eigentlich mal erzählen können.

          Machen wir doch mal einen knallharten Faktencheck. Ihr wichtigstes Stilmittel ist die Selbstironie?

          Ach. Hm. Ja, doch.

          Sie können auf den Punkt da sein?

          Das ist mein Job, wenn ich ihn gut mache.

          Wie viel Übung ist dafür nötig?

          Ganz viel. Der Umgang mit Zeit und Momenten zum Beispiel, das kann und muss man üben. Selbst jetzt beobachte ich mich bei einer Moderation manchmal und denke: Warum hast du das jetzt gesagt? Aber man kann die Worte nicht mehr zurückholen.

          Im Schnitt schon.

          Das verbitte ich mir: Sachen rauszuschneiden, die ich von mir nicht gut finde.

          Letzter Punkt im Faktencheck: Sie haben alles - außer Zeit?

          Na ja, wenn man mich bei der Arbeit beobachtet, kann man das denken. Aber ich arbeite unter dem Strich drei oder vier Monate im Jahr. Dazwischen ist wahnsinnig viel Zeit. Da sitze ich zu Hause, spiele mit den Kindern und lackiere mir die Zehennägel.

          Sehen aber nicht unbedingt fern. Fernsehen finden Sie eigentlich dumm, oder?

          Yes. Absolutely. It’s a time killing machine.

          Das kann aber doch auch angenehm sein.

          Ich gucke einfach nicht viel. Aber ich finde ein paar Sendungen gut.

          Sie sehen sich auch nicht an, was die Freunde und Kollegen machen?

          Nein. Ich lasse mir doch nicht von einem Apparat etwas aufzwingen.

          Wäre ja auch eher auferlegt durch Konventionen der Höflichkeit?

          Wollen wir konventionell sein? Ich nicht!

          Und wenn Ihre Freunde nicht „Anke hat Zeit“ sehen?

          Ist doch supergeil! Wenn das Fernsehen von heute auf morgen weg wäre, würde die Welt sich weiterdrehen. Das ist eine schöne Vision. Ich müsste mir nur einen neuen Job suchen.

          Weil Sie bei aller Geringschätzung schon recht viel in diesem Medium unterwegs sind. Wollen Sie eigentlich das Fernsehen retten?

          Im Spaß sagen wir das oft, wenn wir in der Redaktion zusammensitzen.

          Hätte es seine Rettung denn verdient?

          Also. Erstens, die Nachrichten: Die Bilder, die mir Zeitung und Radio nicht geben, muss mir doch das Fernsehen geben. Da will ich dann aber auch guten Journalismus haben. Zweitens, Thema Kinderfernsehen: Das finde ich zum großen Teil schlecht, so schlecht, soooooo schlecht. Deshalb mache ich Kinderfernsehen, das extrem gut ist. Gerne mit purer Anarchie. Denn wir können Fernsehen nicht vom Planeten verdammen. Aber wenn die Kinder schon schauen, dann bitte etwas Gutes, und zwar gemeinsam mit den Eltern und danach drüber reden. Drittens, in der Unterhaltung gilt das Wenn-schon-denn-schon-Prinzip ebenso: Ich habe auch schon nicht so gutes Unterhaltungsfernsehen gemacht, ich musste ja üben. Aber „Ladykracher“ ist etwas, das ich super finde. Und ich liebe es, wenn Leute sagen, dass sie das gut finden, selbst wenn sie es nicht gucken.

          Wenn sie es nicht gucken?

          „Harald Schmidt“ ist auch so ein Fall: Ich schaue das nicht, aber wenn es das nicht gäbe im Fernsehen, hätte ich was falsch gemacht als Zuschauer.

          Schon passiert, der Fehler.

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