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Angela Merkel auf der Gamescom : Mögen die Spiele beginnen

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Angela Merkel auf der Gamescom in Köln. Bild: AP

Ob Angela Merkel wusste, mit wem sie da alles auf der Gamescom vor den Kameras stand? Für das Spiel im Sinne von Friedrich Schiller hat sie jedenfalls etwas übrig. Der Dichter verband damit freilich die Revolution.

          Dass Angela Merkel wusste, wer da so alles hinter ihr stand, als sie, umringt von Videospiel-Charakteren in die Kamera lächelte, ist wohl eher unwahrscheinlich. Super Mario hat sie sie sicher mal gesehen, aber dann könnte es schon schwierig werden für die Kanzlerin. Dabei thronte direkt über ihrer Schulter quasi das Abbild ihrer digitalen Schutzpatronin. Eine junge Frau mit roter Mähne, Tierfell-Outfit und Metallplatte am Ohr: Aloy, Heldin aus „Horizon: Zero Dawn“.

          In dem Playstation-Spiel muss Aloy analoge und digitale Kräfte wieder miteinander versöhnen, nachdem zuvor fast die gesamte Menschheit durch die Digitalisierung ausgelöscht wurde. Und auch wenn es in der Realität ganz so dramatisch noch nicht sein mag: Versöhnen wollte auch Angela Merkel, als sie an diesem Dienstag in Köln die Gamescom eröffnete.

          Die Raute unter Computerspielern: Erstmals eröffnet Kanzlerin Merkel die Gamescom in Köln.

          Knapp 350.000 Besucher werden in diesem Jahr erwartet, ausgehend von den Besucherzahlen ist die Messe die größte für digitale Unterhaltung weltweit. Und nun wurde sie also von Angela Merkel eröffnet, für die das Internet 2013 noch „Neuland“ war. In dieser Tradition begann die Kanzlerin ihre Rede auch nicht mit einem Zitat von Prinzessin Zelda, oder einem bekannten Spieleentwickler, sondern mit Friedrich Schiller und dessen viel bemühter These, dass der Mensch „nur da ganz Mensch“ sei, „wo er spielt“. Schiller sprach dem Spiel an sich revolutionäres Potential zu. Er verstand es als subversives Korrektiv, weil in ihm jenseits der bestehenden Verhältnisse diese reflektiert werden könnten.

          Auf politische Revolution hat Angela Merkel es mit ihrem neuen demonstrativen Zuspruch für das Medium vermutlich nicht abgesehen, wohl aber auf dessen Potenzial als Innovationstreiber und pädagogisches Werkzeug. „3D, Augmented Reality, Virtual Reality, künstliche Intelligenz – Das sind die Beispiele aus ihrer Branche, die auch in der Industrie zunehmend an Bedeutung gewinnen“ bestärkte sie das Fachpublikum und die Mitglieder des Branchenverbands BIU, der die Messe ausrichtet.

          Virtuelle Realität trifft die analoge: Die Bundeskanzlerin beim Messe-Rundgang auf der Gamescom.

          Dem Verband dürften die warmen Worte nicht reichen, fordert er doch seit geraumer Zeit ein Förderkonzept für Computerspiele, ähnlich dem für die Filmbranche. Zu diesem Thema hielt Merkel sich aber zurück, mehr als dass man sich „genau angucken“ werde, „was Kanada, Polen und Frankreich machen“, wo die Branche staatlich schon explizit gefördert wird, versprach sie nicht. Trotzdem bezeichnete sie Videospiele sehr eindringlich, mit gehobener Hand und Blick ins Publikum, als „Kulturgut“, was skeptischen Branchenmitgliedern und jungen Wählern dann doch für einen kurzen Moment ein stolzes Lächeln abrang.

          Im Laufe des Tages schaute die Kanzlerin noch kurz bei den Spielefirmen Ubisoft und Blue Byte vorbei, setzte sich vor erfreuten Fotografen eine Datenbrille auf und ließ sich bei Microsoft von einem Lehrer erklären, wie man das Konstruktions-Spiel Minecraft im Unterricht einsetzten kann. Auch zu Spielen als Bildungswerkzeug äußerte sich Merkel generell positiv, denn damit werde „der Umgang mit dem Medium trainiert und vernetztes Denken gefördert“. Passend dazu schloss sie ihre Rede mit dem Pädagogen Friedrich Fröbel: „Die Quelle alles Guten liegt im Spiel“, nicht ohne vorher zu versichern, dass man „potenziell schädliche“ Spiele mit Gewalt-Inhalten sehr genau beobachte. Damit dürfte sie weder bei den Wolfangs Bosbachs noch den Konstantin von Notzs, weder den jungen Messe-Besuchern noch deren Eltern anecken. „Nun wissen wir, dass die Digitalisierung alle Facetten unseres Lebens mehr und mehr durchdringt“ sagt Merkel. Der Wahlkampf bildet da keine Ausnahme.

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