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Andy und Lana Wachowski : Nerds mit zwölfstöckigen Gehirnen

  • -Aktualisiert am

Wer sich auf ein Projekt von Lana und Andy Wachowski einlässt, darf nicht mit halben Sachen rechnen. Ihre neue Serie „Sense8“ wird in sieben Staaten auf der ganzen Welt gedreht. Bild: Getty

Die Science-Fiction-Filme von Andy und Lana Wachowski sprengen alle Kategorien – genau wie die eigenwilligen Geschwister selbst. Auf den Blockbuster „Jupiter Ascending“ soll mit „Sense8“ nun eine Serie auf Netflix folgen.

          Würden Lana und Andy Wachowski in einem Café in Prenzlauer Berg sitzen, würde niemand zweimal hinschauen. Aber hier, in einer Suite im „Century Plaza Hotel“ in Los Angeles, fallen die Geschwister schon auf. Sie erscheinen beide ganz in Schwarz. Er trägt Jeans, Totenkopf-T-Shirt und ein violettes Biker-Kopftuch. Ihre pinkfarbenen Dreadlocks mit der knallblauen Strähne kontrastieren mit dunklen Leggings und Riemchenpumps, Rock und Tunika. Beide haben die Fingernägel violett lackiert. Vor ihnen steht ein Glastisch mit lauter leeren und halbleeren Plastikbechern mit quietschgrünem Gemüsesaft.

          Andrew verneigt sich mit Namasté-Gruß, von Lana gibt es Küsschen rechts und links. Umgehend beginnen die beiden von ihrer zweiten Heimatstadt Berlin zu schwärmen und von ihrer Freundschaft mit dem Regisseur Tom Tykwer. Mit ihm haben sie 2012 nach David Mitchells Roman „Cloud Atlas“ gedreht und jetzt die Netflix-Serie „Sense8“, die im Mai startet. „Berlin“, sagt Lana, die eine Wohnung in Tiergarten hat und deren Frisur auch eine Hommage an Tykwers Hauptfigur aus „Lola rennt“ sein könnte, „ist die tollste Stadt der Welt.“ Und Tykwer, ach, das sei eigentlich wie eine Ehe zu dritt.

          Tykwer und die Wachowskis feierten Ende der Neunziger mit Filmen ihren Durchbruch, die stilbildend wirkten. Tykwer mit „Lola rennt“ 1998, die Wachowskis 1999 mit dem Science-Fiction-Film „The Matrix“. Seit Tykwer am Soundtrack zu „Matrix: Revolutions“ mitarbeitete, sind die drei enge Freunde. 2012 fanden sie mit „Cloud Atlas“ zu einem Film zusammen. Aber seit den Neunzigern hatte sich einiges verändert. Unter anderem war 2002 aus Larry Wachowski Lana geworden. Für viele erklärte das die berüchtigte Öffentlichkeitsscheu der Wachowskis, die sich in ihrem Vertrag mit Warner Bros. einst eigens vorbehielten, keine Pressearbeit machen zu müssen. Lana erklärte irgendwann, Prominenz sei schlicht „nicht hilfreich“.

          Science-Fiction, die Spielwiese für Radikale

          Die Ablehnung vorgefasster Kategorien bestimmt das Werk der Geschwister. Mit ihrem Erstling „Bound“ von 1996 schufen sie einen unterhaltsamen lesbischen Film noir. „The Matrix“ war ein philosophisch vertrackter Hongkong-Sci-Fi-Western, der die digitale Action ausreizte. Sie machten mit „V wie Vendetta“ eine Comic-Adaption, die kein Superhelden-Stoff, sondern ein politischer Thriller war; sie verfilmten mit „Speed Racer“ ein Videospiel und mit „Cloud Atlas“ einen als unverfilmbar geltenden Roman. Jetzt bringen sie mit „Jupiter Ascending“ ein Science-Fiction-Märchen ins Kino, das zahllose Genres vermengt.

          „Ich glaube nicht, dass viele Filmemacher eine solche Bandbreite im Hinblick auf Tonfall und ästhetische Experimente aufweisen können“, sagt Lana Wachowski. „Die meisten finden ihren Tonfall und bleiben dabei.“ Lana, mit neunundvierzig zwei Jahre älter als ihr Bruder, ist die Wortführerin der beiden, eine belesene Frau mit einer Vorliebe für philosophische Gedankenspiele und kulturkritische Analysen. Andy ist ein eher zurückhaltender Typ, der zuschaut, während Lana mit lebhafter Gestik die Welt erklärt. In Hollywood sind die Wachowskis für ihre „zwölfstöckigen Gehirne“ (so der Filmemacher Joe Straczynski, der mit ihnen die Serie „Sense8“ produziert) berüchtigt, was wohl nur teilweise ein Kompliment sein soll.

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